VIETNAM

"Mit dem Motorrad durch Suedvietnam"

Dienstag, 22.12.2015
Von Ägypten nach Vietnam. Wahrlich ein Kulturschock. Und das nicht nur in kulinarischer Sicht. Whatever, in bin in Ho Chi Minh City, das heute noch gerne Saigon genannt wird. Beim Überqueren der Straße habe ich mich eben gefragt, was gefährlicher war. Die Abreise vom Flughafen in Sharm El Sheik oder der vietnamesische Straßenverkehr. Die Antwort lautet definitiv Letzteres. Für mich ist der Airport in Sharm zur Zeit der Sicherste der Welt. Schon auf das Gelände kommt man nur nach ausgiebiger Kontrolle. Und in der Sicherheitskontrolle erst. Bis auf das Nötigste musste ich alles ausziehen. 
In Kairo dann noch mal die gleiche Prozedur. Aus Sicherheitsgründen stand mein Emirates Flieger weit weg vom Terminal. Eine kleine Busanreise zum Flieger war nötig. Dann wurde es entspannter. Über Dubai ging es nach Saigon, der größten Stadt Vietnams. Heute vor 18 Jahren bin ich an Heiligabend mit dem Motorroller durch Saigon gefahren. Heute käme das einem Selbstmordversuch gleich. In der vergangenen Zeit hat sich hier viel verändert. Der französische Kolonialeinfluss ist aber unverändert erhalten. Und so genieße ich zum Frühstück guten Kaffee mit frischen süßen Teilchen. Einen Bioladen habe ich noch nicht entdeckt. 
Junge Vietnamesen sitzen im Café, schauen gebannt auf ihr Handy oder Laptop und rufen die neuesten Instagram oder Facebook Nachrichten ab. Beim Blick durch das Fenster schwirrt auch schon mal ein Porsche vorbei. 
Fürs Erste bin ich ich von Saigon begeistert. Es war eine gute Entscheidung hier Weihnachten zu verbringen. Über 6 Mio. Christen leben hier. Heute Abend ist in der Kathedrale Notre Dame die Christmette. Sie wird live übertragen. Über 100.000 Menschen werden sich in und vor der Kirche aufhalten. Viele fahren jetzt schon mit roten Weihnachtsmützen auf dem Kopf durch die Stadt. 
Gerade die jungen Vietnamesen sind heute auffallend gut gekleidet. Viele Frauen tragen selbstbewusst Minirock mit hohen Schuhen. 
Für heute Abend sind viele Restaurants ausgebucht. Viele Familien gehen in angesagte Restaurants. Um hier gut zu essen, muss es aber nicht immer ein teures Restaurant sein. Die vietnamesische Küche gilt als eine der besten der Welt. Die Vielfalt ist enorm. Davon konnte ich mich am gestrigen Abend überzeugen. Ich hatte mir weiße, rohe Sardinen bestellt, die ich mit Gemüse in Reispapier einwickeln musste. Die Bedienung hat es mir am Tisch vorgemacht. Das Ganze wurde dann in eine scharfe Erdnusssauce mit Soja getunkt. Göttlich. 
Wenn ich gerade raus schaue, sehe ich eine junge Vietnamesin die für Modeaufnahmen posiert. Sieht alles sehr professionell aus. In ihrer Kleidung würde allerdings selbst ich schwitzen. Sie trägt scheinbar die neue Herbstkollektion. Und das bei 32 Grad Außentemperatur.
Ich bin schon gespannt was mich noch alles erwartet. Vietnam scheint alles haben, damit es eine spannende Reise wird.
Mit viel Mühe habe ich für heute Abend noch einen Platz in der Sky Bar im neuen Sheraton Saigon bekommen. Für Heiligabend müsste es schon eine exponierte Örtlichkeit sein. 
Frohe Weihnachten aus Saigon!
Dienstag, 29.12.2015
Ich habe mir vorgenommen Vietnam von Süd nach Nord zu bereisen. Hierfür spricht, dass im Süden momentan angenehmes Sommerwetter herrscht und dieses mir dann hoffentlich Richtung Norden folgt. Bei einem Land, das sich fast 3000km in die Länge streckt, nicht immer ganz einfach die idealen Bedingungen vorzufinden.
Von der geschäftigen Metropole Ho Chi Minh City bin ich nach Phu Quoc geflogen. Ein einstündiger Flug zu Vietnams südwestlichster Insel. Der Blick auf die Karte verrät, dass Phu Quoc der kambodschanischen Grenze näher liegt, als dem vietnamesischen Festland. Die Insel erschien mir eine willkommene Abwechslung zur Großstadt. Viele positive Berichte und ansprechende Fotos haben mich zu diesem Entschluss kommen lassen.
Nach der Landung auf Phu Quoc sprach mich noch in der Abfertigungshalle ein Deutscher an. Achim aus Stuttgart. Ob ich denn auch dem hektischen Saigon mit seinen chaotischen Verkehrsbedingungen entfliehen wolle? Und ob auch ich mich in Saigons Stadtverkehr im Taxi angeschnallt auf die Rücksitzbank gesessen habe? Zudem müsse man ja aufpassen, was man so zu sich nehme. Er habe sich schon den Magen verdorben. Um es auf den Punkt zu bringen. Achim fuhr mit dem Taxi zu seinem Hotel, ich heuerte den Fahrer eines Motorrollers an, der mich als Sozius in den Hauptort der Insel brachte, wo ich mir einen eigenen Roller mietete.
Die Insel ist nicht besonders groß, sodass sich dieses Transportmittel geradezu anbietet. Obwohl hier viel gebaut wird, lassen sich noch zahlreiche einsame Strände entdecken. Die Fischerorte sind noch kaum vom Tourismus betroffen. Hier lässt man sich den fangfrischen Fisch direkt am Pier grillen und trinkt dazu ein kaltes Tiger oder Saigon Bier. Die Vietnamesen lieben Bier. 
Es hat momentan viele Urlauber hier. Einheimische wie Foreigner. Auch viele Deutsche. Aber auch andere wie Achim. So traf ich in der Mango Bay, einem schönen Strandabschnitt, auf Susanne aus Bremen. Ihr Freund lag krank im Hotel und so qatschten wir bei einem Saigon Bier hauptsächlich über das Reisen. Sie selbst war schon 6 Monate in Neuseeland und hat schon auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet.
Die heutige Erkundung der Südinsel begann am wohl schönsten Strand der Insel, Bai Sao, und endete in einer Eiweißorgie am Pier des Fischerortes Ham Ninh. Am Ende einer langen Betonbrücke, die ca. 300 Meter ins Meer führte, hatte eine Einheimische eine kleine Kochstelle eingerichtet. Im Meerwasser hatte sie ein Netz hängen, in dem sich putzmuntere Krabben befanden. 1,4 kg kamen dann auf die Waage und endeten im heißen Kochtopf. Frischer geht's nimmer, wenngleich schon Gedanken an die lieben Tierchen in meinem Kopf schwirrten. Schließlich habe ich durch meinen Kauf ihr Äußeres von Graubraun nach Rosarot verwandelt. Schnell war eine Ausrede gefunden. Wenn nicht ich, hätte es ein anderer getan. Bei der Gelegenheit fiel mir dann auch wieder Achim ein. Er hatte bestimmt schon mit seiner Mutter telefoniert und sich im Hotel Spaghetti Carbonara bestellt😂.
Mittwoch, 06.01.2015
Es zeigt sich immer mehr, dass der Entschluss Vietnam zu bereisen ein echter Volltreffer war. Ich bin ja schon viel in Asien herumgekommen, aber Vietnam erfüllt alle meine Erwartungen. Vor allem das Essen begeistert mich völlig. 
Klar gibt es Vietnamesen die gegrillten Ziegenhoden, Hundefleisch, Frösche und Schlangen essen. Aber das ist definitiv die Ausnahme. Die Küche ist vielfältig und es werden meist nur frische Zutaten verwandt. So frisch, dass ich sie oft selbst am Tisch auf einem heissen Stein oder in heißem Wasser zubereite. Als Grundzutat dient immer frisches Gemüse. Auch Frühlingsrollen in allen Variationen, gereicht mit einer Erdnusssoße, sind meist dabei. 
Als ehemalige Kolonialherren haben die Franzosen natürlich auch ihre Essgewohnheiten hinterlassen. So finde ich in zahlreichen Bäckereien frische Baguette, Croissants, Puddingschleifen oder andere kleine Schweinereien. Dazu ein frischer Kaffee Latte oder ein Espresso. Mittlerweile liebe ich es schon morgens warm essen zu können, ganz wie es die Einheimischen tun. Gerade morgens werden Suppen mit frischem Gemüse zubereitet. Als Ein- oder Beilagen gibt es meist Chicken oder Fisch. 
Besonders hat es mir die sogenannte Streetfood angetan. Einheimische bauen mitten im Straßenverkehr Essensstände am Fahrbahnrand auf und zaubern dann innerhalb weniger Minuten die leckersten Gerichte. Teils so gut, dass verschiedene Anbieter schon in Gourmet Zeitschriften erwähnt wurden. Das hat dazu geführt, dass es auch bei den Promis und Reichen mittlerweile inn ist, sich dort zu zeigen.
Zur Zeit bin im Mekong Delta unterwegs nachdem ich in Saigon in der Chill Sky Bar ins neue Jahr gefeiert habe. Eine mega Party auf einem Wolkenkratzer. Und habe ich es doch getan. Ich habe mir ein Motorrad gekauft. Es stand bei einem "Friemler". Er hatte seine provisorische Werkstatt am Fahrbahnrand, die Hände mit Öl beschmiert. Wir waren uns recht schnell mit dem Preis einig. Lediglich ein eiserner Gepäckträger hat er mir noch nachträglich angeschweißt. Vom ersten Moment an fühlte ich mich auf dem Ding wohl und kurvte schon am nächsten Tag durch Saigon. So wie 1997 schon, aber mit gefühlten 1 Mio. Motorbike Nachbarn mehr. Eigentlich passen die mehr auf mich auf, als ich auf sie. Und in der Tat, der Tipp eines Kollegen trifft wirklich zu. Die Hupe ist wichtiger als die Bremse. Ich hoffe natürlich, dass Motorrad am Ende meiner Reise wieder verkaufen zu können. Egal wie es kommt, es gibt mir die erhoffte Unabhängigkeit und ich möchte diese Arte der Fortbewegung nicht mehr missen.
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass ich das Land nicht im Ganzen bereisen kann. Die Klimazonen sind doch sehr gegensätzlich. Ich werde wohl im Laufe des Jahres nochmal zurückkommen, da ich im Februar unbedingt in Neuseeland sein will. 2 Monate habe ich mir für dieses weitere Highlight vorgenommen. Aber wie ich mich kenne, wird es doch wieder anders kommen. 
Dienstag, 19.01.2016
Zweifellos gehören zu einer Reise auch unangenehme Erfahrungen, Enttäuschungen, Missgeschicke oder einfach nur unglückliche Umstände. Nur dann wird eine Reise auch wirklich komplett. Und einiges davon ist mir geschehen, worüber ich kurz berichten möchte.
Mein Motorrad hat zwar gut ausgesehen, doch ich bin nicht wirklich damit klar gekommen. Die Sitzposition war einfach unangenehm. Ich saß zu tief, der Lenker war zu niedrig, die Schaltung hakte und auch die Fußbremse war nicht wirklich zuverlässig. Lediglich die Hupe funktionierte einwandfrei. So laut, dass selbst mir fast die Ohren bei Betätigung wegflogen. Kurzum, ich habe die Maschine verkauft, natürlich mit Verlust. 
Ich hab mir jetzt eine gemietet, 125 Kubikzentimeter, angeblich das Topmodell in Vietnam. Nicht so schön wie die andere, dafür super angenehm zu fahren. Der Sound der Maschine ist so geil, dass sogar die Einheimischen einem nachschauen. Dabei dachte ich zuerst, manche schauen wegen mir zurück😩. Definitiv eine Fehlannahme. Hört sich jetzt alles locker flockig an, die ganze Prozedur hat aber 2-3 Urlaubstage gekostet. Käufer finden, Preis aushandeln, Probefahrt, Vertrag aufsetzen, neu Maschine aussuchen, wieder Probefahrt, Reifen erneuern lassen, Ölwechsel, Abänderung der Route (ich muss sie zu gleichem Ort zurückbringen) usw. 
Dem gegenüber steht natürlich das Megaerlebnis mit dem Motorrad ganz dicht am Land dran zu sein. Auf die Schilderung der bislang haarsträubenden Verkehrssituationen verzichte ich mal an dieser Stelle.
Ein anderes Problem ist die Navigation. Ok, ich hab zwar eine vietnamesische SIM-Karte, die deckt aber nicht alle Gebiete ab. Zudem ist der Verkehrslärm so stark, dass ich die Ansage des Navi nicht höre und auf das Display schauen ist lebensmüde, da ständig einer quer geschossen kommt.
Die Folge ist, dass ich mich öfters verfahre. Kostet oft Zeit und Nerven.
Über einen Tag habe ich auf der Einwanderungsbehörde verbracht, mein Visum war abgelaufen. First come, First serve, lautet das Motto in dieser Behörde. Und viele waren vor mir gekommen. Nach 6 Stunden Wartezeit war ich an der Reihe. Dann meinte der Officer ich hätte eine "Sauklaue", er könne nicht alles lesen. Na toll, Formular zurückbekommen, korrigieren, neu anstellen. Wieder warten und keine Möglichkeit zwischendurch für Sightseeing oder Massage. Wieder ein "verlorener" Urlaubstag. 
Ein anderes Thema sind die vorausschauenden Erledigungen. Visum für Australien beantragen, Pkw für Neuseeland buchen, Flüge buchen, in das zu bereisende Land einlesen (was mir schwer fällt, da ich noch in einem völlig anderen Land mit völlig anderer Kultur unterwegs bin), und noch weiter voraus denken, wie beispielhaft den Airpass von Air Tahiti mit festen Flugzeiten für jede Insel zu buchen, um nur ein Beispiel zu nennen. Es gibt Tage, da kann all dies Spaß machen, aber auch nerven.
Definitiv wird man als Tourist auch ständig beschissen. Die Frage ist nur, wieviel. In Streit gerät man dabei fast nie, der Vietnamese verliert nie sein Gesicht und wird laut. Da muss eher ich mich "am Riemen reißen".😂 Auch trifft man beim Reisen auf Menschen, die einen enttäuschen. Vereinbarungen nicht einhalten, sich nur unterhalten lassen wollen, "andere Dinge" im Kopf haben usw. Auch das geht mir an manchen Tagen nach. Das wars jetzt aber auch mit den Missständen einer Reise. Aber es lag mir am Herzen auch mal darüber zu berichten und nicht nur von angenehmen Dingen.
Aber es gibt auch Traveller denen es vielleicht noch schlechter erging. So traf ich am Airport in Ho Chi Minh City eine Algerierin, die in Paris lebt, und von ihrer Behörde ein ungültiges oder vielmehr fehlerhaft ausgestelltes Visum erhielt. No Way war die Antwort des zuständigen Beamten, sie musste das Land sofort wieder verlassen. Selbst beim Erzählen brach sie immer wieder in Tränen aus. So viel Pech oder Missgeschick kann man eigentlich nicht haben. 
Sonntag, 24.01.2016
Die Gastfreundschaft der Vietnamesen hat mich schon mehrfach beeindruckt, doch diesmal hat es ein Familienoberhaupt auf die Spitze getrieben. Ich bin immer noch sichtlich angetan, was mir in My Tho, dem Eingangstor zum Mekong Delta widerfahren ist. Doch der Reihe nach.
Fast zwei Wochen war ich im äußersten Süden Vietnams unterwegs. Es ist die wasserreichste Region des Landes. Alle leben mit und von dem Wasser. Der Mekong hat von seinem chinesischen Quellgebiet schon ein paar tausend Kilometer zurückgelegt, bis er im Deltagebiet angekommen ist. Durch die Schwebstoffe ist das Wasser sehr fruchtbar und bewässert die südliche Reiskammer des Landes. Eine große Bevölkerungsdichte und ein Netz von Kanälen kennzeichnet diese Region.
Dementsprechend viele Brücken gilt es auch zu überqueren. Mit eine der beeindruckendsten ist die im Jahr 2014 erbaute My Tho Brücke. Damit verbunden war der Bau einer 2,5 km langen Uferpromenade. Als ich abends an jener Promenade saß und die vielen Schiffe bestaunte, sprach mich ein vietnamesisches Pärchen an. Sie seien aus Norwegen. Immer wenn es ihnen dort zu kalt wird, kämen sie in ihr Heimatland zurück, wo beiden geboren sind. Es folgte ein kurzer Smalltalk, den ich mit dem Hinweis unterbrach, ich wolle den Sonnenuntergang fotografieren. Ok, no Problem, bla bla, have a nice Trip, take care....
Am nächsten Tag unternahm ich eine Bootstour auf dem Mekong, die mich auf drei Inseln auf dem Fluss führte, so breit ist der Mekong an dieser Stelle. Bienenfarm, tropische Gärten, alles rund um die Kokosnuss und einiges mehr bestimmten meinen Tag. Die mir noch fehlende Story über die berühmte My Tho Nudelsuppe mit frischem Schweinefleisch und Shrimps fehlte mir aber noch. Das hatte ich mir für den nächsten Morgen vorgenommen. Gerade hatte ich mein Motorrad an einem Hinweisschild gegen Alkohol im Verkehr abgestellt, sprach mich unvermittelt der vietnamesische Norweger an. Er kam aus einem der Nudelrstaurants herbeigeeilt und war sichtlich erfreut mich wieder zu sehen. Was dann geschah grenzt schon an eine unverschämte Herzlichkeit. 
Fast eine Stunde quatschten wir über alle möglichen Dinge, seine Familie, (auf den Sohn war er besonders stolz, der als Arztprofessor in Stavanger/Norwegen arbeitet) und natürlich über meine Person. Alleine mit dem Motorbike durch Vietnam, ohne Frau, Kinder oder Freunde. Unfassbar. Wie selbstverständlich zahlte er die Suppe, jetzt ging es in sein Lieblingscafé am Stadtrand. Aber nicht irgendwie, sondern mit seiner brandneuen Harley Davidson. Als Immobilienmakler könne er sich diese leisten. Um an dieser Stelle an meinen letzten Eintrag anzuknüpfen....wem schauten wohl alle nach? 
Im Café bestellte er dann mal Kuchen, Kaffee, Cappuchino, Tee und Wasser. Dazu gesellte sich eine seiner Angestellten. Eine junge Frau, hübsch mit Kackstelzen. Gerade richtig, um Gäste zu beeindrucken. So eine würde ich mir auch in den Empfangsbereich setzen😂.
Im Verlaufe des Gespräches viel ihm auf, dass mein Handy am Rahmen eine Beschädigung aufweise. Kaum gesagt, schon war die Angestellte unterwegs in den nächsten Handyladen, den Rahmen zu besorgen. Rahmen, Caférechnung alles wie selbstverständlich auf ihn. Bevor ich weiterfahre, solle ich aber noch mit ihm nach Hause kommen. Dort erwartete uns schon seine Frau, die mir einen frischen Obstteller bereitet hatte und schon einen Takeaway Bag für die Weiterreise gepackt hatte. Sichtlich stolz zeigte er mir seine beeindruckende Villa. Ab 17. Februar könne ich in dieser wohnen, dann gehen beide wieder für ein halbes Jahr zurück nach Norwegen. Ich musste seinem Hausmeister meine vietnamesische Handynummer geben, ich solle es mir doch ein paar Tage in seinem Haus gut gehen lassen. 
Letztlich zeichnete er mir als Motorradfan eine Karte, die eine Strecke ins südliche Delta aufzeigte. Landschaftlich für schöner als die Nationalstraße 1. Genau so war es auch. Vorbei an malerischen Kanälen, Blumenbauern und malerischen Landstrichen. 
Klar kam ich nicht so einfach davon, ohne zu versprechen, beide in Grimstad/Norwegen zu besuchen. Und ob ich auch genügend Sonnencreme aufgetragen habe, ich sei doch schon so braun und die Sonne schade meiner Haut.
4 Stunden später begann ich meine Weiterreise, vier Stunden voller Herzlichkeit und sichtlicher Ehrlichkeit. Da fällt mir das wiedergegebene Zitat einer Freundin ein. "Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben".
Samstag, 30.01.2016
Ich bleibe dabei. Das vietnamesische Küche ist Spitzenklasse, auch wenn sie mich hingestreckt hat. Schließlich bin ich selbst schuld. Ich dachte mein alter Travellermagen macht alles mit. Eine Zeit lang ging das auch gut, aber an einem Tag hatte ich es wohl übertrieben. 
Schon morgens Streetfood gegessen, nachmittags frischer, noch warmer, Bananenkuchen und abends eine Spezialität des Mekong Delta, Pfannkuchen gefüllt mit Bohnen, Schweinefleisch, Shrimps und Käse. Bevor diese kleine Schweinerei die Mundöffnung betritt, wird alles noch in frische Salatblätter mit Kräutern gewickelt und in eine scharfe Soße getunkt. Super lecker, doch schon nachts merkte ich, dass was nicht stimmte. Da half auch eine Pepsi zur Zerstörung der Bakterien nichts mehr. Ich verbrachte die Nacht überwiegend in einem anderen Raum.😂
Nur gut, dass ich die Fähigkeit besitze meinen Magen bei Bedarf mit einem langen Finger entleeren zu können. Dennoch war ich fast zwei Tage außer Gefecht. Viele Mineralien verloren und kraftlos. Und das alles in einem Hau Di Mau Di Dorf an der kambodschanischen Grenze. Es gibt zweifelsfrei schönere Orte um krank zu sein. 
Ich habe lange überlegt, ob ich mit meinem Motorrad nach Kambodscha einreisen soll. Positive Berichte anderer Traveller verlockten. Ich habe mich jedoch entschlossen Kambodscha und Laos zu einem anderen Zeitpunkt zu bereisen. Vietnam gefällt mir so gut, dass ich es weiter intensiv kennen lernen möchte. 
Mit meinem gemieteten Motorrad bin ich voll zufrieden, wenngleich ich, wie jeder andere Tourist der gleiches tut, illegal unterwegs bin. Ausländer dürfen in Vietnam kein eigenes Fahrzeug fahren. Die Polizei duldet es einfach. Ein wenig denkt man aber schon daran, dass einem die Maschine bei einer Kontrolle einfach so unter dem Arsch konfisziert werden kann. Zur Sicherheit habe ich immer genügend "Wechselgeld" dabei. Und in der Hinterhand den IPA Ausweis. Der greift in einem kommunistischen Land bestimmt!😂 Nur gut, dass die Polizei so gut wie nie zu sehen ist. Meistens sehe ich die Kollegen als Pappfigur am Straßenrand, was eine mögliche Radarkontrolle signalisieren soll. Anscheinend nicht unberechtigt, ist doch der vietnamesische Asphalt alle paar Meter mit weißer Kreidezeichnung versehen. Unfallaufnahme auf vietnamesisch. Bislang ging alles gut, bis auf eine Verbrennung an der Wade am heißen Auspuff. Nur gut, dass es das gleiche Bein erwischt hat, auf das ich vergangenes Jahr in Thailand gestürzt bin. So langsam kann ich mich nach einer rechtsseitigen Prothese umsehen😩 An die hausgemachten Verkehrsregeln kann ich mich weiterhin nur schwer gewöhnen. Regel Nummer 1, die gleichzeitig die wichtigste ist, es gibt keine Regel. An Kreuzungen fährt derjenige als erster, der am wagemutigsten ist. Weicheier stehen ewig. Will ich abbiegen, setzte ich zwar den Blinker, den interessiert jedoch keinen. Alle brettern an einem vorbei. Ich taste mich folglich langsam zur Fahrbahnmitte hin, um dann in den nächsten 5 Minuten, wenn mal gerade nur 50 Fahrzeuge entgegenkommen, abbiegen zu können. Am geilsten ist jedoch das einfahren in eine Straße, wenn ich aus der Seitenstraße komme und auf die gegenüberliegende Fahrbahn will. Ich fahre zunächst mal nach dem einbiegen als Geisterfahrer entgegen der Fahrtrichtung, was jeder normal findet, um dann irgendwann auf die gegenüberliegende Fahrbahn wechseln zu können. Hat zur Folge, dass einem ständig Geisterfahrer entgegen kommen. Fußgänger haben eigentlich immer die Arschkarte. Aber auch die schaffen es, meistens.
Mittlerweile habe ich das Mekong Delta verlassen und bin Richtung Landesmitte unterwegs. Dabei darf ich keinesfalls den Wolkenpass überschreiten, denn dieser bildet die Wetterscheide. Dahinter sind es momentan 15 Grad bei Regen.
Ich befahre mitunter die Nationalstraße 1, die Lebensader des Landes. Sie zieht sich durch das gesamte Land, auf einer Länge von mehr als 3000km. Dementsprechend erlebt man bei einem Befahren auch viel. Räucherstäbchen werden am Wegrand getrocknet, Plastiktüten hergestellt, beschriftet und am Fahrbahnrand in der Sonne ausgelegt, Kleinkinder auf dem Scooter gestillt und  allerlei Waren auf teils abenteuerlichen Gefährten transportiert. Es vergehen keine 10 Minuten ohne dass ich was Neues entdeckt habe. Die Straße ist an manchen Stellen in einem schlechten Zustand. Tiefe Schlaglöcher bereiten mir Sorgen, dazu der starke Verkehr. Für 150 km Fahrtstrecke zeigt mir mein Navi 3 Stunden 50 Minuten. Mit Fotostopps und Trinkpausen werden es 5 Stunden 10 Minuten.
Weiterhin begegnen mir die Vietnamesen äußerst zuvorkommend und freundlich. Ich werde auf Hochzeiten und Geburtstage eingeladen oder diene einfach nur als Gesprächspartner um etwas über das angeblich coole Leben der "Western" zu erzählen. Krass ist oft das Stadt-Land-Gefälle. Nur 50 km südlich von Saigon versteht kaum noch einer Englisch. Einige rufen mir "Hey Jo" zu, wie früher die Amis genannt wurden. Ältere Menschen sprechen mich öfters in Französisch an. Jüngere Vietnamesen finden es cool wie ich reise. Alleine und unabhängig die Welt kennen lernen. Eine Traum für viele. Lebensältere Vietnamesen, mein Alter und älter😜, wundern sich wie man alleine, ohne Ehefrau, Freunde oder Kinder unterwegs sein kann. Wer kümmere sich denn in meiner Abwesenheit um meine Kinder. Mittlerweile gebe ich immer an, 2 Kinder zu haben. Diese seien bei der Oma in Deutschland. Als Fotos dienen mit momentan noch Google-Kinder. Gerne nehme ich über mein Kontaktlink zwei Fotos "meiner" Kinder entgegen. Junge und Mädchen ist immer eine gute Kombination. Wäre echt nett, wenn mir da jemand aus der Patsche helfen kann. Ohne Kind gilt Mann in Vietnam als Rohrkrepierer😂.
Ach ja, noch was übles zum Schluss. Montag beginnt mein eigentliches Sabbatjahr. Mein Urlaub und Überstunden sind aufgebraucht. Beruhigend zu wissen, dass ich noch 13 Monate meinen Traum leben kann.
Samstag, 06.02.2016
Das ganz Land ist in Bewegung. Jeder bereitet sich auf seine Weise auf den größten Feiertag des Landes, das Tet-Fest, (Neujahr) vor. Dieses Fest muss man sich so vorstellen, wie wenn bei uns Weihnachten, Silvester, Ostern, Geburtstag und Hochzeit auf einen Tag fällt. Alle Hotels sind seit Wochen ausgebucht, Restaurants fahren mit Notbesatzung und öffentliche Verkehrsmittel sind voll gestopft mit Menschen, die zu ihren Familien fahren.
Um all dem ein wenig zu entgehen, habe ich mich an die Küste geflüchtet. Ich bin in Mui Ne, einem der Hotspots einer Vietnam Reise. Das einstige Fischerdorf ist mittlerweile ein typischer Ferienort mit allem was dazu gehört. Der Ort hat sich nach meiner Auffassung jedoch noch den Charme alter Zeiten erhalten können. Mir gefällt die Kombination zwischen unberührter Küste, Fischer die ihrer Arbeit nachgehen, vietnamesischem Markttreiben, Wassersport und internationalem Flair. 
Nach einigen Wochen in Asien genieße ich morgens bei Kim zu frühstücken, die in ihrem Café "Marktplatz" neben vietnamesischer auch Schweizer Küche anbietet. Sie hat über 15 Jahre in Basel gelebt und redet meist Deutsch mit mir. Ihr Akzent klingt witzig. Ich wäre froh ich könnte so vietnamesisch reden. Von der Grammatik angeblich nicht schwierig, aber ein Wort kann je nach Betonung etwas anders heißen. Nicht so einfach. Auf dem Land bringt mich das manchmal zur Verzweiflung.
Meinen anfänglichen Plan, hier 2-3 Tage zu bleiben habe ich über Bord geworfen. Ich bleibe hier länger als eine Woche. Davon war ich spätestens überzeugt, als ich die beeindruckende Dünenlandschaft sah. Wahrhaft Dünen wie ich sie im Sossusvlei in Namibia sah. Eingebettet in einen traumhaft gelegenen See. Störend sind nur die Quadfahrer, aber es gibt noch Stellen, um diesen unangenehmen Gefährten zu entgehen. Hinzu kommen wirklich beeindruckende Schluchten mit Flussläufen wie ich sie bislang nur in Australien und den USA gesehen habe. 
Nicht alle Vietnamesen können zu ihren Familien reisen, vielen fehlt einfach das Geld. Wie bei uns in Europa sind auch hier die sozialen Unterschiede gewaltig. Hierzu fällt mir die Begegnung mit einer älteren Frau in den Altstadtgassen von Saigon ein. Eine Begegnung, mit der ich auch mal berichten möchte, wie es zur der Entstehung meiner Portraitaufnahmen kommt. Gerade bei meinen Ländervorträgen werde ich oft danach gefragt.
Zunächst fiel mir nur ein alter Rollstuhl auf, der am Fahrbahnrand stand. Eigentlich stand er mehr auf der Fahrbahn, als an der Seite. In diesem war alles mögliche deponiert. Auf den ersten Blick dachte ich, es handele sich um eine Anhäufung von Müll.

Weit gefehlt. Nicht allzu weit entfernt fiel mir eine ältere Frau auf, die mit krummer Körperhaltung augenscheinlich nach irgendwelchen Habseligkeiten suchte. Ich entschloss mich sie anzusprechen. Sie sprach allerdings nur vietnamesisch, was zu erwarten war, und ein paar Brocken Französisch. War aber auch nicht wichtig. Ich machte ihr verständlich, dass ich sie gerne alleine und mit ihrem Wagen fotografieren würde. Eine gewagte Sache. Zumal sie mir verständlich machte, dass sich in dem "Wagen" ihr gesamter Hausstand befand. Ich dachte mir, dass gerade ihre Lebensbedingungen ein guter Kontrast zu dem Leben manch reicher Vietnamesen ist, und bat sie, sich vor ein Werbeplakat zu stellen, das für Sonne, Sand, Meer und Freizeitvergnügen stand. Das tat sie gerne. Ihr Gesichtsausdruck dazu war ernst, fast mürrisch, angemessen zu ihrem Leben. Ein Lächeln hätte da nicht gepasst. Ich spürte, dass sie nicht verstand, was ich bezwecken wollte. War aber auch nicht so wichtig. Wir haben noch einige Gesten ausgetauscht, bevor ich mich verabschiedet habe. Klar habe ich ihr Geld gegeben. Reichlich. Doch Im Nachhinein betrachtet, kann ich ihr gar nicht genug geben haben. Die Begegnung ging mir ans Herz. Den ganzen Abend musste ich an sie denken. Vor allem als ich zu Abend aß und dachte, von was sie heute Abend existiert. Klar hatte ich während meinen Reisen schon oft solche Begegnungen. Doch jede dieser Begegnungen ist und verläuft anders. Jedenfalls half mir diese Situation wieder mein Leben zu bewerten und einzuschätzen.

Ich habe mich hier in Mui Ne an die Worte von Mohammed erinnert, meines Surflehrers aus Dahab, Ägypten. Um das Erlernte nicht wieder sofort zu vergessen, soll ich hin und wieder Windsurfen. Ein Jahr Pause sei zu lange. Das bietet sich hier geradezu an. Denn der Ort ist neben einem Top Kitespot auch ein Mekka für Windsurfer, wenngleich eher hier Profis anzutreffen sind. Die Bedingungen sind schwierig. Starker Wind und Wellengang müssen beherrscht werden. Ich probiere es mal.
Kim aus dem Café hat mir auch versprochen, dass die mir jeden Morgen etwas anderes zubereiten will. Von deftig herzhaft bis typisch vietnamesisch. Heute Morgen hat sie die deftige Variante gewählt. Französische Butter mit Baguette, Schweizer Käse, hausgemachte Leberwurst und Schinken. Es war so herzhaft, dass ich alles aufgegessen habe. Für Montag hat sie mir ein vietnamesische Spezialität versprochen. Schließlich ist dann Neujahr und drei Tage lang Feiertag. Zwei Mal Silvester in einem Jahr hat man ja auch nicht alle Jahre.
Montag, 16.02.2016
Momentan fühle ich mich Europa näher als Südostasien. Fünf Stunden bin ich über eine holprige Piste vom Meer auf 1500m über Meeresspiegel nach Dalat gefahren. Die Vietnamesen haben Dalat zum schönsten Ort Vietnams erkoren. Sie lieben die kühle Luft, die vielen Seen und die vogesenähnliche Landschaft. Jede Vietnamesin wünscht sich hier heiraten zu können, wenngleich ich in den Sanddünen in Mui Ne mehr Hochzeitspaare gesehen habe. Liegt wahrscheinlich am Neujahrsfest, das die Vietnamesen diesmal auf über eine Woche ausgedehnt haben. Das Fest fiel günstig zwischen zwei Wochenenden.
Mit sehr viel Glück habe ich noch ein freies Zimmer bekommen, hoch oben unterm Dachgeschoss in einem Gebäude mit Satteldach, wie es auch bei uns in einem Ferienort stehen könnte. So vieles erinnert mich an Europa. Das haben sich die ehemaligen französischen Kolonialherren auch gedacht, als sie hier oben der Hitze Saigons entgehen wollten. Alles konzentriert sich um einen See, der etwas kleiner als der Bostalsee ist. Um diesen werden Kutschenfahrten arrangiert, geritten, mit kleinen Booten auf dem See gefahren oder einfach nur am Ufer in einem Café gesessen.
Ich habe mich für eine Tour mit einem Jungen aus den Bergen entschieden. Mr. Roth, mittlerweile ein richtiger Mann geworden, der Touristen in seiner Secret Tour das ursprüngliche Vietnam zeigt. Ich bin eigentlich gegenüber solchen Touren skeptisch gestimmt, enden sie meist doch in irgendeinem Touristenmist. Hier war es nicht ganz so, wenngleich es am Ende ein Adventure ganz anderer Art wurde. Nach Wasserfall, Insektenfarm (...ja, ich habe ein paar gegessen, siehe Foto), Kaffeeplantage und Marktbesuch ging es in ein Dorf der vielen Minoritäten Vietnams. Eigentlich Fotografierverbot, ich habe jedoch meinen Charme  spielen lassen und so manch schönes Portrait geschossen.
Die Gruppe bestand aus einem dänischen Ehepaar mit seinen beiden Kindern, zwei Mädels aus Sydney, einem eingebildeten, namenlosen Typen aus Miami und Ron, alias Linda, unserem Guide. Mr. Roth kam erst später dazu, er war erkältet. Um es vorweg zu nehmen, Ron war stockschwul. Schon bei der Begrüßung kam anstatt... Hello, how Do you Do, ein...I like your Bum. Im Verlaufe der Tour gab er sich, meine abweisende Art war wohl deutlich. Der Ami war sein nächstes Opfer. 
Der Besuch beim Volksstamm der K'Ho war beeindruckend, zeigte er doch mal wieder auf, wie hart das Leben der Menschen ist, die an den Rande der Gesellschaft gedrängt sind. Wir hatten uns in dem Dorf sozusagen festgesessen, sodass wir erst gegen Anbruch der Dunkelheit nach Dalat aufbrachen. Und das sollte zum angesprochenen Adventure werden. 
Ich war mit meinem Motorrad unterwegs, die anderen fuhren im Pkw. Da der mittlerweile dazu gestossene Mr. Roth mit nach Dalat zurück wollte, war im Auto ein Platz zu wenig. Lynn, die rot-haarige Australierin mit den vielen Sommersprossen erklärte sich bereit bei mir als Sozius zu fungieren. Und das in der Dunkelheit. Ein glatter Verstoß gegen mein Vorhaben, niemals in Vietnam im Dunkeln zu fahren. Es ist dann einfach viel zu gefährlich. Tiefflieger sind zu spät zu erkennen, geschweige denn die vielen Löcher in der Fahrbahn. Wenigstens konnte ich mich am voraus-fahrenden Begleitfahrzeug orientieren, leider nur bis zu meinem Tankstopp. Aus unerklärlicher Ursache, verloren wie die anderen. Nun wurde es echt spannend. Lynn mit dem IPad als Navigator, ich als saarländischer Tiefflieger auf nächtlicher vietnamesischer Landstraße. Und noch 40 km, lagen vor uns. Wir lagen uns echt in den Armen, als wir die Unterkunft erreichten.
Angst vor einer Polizeikontrolle brauchten wir zumindest aus Gewichtsgründen wegen Überladung nicht zu haben. Ich hab zur Zeit Traumgewicht und Lynn war die Hälfte von mir. Das Thema Überladung verdient im übrigen eine extra Erwähnung. Ich erspare mir mal hierüber große Worte, die angefügten Fotos sprechen ihre eigene Sprache. Kurzum, es ist anscheinend alles möglich, solange man sich bei Überladung noch irgendwie auf dem Scooter halten und diesen bedienen kann. Mal abgesehen vom Zustand einiger dieser Geschosse.

Ich bin schon in Gedanken in Neuseeland, meine Zeit hier in Vietnam geht zu Ende. In wenigen Tagen fliege ich über Bangkok nach Auckland. Und gerade weil ich weiß, dass Neuseeland völlig anders wird, habe ich den Marktbesuch in Dalat besonders genossen. Für mich einer der aufregendste Märkte Vietnams. Die Vielfalt ist unbeschreiblich. Hier wächst einfach alles. Die Menschen strömen auf diesen Markt um frische Waren einzukaufen. Frische geht hier über alles. Und zwischen allen Ständen die Baguette Verkäufer, irgendwie surreal. 

Ich lasse es mir hier noch einmal richtig gut gehen, wie eigentlich immer. Ich habe mir schon mal für den Abschlusstag einen guten Tropfen eines hiesigen Weingutes besorgt. Eine kleine Flasche, denn unter Entzug dieses Genussmittels werde ich in Neuseeland wahrlich nicht leiden. Weingüter in Neuseeland zu besuchen sind fest eingeplant. Ich werde definitiv wieder nach Vietnam in diesem Jahr zurück kommen, um bei idealen Wetterbedingungen den Norden zu bereisen. Mir hat es in Vietnam sehr gefallen. Ich finde das Land großartig.
Abschließend gebe ich zwei Fotos zur Abstimmung frei, wem die Goldmedaille gebührt. Dem völlig überladenen Ananastransporter oder dem Scooterakrobaten mit besonderem Balancegeschick😂
Eigentlich gebührt jedem einzelnen eine Medaille. Jedenfalls werden alle meine neue Audiovisionsschau VIETNAM - "Land der Reishüte" bereichern.


Samstag, 20.02.2016
Der Abschluss des ersten Teiles meines Vietnamaufenthaltes verlief letztendlich erlebnisreicher als gedacht. Der Abschied von Dalat war noch standesgemäß und wie geplant. In der untergehenden Sonne am See mit dem zuvor gekauften Rotwein und ein paar kleinen Schweinereien als Appetizer. Rundum ein schöner Aufenthalt mit viel Abwechslung in für vietnamesische Verhältnisse schöner Natur.
Am nächsten Tag begann meine Rückreise nach Ho Chi Minh City, und die sollte es in sich haben. Zunächst fand ich unfassbare Verkehrsverhältnisse vor. Massen an LKW in Kombination mit staubiger Straße und unzähligen Baustellen. Nach 5 Stunden Fahrt in sengender Hitze hatte ich genug und legte einen Stopp in den Teeplantagen Vietnams ein. Der Rest des Tages ließ gerade noch ich eine kurze Stipvisite in den Teefeldern zu. Jedoch mit Tücken. Zunächst galt es einmal die schönsten Teehügel zu finden. Diese waren, wie nicht anders zu erwarten, nur über unwegsames Gelände, Gravel Road, zu erreichen. Als ich gerade in die letzte Kurve einbiegen wollte, ein unüberhörbare Geräusch. Innerhalb Millisekunden war der Hinterreifen platt. Und das 20 km hinter dem nächsten Ort. Wäre da nicht noch ein Obst- und Gemüsestand gewesen. Der freundliche Besitzer hörte wohl meine unüberhörbare erste Reaktion auf das Ereignis, so laut muss mein Scheisse-Ruf gewesen sein.
Panik kam keine auf, denn er signalisierte mir gleich, dass er eine Werkzeugkiste hat und den Reifen reparieren könne. Mittlerweile war schon die ganze Familie zusammengekommen, um das anscheinend nicht alltägliche Ereignis zu bestaunen.
Alles sah zunächst nicht danach aus, als ob er mir wirklich helfen könne. Weit gefehlt. Zuerst gab es Tee, den ich nicht wirklich genießen konnte. Zum einen war es schon später Nachmittag, die Sonne stand schon tief, und ich musste noch eine Unterkunft für die Nacht suchen. Alles andere also als Teatime!
Doch wer in Vietnam, wie überhaupt in ganz Asien unterwegs ist, lernt schnell, Geduld zu üben. Wenngleich ich zugeben muss, oftmals noch viel zu ungeduldig zu sein. Nach dem Tee ging dann alles recht schnell. Ruckzuck war der Schlauch unten. Und siehe da, er hatte schon unzählige Flickstellen. Schon verwunderlich, dass er überhaupt so lange gehalten hat. Er musste gewechselt werden. Dazu fuhr mein Retter zu einem nahegelegenen Frimler, und kam mit einem neuen Schlauch zurück. Und er passte sogar. Danach wies er mich darauf hin, dass sich noch einige wichtige Teile gelockert hätten. Auch dies behob er fachmännisch. Inzwischen waren noch Nachbarn dazukommen, die natürlich alle ihren Beitrag leisteten. Nach dem Austausch aller interessanten Dinge aus der jeweiligen Kultur, blieben mir noch 30 Minuten für die Plantagen. Die Sonne war kaum noch zu sehen. Ach ja, zahlen musste ich noch. Umgerechnet 3 Euro inkl. Schlauch wollte er. Ich habe ihm 10 Euro gegeben, was zur Folge hatte, dass ich 10 Minuten mit der dazukommenden Tochter, die in Saigon studiert und englisch spricht, diskutieren musste, bis er das Geld annahm. Alleine das er mir aus dieser prikären Situation geholfen hat, war unbezahlbar.
Nun gut, ich bin dennoch um die Ecke gebogen und habe sogar noch eine Arbeiterin angetroffen, die anscheinend Spätdienst hatte.
Trotz Reparatur bin ich dennoch mit einem flauen Magengefühl Richtung Stadt gefahren, unbegründet.
Momentan sitze ich in der BTS Hochbahn und fahre zum Flughafen und bin totmüde. Dabei habe ich noch zwei Flüge vor mir. In wenigen Stunden geht es über Melbourne nach Auckland.. Müde bin ich, weil ich One Night in Bangkok hinter mir habe. Eine echte Weltstadt mit einem besonderen Flair. Ich liebe diese Stadt und habe schon einige Tage hier verbracht. Bangkok, das heißt zum einen shoppen bis der Arzt kommt und zum anderen viele Sehenswürdigkeiten bei typisch, anstrengendem Großstadtreiben erkunden.
Tagsüber habe ich es noch locker angehen lassen, der Abend wurde halt lang.

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