FRANZÖSISCH-POLYNESIEN 1

"Ein Traum geht in Erfuellung"


Endlich in der Südsee!
Montag, 18.04.2016
Im Nachhinein war ich froh, mit Air New Zealand in die Südsee gereist zu sein. Was zuerst als Schönwetterflug begann, wurde etwa 1 Stunde vor Papeete zu einem Segelflug. Der Pilot versuchte anscheinend den dicksten und dunkelsten Wolken zu entgehen. Dank der makellosen Bilanz der Airline hielt sich meine Flugangst in Grenzen, wenngleich die Maschine durchgeschüttelt wurde. Und das so kurz vor dem Paradies. 
Schmunzeln musste ich, als der Chefsteward darauf hinwies, dass wir die Datumsgrenze passiert hätten. Das Datum sei zu ändern. Da fliegst du 5 Stunden im Pazifik, weit und breit nur Wasser, schaust auf den Monitor und denkst, Mann, echt krass, wo sich die Inselgruppen von Französisch Polynesien doch befinden. Das muss eine andere Welt sein, und das ist sie auch. Definitiv.
Klar habe ich mich vorher eingelesen. Französisches Überseegebiet, 118 Inseln, 5 Archipele bla bla bla. Dass hier echt alles französisch ist, habe ich so nicht erwartet. Einreisestempel Fehlanzeige, Einreise in die EU, wie wenn ich Samstagmorgens zum Kaffee nach Metz fahre. Dazu ein kräftiges Bonjour! Lediglich die Begrüßung eines Gitarrenspielers, begleitet von einer jungen, hübschen Tahitianerin, passte hierzu nicht ganz. Willkommen in Tahiti.
Die Hauptinsel mit der Hauptstadt Papeete gefiel mir entgegen vielen Reiseberichten ausgesprochen gut. Besonders der allmorgendliche Markt hatte es mir angetan. Fleisch, Fisch, Kunsthandwerk mit bunten Farben und bunt gekleideten Einheimischen. Viele sind übergewichtig, was ihrer Lebensfreude keinen Abbruch tut. Immer klingt von irgendwo Musik her, alle machen einen entspannten Eindruck.
Inmitten der Stadt traf ich im Park Bourgainville auf Madame Marie-Antoinette. Was für ein Name! Ich hoffte auf sie zu treffen, gilt sie doch als die beste Blumenflechterin von Tahiti. Viele Einheimische lassen sich mit ihr fotografieren. Die Frauen tragen hier wie selbstverständlich eine Blume hinter dem Ohr, ein Schönheitsritual. Manche tragen sogar einen Blumenkranz auf dem Kopf. Männer wie Frauen.
Klar durfte ein Besuch im Perlenmuseum nicht fehlen. Schließlich gelten die Perlen Tahitis als die schönsten uns somit auch teuersten der Welt. Womit wir beim Thema wären. Wie,erwartet ist alles unfassbar teuer, außer frischer Thunfisch. Den bekommt man hier fast nachgeworfen. 10 Euro das Kilo. Für hier geschenkt. Es muss halt alles importiert werden. Der Preis für das Wasser ist staatlich festgelegt. 1,5 Liter für 90 Cent. Alles andere ist etwa 4-6 Mal so teuer wie bei uns. Eine schöne Perlenkette kostet daher auch so um die 5000 Euro aufwärts. Nach oben offen.
Für meinen ersten Ausflug zu unternehmen, entschloss ich mich für die Anhaltervariante. 100 Euro für ein Auto zu mieten waren mir zu viel. Der Vermieter meiner Pension hatte mich zwar davor gewarnt, ich musste aber Lehrgeld zahlen. Er erzählte davon, die Fahrer machten einen Stopp wann immer sie wollten. Es sei nicht ungewöhnlich, dass ein Busfahrer seine Gäste im Bus zurücklässt und mal zwischendurch Mittag essen geht.
So stieg ich dann zu einem LKW Fahrer zu, der in meine Richtung fahren wollte. Schnell stellte sich heraus, dass der fast zahnlose Fahrer noch zwischendurch abladen musste. Also fuhr ich mit ihm zuerst mal mit zur Müllkippe von Papeete. Hier wird von Hausabfällen über Kühlschränke und Autos so ziemlich alles im Erdreich verbuddelt. Willkommen im Paradies oder vielmehr die andere Seite vom Paradies. 
Schließlich lernte ich Valentino, einen Argentinier, und Joel, einen Spanier aus Barcelona kennen. Wir mieteten uns zusammen ein Auto und erkundeten die Hauptinsel Tahiti Nui und das kleine Anhängsel Tahiti Iti.
Hierbei lernten wir wie man die Brotfrucht zubereitet. 30 Minuten in heiße Asche, Haut ab, Kern entfernen und schon ist diese essfertig. Schmeckt wie eine Kartoffel. Sehr nahrhaft. Wird zu Fisch oder Fleisch gereicht.
Wir legten auf unserer Inseltour so viele Stopps ein, dass wir entgegen der Vereinbarung das Fahrzeug erst am nächsten Tag abgeben konnten. Es gab einfach zu viel zu sehen. Tahiti Nue ist sehr gebirgig. Es gibt Erhebungen von 2000m über Meeresspiegel. Dazu die herrlichen Strände, teils weltweit bekannte Surfstrände. Dazwischen Shrimpsfarmen, lokale Essensstände und unzählige Kirchen, meist katholisch.
Zur Zeit liege ich in der Nachbarinsel Tahitis, Moorea, im Zelt und hoffe das der Sturm nachlässt. Es regnet wie aus Eimern. Der Zyklon, der vor Wochen die Fijis traf, hat allesdurcheinandergebracht.Auch hier ist die weltweite Klimaveränderung zu spüren. Lange war es hier viel zu heiß berichten die Einheimischen. 
Zudem fällt das Internet ständig aus. Eine gute Vorbereitung auf die nächsten Wochen, wenn ich in den Archipelen unterwegs bin und dann eh kein Internetanschluss habe. Kann man ohne Internet überhaupt leben? Ich versuche es mal. 
Freitag, 29.04.2016
Im Nachhinein bin ich froh diese Entscheidung getroffen zu haben, wenngleich es mir schwer fiel. Da freust du dich lange zuvor endlich mal auf Bora Bora zu sein und dann dies. Abgesagt, gestrichen und abgesoffen.
Was sich schon beim Landeanflug auf Papeete zeigte, hat sich nach wenigen Tagen der Beruhigung fortgesetzt. Was beim Blick auf die Satellitenkarte wie ein kleiner runder Kreis aussieht, ist in Wirklichkeit eine Abspaltung des Zyklons der vor mehreren Wochen die Fijis traf. 300 km Durchmesser hat das Ding und alles was unter ihm ist, wird in Wassermassen ertränkt. Mein Zelt, mein Campingplatz, einfach alles war ein leichtes Opfer. Ich habe alle verfügbaren Wetterkarten herangezogen, auf Wochen keine Besserung in Sicht. Aufgrund fehlender Winde bewegt sich das Tief nur sehr langsam. 
Also habe ich Moorea und Bora Bora schweren Herzens streichen müssen. Da fliegst du um die ganze Welt, um grade an einem der schönsten Orte der Welt in eine Schlechtwetterphase zu gelangen, unfassbar. Aber ok, bislang konnte ich mich über schönes Wetter nicht beklagen. Zudem habe ich ja noch Plan B. Doch dazu später.
Ich entschied mich in das Tuamotu Archipel, 300 km nordöstlich des Tiefs zu fliegen. Bei der Zwischenlandung in Bora Bora stiegen fast alle aus und ich frage mich, was machen die hier bei Dauerrgen und Blitz. Ok, einige sind Honeymooner und haben anders zu tun. Das versteh ich ja noch. Aber alle anderen haben anscheinend nicht die Vorhersage gesehen.
Dann der Versuch weiter zu fliegen. Das Borading hatte schon begonnen. Alles wieder zurück, dem Piloten war es zu gefährlich in Bora Bora zu starten. Der Himmel so schwarz, als breche ein Taifun gleich los. Nach 2 Stunden ging es dann endlich weiter. Mit einem schlechten Gefühl, da es weiterhin stark regnete und die Startbahn unter Wasser stand. Doch die Einheimischen beruhigten mich. Die Piloten von Air Tahiti seien Könner. Die Wartezeit auf dem Flughafen nutzte ich, um mich mit allen bunt gekleideten Einheimischen ablichten zu lassen. Auch ein schöner Zeitvertreib.
Dann ging es 1 1/2 Stunden mit einer ATR 72 der Air Tahiti in das Tuamotu Archipel. Die Tuamotus umfassen ein riesiges Gebiet mit 76 Atollen von denen 45 bewohnt sind. Zusammen genommen beträgt die Einwohnerzahl ca. 15.000. Sie bedecken insgesamt eine Fläche von 2 Mio qkm und damit eine größere Fläche als Westeuropa!
Erste Insel war Tikehau. Erst 5 Minuten vor der Landung war das Wolkenband durchbrochen, endlich wieder blauer Himmel und Sonne. Und gleich wieder 34 Grad mit 93% Luftfeuchtigkeit. Aber ich wollte es ja so.
Tikehau ist die Insel des rosa Sandes. Folge von Auswaschungen an den Korallen. Das Meer spült die feinen Korallenreste an den Strand. Ein bezauberndes Bild.
Überhaupt ist Tikehau eine Insel zum Verlieben. Klein, überschaubar und mit typisch polynesischen Leben. 547 Menschen leben aktuell in Tikehau, klar, dass hier jeder jeden kennt. Auch mich mittlerweile, der Touri mit der dicken Kamera. Apropos dick. In der einzig wirklichen asphaltetierten Straße des Ortes, traf ich auf Leonardo. Das Foto ist selbstsprechend, weshalb er meine Blicke auf sich zog. Nach kurzem Gespräch entpuppte er sich als cooler Typ mit Humor und zu allem Scheiss bereit. Er arbeitet für die Kommune, aber nur wenn der Boss nicht da ist. Ansonsten nur Alibi Funktion. Fast alle Insulaner denken hier so. Zuerst mal easy living, Beach, essen und das ein oder andere Hinano Bier trinken. 

Die Menschen leben hier vom Fischfang. Aber auch hier beklagen Sie sich, dass die Fischbestände merklich zurück gegangen sind. Kein Wunder, denn auch hier wird Thunfisch in allen Variationen genossen. Am liebsten roh, mariniert in Kokosnuss Milch. Das tat ich auch mit Amande und Romain, zwei jungen Franzosen, die auf Weltreise sind und ihr Zelt neben mir aufgeschlagen haben. Dazu Pascal, einem Angestellten des Zeltplatztes. Er leitete uns an, wie wir den Fisch zubereiten sollten.
Nach dem Gericht war an Einschlafen nicht zu denken. Teile des schwimmenden Objektes drückten doch arg in der Magengegend. Zudem die nächtliche Hitze im Zelt. Ohne Wind kaum zu ertragen. Der Ort an dem ich mein Zelt aufschlagen durfte ist einfach genial. Direkt am Meer, das Rauschen der Wellen so laut, dass ich manchmal nicht einschlafen kann. Echtes Robinson Cruiso Feeling kommt auf.
Mein Zeltplatz befindet sich am dem Gelände der Pension Justine. Als ich kam, wusste ich noch nicht, dass diese Pension der Intreffpunkt  der Insel ist. Der Besitzer ist gleichzeitig der Direktor der Schule. Seine Frau macht die Pension. Vorher war der Patron Chef der Insel Maiteva, die jetzt sein Bruder leitet. Die Tochter arbeitet im Office von Air Tahiti am Airport von Tikehau. Wenngleich sie den schönsten Mann Polynesiens geheiratet hat, schenkt sie auch mir hin und wieder ein Lächeln. So erzählte sie mir, dass ihr Mann, Mona, von den Australes stamme, einem Archipel im Süden, hunderte Kilometer entfernt. Er arbeite als Firefighter am Airport mit gleichen Arbeitszeiten wie sie. 1 Stunde vor Ankunft des einzigen Flugzeuges am Tag. Nach dem Abflug sei Feierabend. Es ginge Ihnen gut, sie verdiene nicht schlecht bei Air Tahiti und die Eltern sponsern beide. Sie seien auch schon in Köln gewesen. Wenn es hier zu heiß werde, fliegen sie hin und wieder nach L.A. Sei ja nicht zu weit entfernt. Stimmt, wenn man sich die Weltkarte mal genauer ansieht. 

Auf die Frage, warum sie gerade in Köln gewesen seien, gab sie an, eine Einladung erhalten zu haben. Vor einigen Monaten seien hier mehrer Folgen einer deutschen Fernsehserie gedreht worden. Die einsamen Motus bieten sich dafür gerade an. Auf Nachfrage nach dem Namen der RTL Sendung kam als Antwort: "Adam&Eva".
Das Team habe in den Pension gewohnt und man habe diese über Wochen beköstigt. Ende April käme das Team erneut um weiter zu drehen. Wer den Inhalt dieser Serie kennt, weiß, dass ich mich ärgern sollte, dann nicht mehr hier zu sein.

Übrigens, Leonardo, der nette Typ von nebenan, ist ein wahre Allrounder. In der sonntäglichen Messe traf ich ihn als Keyboardspieler. Eine Orgel hat es hier nicht. Es geht schwungvoll in der Messe zu. Viel Lieder werden gesungen, hin und wieder hält man den gegenüber an den Armen. Und das alles bei Ventilatorgeräusch und 29 Grad Außentemperatur.
Ich grüße alle ganz herzlich, auch wenn ich mich jetzt schon seit 14 Tagen nicht mehr zu Hause gemeldet habe. Telefonieren ist hier bei 9 Euro die Minute fast nicht möglich und um den Bericht hier zu verfassen musste ich bei der Mitarbeiterin der Air Tahiti alle meine Überredungskünste spielen lassen, damit sie mich ins Netz gelassen hat.
Fast hätte ich es vergessen, da war ja noch Mona. Was für ein Name für ein Mann. Mona stammt von den Auatrals, einem Archipel im Süden des Pazific. Im ersten Moment als ich ihn sah, stockte mir fast der Atem. Wenn es noch etwas über Adonis gibt, dann ist es definitiv Mona. Zudem ist er noch auf dem Boden geblieben. Weder arrogant oder eingebildet. Im Gegenteil, er war ganz erstaunt, als ich ihn fragte, ob wir zusammen ein Fotoshooting machen könnten. Zuvor holte ich mir die Erlaubnis bei seiner Frau. Ich dachte mir, wenn ich es bei ihr gut stehen habe, sagt er mir zu. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass seine Frau eh das Sagen hat.
So verabredeten wir uns für morgens 9 Uhr, wenn die Sonne noch nicht so hoch steht. Dann machte sich Enttäuschung breit, er kam nicht. Mir fiel ein, dass ich im Pazific bin. Bekanntlich ticken die Uhren hier anders. 9:30 Uhr war er da. Schnell eine gute Stelle gesucht und los gings. Doch er hatte nicht viel Zeit, die Air Tahiti Maschine aus Papeete war schon im weiteren Anflug. Da er Firefighter ist, ging seine Arbeit vor. Von ihm kam dann der Vorschlag, uns am nächsten Tag zu verabreden. Und diesen Tag werde ich nicht mehr vergessen. 
Mona lief zur Höchstform auf. Gel in den Haaren, roter Lendenshort und traditioneller Haarkranz. Dazu sein Speer, wenn er Fische aus der Nähe erlegt. 
Über eine Stunde verbrachten wir in der Lagune. Seine Frau sah sich alles vom Ufer an. Ich glaube auch sie war überrascht, was wir so alles veranstalteten. Das Ergebnis war umwerfend. Abends haben mir zusammen die Fotos angeschaut und er hat sich die meisten herunter geladen. Ich habe ihm versprochen, dass ich die hoch auflösenden Aufnahmen für meine Show verwende, die anderen mit Watermark schütze. Zudem führt der Weg zu ihm nur über mich.😂
An alle Frauen, bitte festhalten und tief durchatmen....
Montag, 09.05.2016
Tauchen in Französisch-Polynesien hat definitiv sein Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil besteht darin, dass du für künftige Tauchgänge in anderen Ländern eine andere Erwartungshaltung hast und sozusagen Verdacht bist.
Tauchen in Französisch-Polynesien zählt sicherlich zu einem der Höhepunkte eines jeden Tauchers. Mit hohen Erwartungen bin ich hier abgetaucht und wurde nicht enttäuscht. Ich versprach mir am meisten Grossfisch in Rangiroa, Teputa Pass, und in Fakarava, Garuae Pass, zu sehen. Meine Tauchgänge auf diesen Inseln lassen sich nur schwerlich beschreiben. Wäre man über Wasser, würde man sagen, dass einem die Luft weggeblieben ist. Unter Wasser kann man sich das nicht leisten. 
Das Wasser hat selbst auf 40 Meter noch 29 Grad, tiefes Blauwasser mit teils stärker Strömung. Schon vor dem Abstieg siehst du stellenweise eine Ansammlung von Vögeln. Ein Zeichen von Unterwasseraktivität. Und dann geht das Schauspiel los. Haie, so viele, dass ich sie nicht zählen kann. Hunderte. Schwarzspitzen Riff Haie, Weiss- und Silberspitzen, graue Riffhaie und Zitronenhaie. Sie jagen in einem Schwarm von kleinen Yellowfin Thuna. Vor lauter Aufregung bekomme ich gar nicht so richtig mit, dass ich mich dem Boden nähere und lande fast auf einer Schildkröte. Dann gilt es dicht am Boden zu bleiben und sich fest zu halten. Haie lieben die Strömung und die hat es reichlich. Viel Aktivität ist aber nicht nötig. Ich genieße über Minuten den Blick wie die Haie in der Strömung stehen. Gestört werde ich lediglich durch riesige Mantarochen, die einfach die Frechheit besitzen vorbei zu gleiten. Dann der Blick nach oben ins Gegenlicht, wo gerade 7 Schwertfische nebeneinander vorbei schwimmen.
Es ist immer Bewegung unter Wasser. Du weißt nie, was in der nächsten Minute passiert. Und dann passierte es ganz schnell. Ein großer Hammerhai. Ich hatte zuvor noch nie einen gesehen. Ich nehme mal an, dass dieses Hammerhai Weibchen😂 das wusste. Nur deshalb konnte ich mir erklären, warum sie so dicht an mir vorbei gleitete. So nah, dass ein kleines Augen Flirten möglich war. Es war wirklich der richtige Moment zur richtigen Zeit. Ich war austariert, meine GoPro war bereit und so konnte ich diesen unvergesslichen Moment einfangen. Zudem war in meiner Gruppe noch ein Unterwasserfotograf, der den Moment auch einfing.

Wenn wir schon gerade bei den Fischen sind, fällt mir noch eine schöne Halbtagestour mit einem Fischer in Rangiroa ein. Mein Zeltplatz war so schön am Meer gelegen, dass mir fast nicht das Fischerboot in unmittelbarer Nachbarschaft auffiel. Erst abends, als der Bootsbesitzer Thunfische vor seinem Haus ausnahm, kam ich mit ihm ins Gespräch. Ich verabredete mich mit ihm für den nächsten morgen zum Fischen. 
Doch auch hier, die Natur muss mitspielen. Es war zu warm, kein Wind und das Wasser zu flach. Unter diesen Voraussetzungen gehen die Thunfische in die Tiefe. Keine Chance welche zu catchen. Gegen 11:30 Uhr ging es dann endlich los. Der Tank war gefüllt, die Eistruhe auch und unzählige Köder in der Box. Wir fuhren auf das offene Meer, aber in Sichtweite zur Küste. Kein Sonar, reine Intuition, auf der Suche nach Gelbflossen Thunfisch. 
3 Stunden fuhren wir auf und ab, keine Vögel zu sehen. Diese weisen den Weg zum Fisch. Ich hatte auf dem offenen Meer schon etwas Probleme mit Seekrankheit, das Boot ging auf und nieder. Und das war angeblich ein ruhiger Seetag! Dann ein riesiger Vogelschwarm. Und sofort sah ich das Glänzen in den Augen von Mai. Er ist ein Fischer mit Herzblut. Jeden Tag ist er auf dem Meer. Es ist sein Leben. Meist fängt er Thunfische, die er an die Restaurants oder an Einheimische verkauft. 1000 XPF das Kilo, umgerechnet ca. 8.50 Euro. Auch ich hatte mir am Vorabend ein Kilo gekauft. Allerdings war der Thuna so frisch, dass er noch einen Tag im Kühlschrank liegen musste. 
Das Glänzen seiner Augen wurde dann schnell zu einer Art Erleichterung. Es hatte einer angebissen. Die High Tec Angel aus Hawaii hatte sich gebogen. Sofort kam die Ansage in meine Richtung die Leine einzuholen. Und das zügig. Ohne nachgeben, einfach spulen. Das ging auch gut,  trotzt der 30 kg, die am anderen Ende zappelten. Als ich den Fisch in Reichweite zum Boot hatte, wurde es blutig. Der Fisch zappelte so sehr, dass ihm Mai mit einem Holzstock mehrmals kräftig auf den Kopf schlug. Eigentlich eine schonende Art den Fisch zu erlegen. Danach Haken raus und ab in die Eistruhe. Nein, zuvor noch ein schnelles Foto. Schließlich war es mein erster selbst gefangener Thunfisch. 
Betrachtet man sich das Foto genau, könnte man meinen ich sei im Zirkus als Clown aufgetreten. Die Gesichtscreme ist nicht Sun Protection im normalen Sinne, es ist FP 1000! Fishermen Protection, so fettig und schützend, dass ich fast 15 Minuten brauchte, um am Abend mein Gesicht zu reinigen. Die Sonne ist hier so intensiv, gerade auf dem offenen Meer, dass SF 50 das Mindeste ist, was man sich auf die Haut schmieren sollte. 

Nach getaner Arbeit dann der Lohn. Wie fast jeden Tag, Thunfisch bis zum abwinken. Poisson Cru ist hier einfach das billigste Gericht. Bei uns legst du hierfür ab 25 Euro aufwärts hin. Irre, dass ein Packung Müsli teurer ist, als ein Kilo Thunfisch. Willst du dich hier einigermaßen gesund ernähren, legst du im Magasin schnell mal 50 Euro hin. Und dann hast du du Einkaufstüte nicht voll, sondern gerade mal dem Boden bedeckt. Nachfolgendes Foto zeigt einen solchen Einkauf. Spargel aus Dänemark, Reis aus Thailand, Äpfel aus Neuseeland usw.
Die Südsee entspricht voll meinen Erwartungen. Französisch Polynesien ist weit mehr als ein Paradies für Honeymooner. Das Reisen durch die Archipele erfordert jedoch genügend Zeit. Hat man sich für 9 Uhr verabredet, kann das Treffen auch schon mal um 11 Uhr zustande kommen. Und das ohne Entschuldigung. Viele Menschen tragen überhaupt keine Uhr. 
Ich treffe auf viele Individualreisende, die sich mit ihrem Weltreiseticket auch einen Stopp in der Südsee gekauft haben. Mittlerweile muss ich mir schon aufschreiben, wen ich wo kennengelernt habe. Nach Wochen fällt ein Zuordnen der Namen schon schwer.
Von Reisemüdigkeit spüre ich noch nichts. Es gibt immer was zu entdecken. Zu meiner Überraschung ist die Technik, selbst auf den entlegensten Archipelen vorangeschritten. Manche Lokale bieten gegen ein Mindestverzehr Internet an. Allerdings recht lahm und Fotos up zu loaden grenzt an ein Abenteuer.
Freitag, 13.05.2016
Durch das Auslassen der Gesellschaftsinseln, allen voran Bora Bora, entschloss ich mich zum nördlichsten und Tahiti am weitest entferntesten Archipel, den Marquesas, zu fliegen. Auch wenn ich für das Flugticket tief in die Tasche greifen musste, ich wollte den Kontrast, die rauhe, wilde, teils noch unberührte Seite Französisch Polynesiens kennen lernen. Die Marquesas befinden sich in Ostpolynesien, 1.600 km von Tahiti entfernt. 10.000 Menschen leben dort. Von den 14 Inseln sind die meisten unbewohnt. 
3 Stunden ging es über den Pacific bis sich plötzlich eine Vulkanlandschaft hervor tat. Nuku Hiva war erreicht. Eine Insel, ähnlich wie Hawaii, eine Gebirgskette, die aus der Tiefsee hervorgeht, mit vulkanischem Ursprung. Kein Riff, kein türkisblaues Wasser, nein, die Marquises entsprechen so gar nicht unserem Südseebild. Tropische Vegetation, schwarzer Vulkanstrand, tropischer Regenwald und feucht-heißes Klima. Das sind die typischen Kennzeichen der Marquesas. Und nicht zuletzt die Einwohner, die ihr Archipel "Land of the Men" nennen.

Nuku Hiva wird gern von Weltumseglern als Zwischenstopp angesteuert, wenn diese von Amerika über den Pazifik kommen. Diesbezüglich kam Nuku Hiva 2011 in die Schlagzeilen, als ein deutscher Weltumsegler ermordet und seine Freundin sexuell belästigt wurde. Die Story wurde auch verfilmt. Man ging von Kannibalismus aus, was sich aber nicht bestätigt hat. Ich fühle mich hier sicher. Es sind ja einstige Menschenfresser und keine Knochenlecker😂.
Die europäischen Eroberer brachten u.a. auch den Katholizismus mit. So steht die Kathedrale Notre Dame mit Bischhofssitz wunderschön inmitten des Ortes.
Die Marquesas zählen mit Abstand zu den teuersten Zielen der Welt. Klar machte ich mir Gedanken, ob ich dort mein Zelt aufschlagen könnte. So saß ich etwas unsicher im Flieger. 1 Stunde vor der Landung sprach ich meinen Sitznachbarn an, ob er denn wisse, wo ich zelten könnte. Es war ein junger Doktor aus Tahiti, der auf den Inseln Hilfe leistet. Er verwies mich an eine etwas übergewichtige Dame, die einen Laden im Ort betreibe. Sie sitze im Flugzeug und werde am Airport abgeholt. Der junge Arzt arrangierte alles für mich. Hinzu kam, dass der Fahrer der Dame, ein Fischer namens Mai, mir anbot, in seinem Garten zu nächtigen. Das Haus sei immer offen, Kriminalität kenne man hier nicht. Dusche und Toilette hätte ich lediglich mit ihm und seinem Sohn zu teilen. Die Frau sei in der Klinik in Tahiti und erwarte das zweite Kind. Diese Gastfreundschaft war aber erst der Anfang. Ich erlebte 4 wundervolle Tage in dieser Familie. Wir aßen abends immer zusammen. Meistens gab es Fisch. Zuvor wurde gebetet. Am Ende meines Besuches war ich so ergriffen, dass ich dem Sohn meine Tauchflossen, Maske und Schnorchel schenkte. Er bedankte sich mit einer herzlichen Umarmung und mehreren Küssen. Ein sehr ergreifender Moment, den ich nicht mehr vergessen werde.
Um die Insel zu erkunden, ist man auf einen örtlichen Guide mit Allradfahrzeug angewiesen. Allrad fahren hier alle. Meist finanziert für 6-12 % Zinsen. Die Eroberer haben nämlich neben Religion und Alkohol auch die Werbung mitgebracht. Und die Zeit bleibt hier nicht stehen. Die jungen Leute haben Facebook und träumen von einem Studium in Strassbourg oder Paris. 
Ein Ausflug führte mich zum höchsten Wasserfall Polynesiens. Eine Bootsfahrt und ein 5 ständiger Fußmarsch waren notwendig, um diesen zu erreichen. Eine schöne Tagestour, die mich in schöne Inseltäler führte.
Wie so oft steht jedoch die Begegnung mit den Menschen im Mittelpunkt meiner Reise. Und die hatte es auf den Marquesas in sich. Die meisten Inselbewohner sind tätowiert. Aus Tradition. Männer wie Frauen. Überlieferungen belegen, dass Menschen die sich nicht tätowieren ließen, getötet wurden. Sie hatten keine Identität. Niemand konnte erkennen zu welcher Familie sie gehören, welchen Beruf sie ausüben, oder welchem Oberhaupt sie unterstehen. 60 Prozent starben nach der traditionellen Methode mit einem Holzstab. Infektionen waren die Ursache. Die Menschen lassen bei der Auswahl ihrer Tatoos kein Körperteil aus. Gerade Tattoos im Gesicht sah ich hier häufig. Manchmal wirkten diese Menschen etwas unheimlich, waren jedoch herzlich und um jeden Kontakt bemüht. Klar, dass ich diese Gelegenheit wahrnehmen musste, um auch mir ein vollständiges Körpertatoo anfertigen zu lassen. Es ist jedoch noch unvollendet, sodass ich wieder hierher kommen muss, um es zu beenden.😜
Bei einem weiteren Inselaufenthalt, diesmal auf der Gaugin Insel, Hiva Oa, ging alles ganz schnell. Wieder ohne Unterkunft, wieder Ungewissheit was auf mich zukommt. Am Flughafen traf ich eine alte Dame, die ihre Tochter absetzte. Sie nahm mich mit und zeigte mir noch Ort. Hierbei fiel mir eine schöne Grünfläche, direkt hinter dem Gaugin Museum auf. Das Gelände gehörte Alex und seiner Frau. Er, aus Saargemuines stammend, bot mir an, für lau mein Zelt aufzuschlagen. Ich musste lediglich bei ihm essen und dafür zahlen. Er betreibt in der Nachbarschaft ein Cybercafe. So hatte ich zudem die Gelegenheit ins Netz zu kommen und meine Mails zu checken. Perfekt. 
Die Insel gleicht Nuku Hiva. Auch hier schroffer Fels, der ins Meer stürzt. Zudem schwarzer Lavasand. Alles umgeben von hoch aufsteigenden Kraterwänden. Beeindruckend. Und friedlich zudem. 800 Menschen leben im Hauptort Atuona. Jeder kennt jeden. Und auch hier sind fast alle tätowiert. Die Frau von Alex, eine gebürtige Marquesas, kochte so gut, dass mir fast die Ohren wegfliegen. Roher Fisch, in Kokosnuss eingelegt. Coq au Vin, in einer leichten Rotweinsauce, Pumpkin Püree und als Nachspeise Kokosnuss Kuchen. Göttlich. Ich hatte Einschlafprobleme, so voll war der Magen. 
Auch hier erkunde ich die Insel mit einem Guide und einem Ärzteehepaar aus Paris. Nett, aber ein wenig schnieke. Als sie von ihrer Pearl Lodge für 300 Euro die Nacht berichtet, ist es mir ein Vergnügen entgegenzuhalten und von meiner Nächtigung im eigenen Zelt zu berichten. Freunde wurde wir im Verlaufe der Tour nicht mehr. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass ihr eine Nacht im Zelt auch mal gut getan hätte.😳
Alex ist gerade zum Strand aufgebrochen. Schon angeheitert, da sich die Menschen hier gewöhnlich jeden Freitag betrinken. Schon am Nachmittag fiel mir auf, das viele kistenweise Bier kauften. Beliebt ist hier auch Desperado Red. Bei 5 Euro die Flasche ein teures Vergnügen. Ich fliege morgen zurück nach Tahiti, um von dort nach Indonesien zu reisen. Samoa habe ich gestrichen. Auf Wochen ist dort keine Wetterbesserung in Sicht. Auf Blitz, Donner und Regen habe ich keine Lust. Auch wenn es dabei 32 Grad sind. Also auf nach Indonesien. Java, Bali, Sumatra, Sulawesi und Komodo klingen vielversprechend. Pläne zu ändern, manchmal mehrmals am Tag, das macht Individualreisen so interessant und spannend.

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Kommentare: 3
  • #1

    Dominique (Dienstag, 03 Mai 2016 16:22)

    Hi Chris !
    A short message from Santiago de Chile before leaving for the North, Arica and the deserts.
    Enjoy the rest of your trip and If you want to improve your french level have a look to our blog onsenfaittoutunmonde.blogspot.com.
    We are still a bit late but are working hard to fix that.

    Enjoy my friend !

  • #2

    Sylva (Mittwoch, 25 Mai 2016 01:00)

    Hallo Christof! So alles hat mit Marquesas geklappt! Super. Wir haben auch Glück gehabt, nur 1 Tag regnen auf Raiatea und 1 Tag auf Maupiti!

  • #3

    Tammo Habelt (Samstag, 16 Juli 2016 23:32)

    Super photos.....bis bald auf Moorea.