FRANZÖSISCH-POLYNESIEN 2

"Zum zweiten Mal im Paradies" 
Die Südsee machte mir die Anreise schon wieder schwierig. Von Auckland nach Papeete schaltete der Pilot 90 Prozent der Strecke die Anschnallzeichen. Schon wieder Turbulenzen vom Feinsten. Und das mitten im Pazific. Da kommen schon mal schnell Gedanken an Haifischfutter😂
Diesmal hatte ich die Kamera schon im Anschlag, da ich um die Begrüßungszeremonie schon wusste. Einzig mein defekter Stabilisator an einem Objektiv trübt zur Zeit meine anhaltenden Fotografierfreuden. Ich hoffe, das Objektiv hält bis Japan durch. In Tokio gibt es das größte Fotogeschäft der Welt. Dort werde ich bestimmt Ersatz finden. Wenn nicht dort, wo sonst.
Dass ich wieder in Europa war, bemerkte ich spätestes nach Verlassen des Flughafens als ich an einem Fußgängerweg die Straße überqueren wollte. Wo ich in Asien Stunden gewartet hätte, stand hier binnen weniger Sekunden der Verkehr. 
Und dann folgte schon gleich die erste nette Begegnung mit ein paar Einheimischen. Ich hielt den Daumen raus um als Anhalter in die Stadt zu kommen. Nach 10 Minuten hielten gleich zwei Fahrzeuge hintereinander. Ich entschied mich für da Erste, voll besetzt mit einer Familie, die zum Heva Fest wollte, das zur Zeit in Tahiti stattfindet. Meine Unterkunftsuche gestaltete sich jedoch sehr schwierig. Die Unterkunft befand sich nicht an der in Google Maps angezeigten Stelle. Wir suchten fast eine Stunde. Mittlerweile hatte das Konzert schon angefangen. Für die Einheimischen kein Problem. Gemütlich fragten sie sich durch, bis wir vor der Unterkunft standen. Und das alles für lau, eine Bezahlung wäre eine Beleidigung gewesen. Das habe ich deutlich gespürt. Fing ja gut an. Auch mein Vermieter, Luc, ein waschechter Franzose, zeigte sich als hervorragender Gastgeber. Eine schöne Unterkunft mit Gemeinschaftseinrichtung, Dusche im Freien und einen Pool vor dem Zimmer. Hinzu kam die Bekanntschaft mit Sigi, einer jungen, überaus hübschen und intelligenten Schweizerin. Irgendwie habe ich es mit den Schweizern.  An der Stelle ein herzlicher Gruß an Schweiz 1 und 2. Ich habe Sigi schon beneidet, als sie am nächsten Morgen zum Segeltörn in der Südsee aufbrach. Mir fehlen halt die Kontakte und die blonden Haare.😂

Stattdessen ging es für mich ins Air Tahiti Office. Ich nahm meinen zweiten Anlauf endlich die Gesellschaftsinseln um Bora-Bora und Moorea, um nur einige zu nennen, zu erkunden. Nur allzu gut sind mir die Bilder vom überschwemmten Zeltplatz in Erinnerung. Doch die Vorschau ist gut, was immer das auch heißt. Nach über eine Stunde war endlich die Lösung gefunden. Doch mit einem Wagnis. Ich will unbedingt auf Maupiti. Doch dort gehen die nächsten Wochen keine freien Flugzeuge weg. Ich bin auf ein Fischerboot angewiesen. Momentan hoffe ich innig eines zu finden. Wenn nicht wird mein Sabbatical wohl länger dauern.😂
40 km Seeweg sind es von Maupiti nach Bora-Bora. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Bora-Bora für mich unerreichbar scheint. Zuerst das Wetter, jetzt die Anreise. Mal sehen was passiert. 
Kurz nach meinem Eintreffen in Tahiti war Nationalfeiertag in Frankreich, folglich auch hier. Diesen Tag werde ich mich Sicherheit nicht mehr vergessen. An diesem Tag lagen Freude und Leid so dicht zusammen. 
Alles fing mit der öffentlichen Militärparade an. Alle wichtigen Menschen der Insel waren anwesend. Auch der Haut-Commissaire. Wie bei einer Parade so üblich werden Soldaten geehrt, Waffen und Fahrzeug präsentiert und Reden gehalten. Ich tastete mich langsam zur VIP Tribüne vor, wo nicht nur die Inselschönheiten, sondern auch die Veteranen standen. Einige haben in mehreren Kriegsschauplätzen gedient und die Medaillen zogen die Hemdknöpfe ganz schön nach unten. Alle waren gut drauf und erlaubten mit nicht nur einige Fotos, sondern machten auch so manche Albereien mit.

Klar blieben mit die Südseeschönheiten auf der Tribüne nicht verborgen. Ein Foto mit diesen ist aber mitunter nicht so einfach. Alle sind routiert, begehrt und sozusagen immer buzy. Dennoch gelangen mir einige Fotos mit Ihnen. 
Nach der Parade fand auf Amtssitz des Haut-Commissaire eine Feier statt. Nur die 500 geladene Personen hatten Zutritt. Der Einlass wurde von Guardians streng kontrolliert. Keine Chance rein zu kommen. Ich wartete vor dem Einlass schon eine halbe Stunde, als ich Pit aus Rhino, USA, kennen lernte. Er stand ebenfalls enttäuscht vor dem Einlasstor. Er sei Veteran, habe 40 Jahre in Tahiti gelebt und kenne den Protokollchef. Aber nein, dieses Jahr kämen nur die höchsten der höchsten hinein, wir plauderten so einige halbe Stunde über Tahiti und Nevada, als Pit, 75 Jahre alt, zwei Inselschönheiten hinter dem Tor erblickte. Ich stieß ihn an, er solle einen neuen Anlauf nehmen. Nach 10 Minuten kam er zurück. Ich solle mich mal vorstellen. Pit übersetzte ins Französische In dem Moment war mir klar, ich hatte eine Chance. Eine der Damen blickte mich so lieb an, da ging was. Nur mit dem weiteren Verlauf war ich nicht zufrieden. Denn ich durfte rein und Pit, der vermittelte, musste draußen bleiben. Nun gut, so ist es manchmal im Leben. Mal gewinnt, mal verliert man.
Ich war also drin. Dass alles frei war, war mir eigentlich egal. Es gab die besten Weine, erlesnes Essen und jede Menge Südseeschönheiten. Ich habe noch nie an einem Ort so viele schöne Menschen gesehen. Jetzt, wo ich das zweite Mal hier bin, kann ich sagen, ja, es gibt das Südseegen. Es ist eine Mischung aus Polynesien und Europa. Ich kann mittlerweile die Aussagen und Berichte über die Ankunft der ersten Europäer in der Südsee verstehen., dass alle bei dem Anblick der Menschen hier irre geworden sind. 

Wie es sich für eine gehobene Gesellschaft gehört, konnten die meisten auch Englisch und so fiel mir die Verständigung leicht und ich schloss einige Bekanntschaften. Zwischendurch gab es immer wieder Tanzeinlagen, die ein richtiges Südseefeeling vermittelten. Zwischendurch war ich wieder kurz zu der Einlassdame gegangen und hatte sie für den Einlass umarmt. So viel Glück auf einmal, dasmusste ich ihr einfach bekunden.
Doch dann kam mitten in der Veranstaltung das jähe Ende. Ich stand neben Gerome, einem Personenschützer aus Bordeaux, der das Erscheinen des Haut-Commissaire auf der Tribüne sofort kommentierte. Terrible News, waren seine ersten Worte. Dann die Schreckensnachricht. Anschlag in Nizza. Tote und Verletze. Die Musik unterbrach. Alle schauten entsetzt. Die Veranstaltung wurde abgebrochen. Traurige Gesichter wo man hin schaute. Große Verbundenheit machte sich breit. Auch ich war sichtlich mitgenommen. Zuerst die Freude am wohl schönsten Platz der Welt unter Franzosen ihren Nationalfeiertag miterleben zu dürfen und dann dieses Ende. Unwürdig und traurig. An der Stelle fällt mir wieder der Spruch eines Freundes ein. Innerhalb weniger Sekunden kann sich alles, aber auch alles in deinem Leben geändert haben. Der Moment kommt oft schnell und unerwartet. Möglicherweise in einem schönen Moment oder Lebensabschnitt. Zeitgleich fällt mir aber auch mein Leitsatz dazu ein. Lebe deinen Traum.
                                       Halbzeit! Halftime! Me-temps! Tiempo! Tempo! 半场!

                                                                     240 Tage
                                                                   19.090 Euro
                                                                 1.300 GB Fotos
                                                                     5 Länder
                                                                59 Destinationen
          ',,,                                                        45.000 km
                                                                      39 Flüge
                                                             1 geschrotetes Objektiv
                                                              1 verlorene Lesebrille
                                     5 x hingefallenes Handy (das immer noch funktioniert)
                                                                     3 x Dünnschiss
                                                                 2 x Magenschmerzen 
                                                                 und um etliche Freunde
                                                       und unzählige Erfahrungen reicher.
Endlich mal wieder Internet. Zwar mehr schlecht als recht, immerhin kann ich wenigstens einen Text abspeichern.
Für die Polynesier ist Europa weit weg und Terrorismus ist hier (noch) kein Thema. Und so hielt die bedrückte Stimmung gerade mal bis zum Nachmittag. Dann gingen die Feierlichkeiten weiter, mit typischen polynesischen Wettbewerben. Diese haben eine lange Tradition und werden nicht wegen den Touristen ausgetragen. Für mich sind es die Olympischen Spiele Polynesiens.  Es finden an mehreren Tagen Wettbewerbe statt, wo es gilt mit Obst gefüllte Bastkörbe schnellstmöglich durch einen Parcours zu bewegen, wo mit selbst gebastelten Speeren auf eine an einem Mastende plazierten Kokosnuss gezielt wird und wo es gilt, einen glatten, schweren Stein schnellstmöglich zu Schultern, um nur einige Wettbewerbe zu nennen. Dazwischen finden immer wieder Tanz- und Gesangseinlagen statt. Natürlich ist auch ausgiebig zur Speisen und Getränke gesorgt. 

Maupiti - Ein Stern am Himmel Polynesiens

Nach 5 ausgesprochen abwechslungsreichen Tagen in Tahiti ging es dann nach Maupiti. Und das wie bereits angesprochen ohne Rückflugticket. Ich blieb jedoch cool. Wenn ich eines auf meiner Reise gelernt habe, dann ist es locker zu bleiben und mit allen Widrigkeiten oder kurzfristigen Änderungen umzugehen. 
Als mein Flieger auf der Landebahn in Maupiti aufsetze, hätte ich schweißnasse Hände. Es ist eine der kürzesten Landebahnen in Franz. Polynesien und viele Sitzplätze müssen wegen des Start- und Ladegewichts leer bleiben. Entsprechend hart verläuft auch die Landung. Der Pilot geht so stark in die Bremsung, dass das Verrutschen des Handgepäcks in den oberen Fächern deutlich zu hören ist. Bienvenue Maupiti. 
Was für eine Insel war mein erster Eindruck. Incroyable hörte ich schon einige Franzosen beim Blick dich die Luken des Flugzeugs sagen. Und das sollte auch eine meiner Beschreibungen sein. So großartig, dass ich 7 Tage auf dieser Insel verbrachte und dass will bei mir wirklich was heißen, wenn ich es lange irgendwo aushalte. Und gerade auf einer kleinen Insel.
Schuld daran ist nicht zuletzt meine sagenhafte Unterkunft auf einem Motu, nur 800m vor der Hauptinsel isoliert gelegen. Die Verbindung besteht in einem 20-minütigen Fußmarsch durch die knie- bzw. hüfthohe Lagune. Aber nicht irgendeine Lagune. Für mich die schönste, die ich in meinem Reiseleben gesehen habe. Noch nie habe ich ein solch klares, sauberes Wasser gesehen mit so vielen unterschiedlichen Grün- und Blautönen. Ja nach Tageszeit haben diese dann nochmals ihre Töne geändert. Um dieses Schauspiel am besten zu beobachten, erklomm ich den 300 m hohen Hausberg der Insel. Nicht ganz ohne eine paar Schweißperlen zu verlieren, dafür mit einem Ausblick, der seinesgleichen sucht.

Ich war gleich zweimal oben. Ich konnte einfach von dieser Aussicht nicht gut bekommen. Am liebsten hätte ich hier oben mein Zelt aufgeschlagen und eine Flasche Rotwein mit ein wenig Fromage verköstigt. 
Maupiti hat nur 1.200 Einwohner, 1 Restaurant und ein paar wenige Pensionen. Hotels im klassischen Sinn sucht man vergebens. Und das ist gut so. Ich fand mein 5 Stene Hotel in der Pension Auira, genauer gesagt in der Person von Guene, der Tochter des Patron. Ihre Herzlichkeit und Fürsorge war kaum zu überbieten. 
Schon die Begrüßung durch ihren Sohn Shea und Sie war so, als käme ein Freund an. Guene wieß mir gleich den Zeltplatz mit der besten Aussicht auf die Hauptinsel zu. Einfach unbezahlbar dieser Ausblick. Noch heute fühle ich den Wind, der von der Lagune kommend, durch mein Zelt wehte. Dazu war Vollmond. Ein super romantischer Ort, auch wenn man kein Honeymooner ist. Die folgenden Tage auf Maupiti bestanden aus Sonne, Sand, Meer, Lagune, Kajak, essen, trinken, genießen, wandern, Fahrrad fahren, kennen lernen von Inselbewohnern und nicht zuletzt dem besonderen Tag meiner Halbzeit. 

Ich habe mittlerweile schon so viele Eindrücke gesammelt, so viele Menschen kennen gelernt, so viele eindrückliche Erfahrungen gemacht, dass zwangsläufig die Frage aufkommt, ob mich meine Reise als Mensch verändert hat. Die Antwort darauf kommt schnell und spontan: 

"Nein, ich war doch schon immer anders".

Im Gegenteil. Die Reise hat mich in vielem bestärkt, gerade was das Leben einem für Möglichkeiten bietet, die es zu nutzen gilt. Gerade wenn man schon einige Einblicke in eine unschönere Seite des Lebens erhalten hat. Auch ist mir, noch mehr als zuvor, bewusst geworden, dass mein Leben endlich ist und mit Sicherheit schwierigere Lebensabschnitte folgen werden. Meine Reiselust ist nach wie vor ungebremst. Vielleicht auch nicht zuletzt wegen des Umstandes, dass es mir bislang gelungen ist, eine schönen Mix in meine Reiseländer zu bringen, welche die Reise spannend halten. Und so blicke ich schon gespannt auf mein nächstes Reisziel, Japan. Japan wird mit Sicherheit wieder was ganz anderes. Das sehe ich schon hier in Franz. Polynesien, wo es recht viele japanische Touristen hat. Japaner sind anders. Sie kleiden sich anders. Sie essen anders und sie haben vor allem andere Benimmregeln. Ich freue mich auf dieses Land. 


Bora Bora - Paradies einmal anders

Eigentlich müsste ich vor Freude in die Luft springen. Endlich im Paradies. Ferien machen, wo andere nie hinkommen. Nicht nur, weil es eines langes Fluges von mehr als 22 Stunden bedarf, sondern weil gerade Bora Bora für die meisten Menschen unerschwinglich erscheint. Für den Normalverdiener trifft es auch zu, es sei denn man wohnt bei einer einheimischen Familie so wie ich. Diese muss aber erst einmal gefunden werden. Ich habe eine gefunden und das durch einfaches Ansprechen mach meiner Ankunft von Maupiti im Hafen von Bora Bora. Ich sah einen Peugeot Partner, voll besetzt mit 6 Personen, alle schön gekleidet und in Feststimmung. Es war der letzte Tag es Heiva Festes und alle in Vorfreude auf die spektakuläre Abschlussveranstaltung.
Zu diesem Zeitpunkt könnte ich noch nicht ahnen, das ich mich für die Familie "Flotters" entschieden hatte und damit ganz tief in das einfache und normale Leben in Bora Bora eintauchen sollte. Mit Flotters möchte ich auf keinen Fall die Familie beleidigen. Alle waren ausgesprochen nett und versuchten mir meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Die familiären Verhältnisse waren jedoch sehr einfach und mit Flotters spreche ich eher die internen Abläufe an. Für mich zählt der Aufenthalt bei dieser Familie zu einer der eindrücklichsten Erfahrungen auf meiner Reise. 
Wir schauten uns zusammen die Abschussveranstaltung des Heiva Festes an. Jedoch von einer Stelle außerhalb des Stadions, denn das Eintrittsgeld konnte nicht aufgebracht werden. Auch schön, wenngleich ich neben einer Lautsprecherbox stehen musste, die mich so zutrönte, dass ich die ganze Nacht die Songs im Ohr hatte. Zusammen mit dem leichten Schwindelgefühl der Überfahrt von Maupiti war das ein Gefühl, das mich in meinem Zelt in Rückenlage und verschränkten Armen hinter dem Kopf zu einem Lächeln verleitete: "Willkommen im Paradies!".
Am nächsten Morgen sah die Welt schon anders aus. Der hauseigene gefiederte Hahn weckte mich schon um 5 Uhr. Ich wünschte ihm ein heißes Bad in kochendem Wasser. Als dann noch die Hauskatze an meinem Zelt kratzte, war mein Schlaf beendet. Es war noch dunkel als ich mein Zelt verließ. Im pazifischen Winter wird es erst gegen 06:30 Uhr hell. Die Flotters saßen schon vor dem Haus in einer Art Haltebucht. Von hier aus lässt sich das "Strassenleben" beobachten. Alle, das sind Opa, Oma, Eltern, Kinder und weitere Verwandtschaft. Man kennt sich halt. Papa Flotter tunkt sein Baguette in den heißen Tahiti Kaffee. So ziemlich das einzigste was er essen kann. Er hat keine Zähne mehr. Daher fällt ihm auch das Lächeln schwer. Sein Sohn, Apa, verträgt mit seinen geschätzten 50 kg Übergwicht kein Essen am Morgen. Er bevorzugt selbst gedrehte Zigaretten. Sein Frau Beatrice, kurz Betzi, hat sich schon hübsch gemacht. Sie hat den Nachtkittel ausgezogen und trägt einfache Sportkleidung, Made in Tahiti. Die Mutter, gleichzeitig die Chefin im Ring, erklärt mir einige Wörter in Japanisch. Hat sie wohl von Touristen gelernt. Alle schielen immer kurz auf den Fernseher, der 24 Stunden läuft. Dabei erklärte mit der Ehemann der Hausherrin, dass gerade Elektrizität in Franz. Polynesien so teuer ist. Nun gut. Ich setzte mich zu Ihnen und trank meinen Nescafé. Alle bewundern das, weil Nescafé so teuer ist. Der einheimische Kaffee ist um die Hälfte billiger. Die jüngste in der Runde, die Tochter von Betzi, tunkt ihr Baguette derweil in kaltes Zuckerwasser. Das macht satt und schmeckt ihr sichtlich gut. Dabei hat sie mit ihren 9 Jahren bestimmt schon 10 kg Übergewicht. Es ist aber nicht nur ein Bildungsproblem sich vernünftig zu ernähren. Hier ist es eindeutig eine Frage des Geldes. Die Familienältesten sind in Rente. Sie haben über Jahre in eine Art Rentenkasse eingezahlt. Hieraus erhalten Sie einen minimale Rente. Diese reicht vorne und hinten nicht. Da kommt das Entgelt eines Touristen grade recht. Wir haben uns auf 2000 XPF, das sind 17 Euro, die Nacht geeinigt. Das angebotene Bett im hauseigenen Schlafsaal schlage ich dankend ab, alleine schon wegen der nächtlichen Geräuschkulisse. So viele Personen, ein laufender Fernseher und die Haustiere. Das erschien mir fürs Erste zuviel. Ich bevorzuge mein Zelt im Hinterhof aufzuschlagen. Zugegeben kein typischer Ferienplatz inmitten einem Maschinenpark ausgelagerter Fahrzeug- und Maschinenteile, aber zweckmäßig mit Außendusche und eigener Toilette.
Das Lachen vergeht mir jedoch recht schnell, als ich unweit meines Zeltplatzes eine Art Bruchbude entdecke. Vor einem Vorhang ist die Umrandung eines hölzernen Bettgestells zu erkennen, davor steht ein uralter, offensichtlich nicht mehr gebrauchsfähiger Kinderwagen. Apa erklärt mir, dass in diesem "Haus" sein behinderter Bruder schläft. Dieser habe seit seiner Geburt ein Handicap. Er sei jedoch friedlich und man brauche sich nicht viel um ihn zu kümmern. Schließlich sei er ja schon 37 Jahre alt. Ich bekomme seinen Bruder nicht zu Gesicht zu sehen. Keine Ahnung was wirklich mit ihm los ist. Beatrice liefert mir eine mögliche Erklärung. Der Vater habe jahrelang im Gambier Archipel, auf Mururoa, gearbeitet. Dort, wo die Franzosen über Jahre ihre Atomtests durchgeführt haben. Dieser sei mit atomarem Material kontaminiert worden. Mit Sicherheit habe sich dies auch auf seine Gene ausgewirkt, die dieser dann weiter gegeben habe. Eine mögliche Erklärung. Jedenfalls verstehe ich seit diesem Zeitpunkt auch besser das Verhalten des älteren Herrn. Er ist sichtlich krank, wirkt fahl und redet wirres Zeug. Die französische Seite bestreitet natürlich bis heute irgendwelche Zusammenhänge. Es geht um Geld. Um viel Geld. Um Entschädigung. Dabei sind nach Schätzungen viele Menschen in Polynesien betroffen. Nach dem Gespräch mit Beatrice googelte ich die Atomteste der Franzosen in Franz. Polynesien. Erschreckende Berichte traten zu Tage. Eine andere Seite des Paradieses.

Die Familie hat einen Schatz, um den sie vielleicht viele beneiden und sie vielleicht selbst nicht wissen, um was für einen Schatz es sich handelt. Die Familie hat Landbesitz. In den nicht irgendwo, sondern auf einem Motu, einem vorgelagerten Atoll zur Hauptinsel Bora Bora. Dort, wo sich ausgerechnet die Schweinehotels befinden und die Nacht ab 300 Euro aufwärts kostet. Und gerade dort erlaubte mir es die Familie mir mein Zelt aufzuschlagen. Nicht mehr mein Rotes vom ersten Aufenthalt, mittlerweile hatte ich mir ein neues zweilagiges Zelt zugelegt, das mir wetterfester erschien.

Bora Bora hat natürlich auch eine andere Seite. Bora Bora ist zweifellos eine Trauminsel mit tollen Hotels, schneeweißen Stränden und allen erdenklich möglichen Freizeitaktivitäten. Vorausgesetzt die Urlaubskasse ist gut gefüllt. Das ist auch notwendig, denn ein Tauchgang kostet 75 Euro, eine halbe Stunde Jet Ski 150 Euro, eine Fischfütterung mit Haien und Rochen 100 Euro. Dazu die extrem hohen Lebenshaltungskosten, die auch die Einheimischen belasten. So zahlt man auf Bora Bora 5 Euro für 100 Gramm Käse oder 15 Euro für einen Tetra Pack europäischen (Fusel) Rotweines. Warum dann Südsee? Ganz klar, weil sie einmalig ist. Auf mich übt sie eine magische Ausstrahlung aus und ich überlege jetzt schon, wann ich wieder hierhin zurück kehre. Es kristallisiert sich mittlerweile eine Region um Neuseeland/Südsee heraus, in der es sich mit Sicherheit im Ruhestand toll leben lässt. Ein Traum, der nicht unrealistisch erscheint.
Impressionen Maupiti
Impressionen Bora Bora
Raiatea/Tahaa - Kultur mit einem Schuss Vanille

So kenne ich die Deutschen. Was sie sagen, halten sie auch ein. So begrüßte mich der Betreiber meiner Pension mit angeschlossen Campingplatz. Dementsprechend schaute er auch nicht verwundert, als er mich wieder sah. Auf diesem Platz hätte ich im April die Erkundung der Gesellschaftsinseln aus Wettergründen abgebrochen. Diesmal zeigte sich die Insel von ihrer schönsten Seite, wenngleich ich im Hinterkopf hatte, dass diese Insel schon von einem Zyklon verwüstet wurde. Auch wenn die Gefahr auf diesem Campingplatz von einer Kokosnuss erschlagen zu werden, am höchsten in ganz Polynesiens war, so schön war es inmitten des Kokosnusswaldes sein Zelt aufzuschlagen. Da geriet der Meerblick fast in den Hintergrund. 
Raiatea ist die zweitgrößte Insel FPoynesiens und ich strampelte mich ganz schön ab, um die Insel an einem Tag mit einem klapprigen Fahrrad ohne Gangschaltung zu umrunden. Raiatea liegt knapp 200 km westlich von Tahiti und war früher das politische und religiöse Zentrum Polynesiens.
Den Beinamen die Heilige bekam die Insel, weil sie die bedeutendste Gedenkstätte Franz. Polynesiens beherbergt. Noch heute hat dieser Ort etwas magisches und anziehendes. 
Mein Besuch konzentrierte sich auf die Nachbarinsel Tahaa, die Vanilleinsel Polynesiens. Es ist eine kleine und ursprüngliche Insel ohne großes Touristenaufkommen. Überall auf der Insel sind Vanille Plantagen verstreut, daher ihr Beinamen, die Vanilleinsel. 
Früh morgens ging es in einer Tagestour mit dem Boot los. Klar durfte der Besuch einer Vanillefarm nicht fehlen. Der intensive Geruch der Tahiti Vanille wird mir in Erinnerung bleiben. Ausgesprochen aromatisch und bei uns nur schwer bzw. teuer zu erstehen. Tahaa überzeugt aber auch mit seinem schönen Korallenriff, einsamen Motus und einem an vielen Stellen uneingeschränktem Südseefeeling. 
Huahine - Der Garten Eden

Huahine stellte für mich die größte Überraschung dar. Je nachdem wie sehr man sich einglasen hat, hat man eine bestimmt Vorstellung von einer Insel. Huahine las sich ganz nett, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dort angekommen, gab es ein innerliches Wow! Eine Insel, die mit großartiger, an vielen Stellen fast unberührter Natur überzeugte. Auch diese, immerhin 67 km, umrundete ich mit dem Fahrrad. Die Voraussetzungen hierfür waren ideal. Als Ausgangspunkt diente mein Zeltplatz direkt am Meer. Ideal um auch nach der Tour, das ein oder andere Hinano zu leeren. 
Huahine wirkt vielerorts, als habe noch niemand die Schönheit dieser Insel entdeckt. Rund um die Insel befinden sich kleine isolierte Motus. Eine davon dient einer lokalen Schriftstellerin als Rückzugsort. Ein gutes Zeichen. 
Auf meiner Tagestour um die Insel stieß ich auf einsame Buchten, grüne Wälder und auf typisch polynesischen Alltagsleben, weit vom Massentourismus entfernt. Zweifellos eine Insel zum Verlieben.
Moorea - Die Schöne

Und dann kam sie. Die Insel, die ich im Vorfeld favorisiert hatte, als die Insel mit dem vielleicht größten Charme, der größten Vielfalt und dem größten Sexappeal. Um es vorwegzunehmen, Moorea hielt was sie versprach. Mehr noch. Für mich ist sie nicht nur die Magische, wie einheimische sie bezeichnen. Für mich ist sie die Schöne, die Grazie. Sie verkörpert di Südsee auf eine ganz besondere Weise. So sehr, dass mir der Abschied sehr schwer fiel. Immerhin hatte ich volle 5 Tage zur Verfügung Moorea näher kennen zu lernen. 

Von Moorea schwärme ich noch heute so sehr, dass ich hier ganze Seiten mit Erzählungen füllen könnte. Moorea hat einfach alles. Schöne Strände, wunderschöne Buchten, zerklüftete, steil emporragende Felswände, kristallklares, grün/blaues Wasser, Wanderwege, Cafés, Kultur und und und. 
Um in der "kurzen Zeit" möglichst viel zu sehen und unabhängig zu sein, mietete ich mir in Tahiti einen Scooter und setzte mit der Schnellfähre in 30 Minuten über. Der Scooter Air eine Nummer größer wie ich ihn gebucht hatte. Ein ziemlich hässliches Ungetüm, das jedoch seine Zwecke erfüllte. 
Wenn es irgend etwas auf Moorea zu bemängeln gibt, dann die Tatsache, dass die vorbeiziehenden Wale noch nicht eingetroffen waren. Frechheit. Ok, ich gebe Ihnen eine neue Chance. Besonders ärgerlich, dass ein Einzeltier, wahrscheinlich ein Späher, in einer der schönsten Buchten Mooreas an meinem Abreisetag Gesicht wurde. Ein Grund mehr um wieder zu kommen. Ein weiterer Grund eine nette Begegnung mit Tammo, der in einem ortsansässigen Perlengeschäft arbeitet. Ein cooler Typ. Wir, das waren seine Mutter Birgit, seines Zeichens eine enthusiastische Seglerin, Tammo und ich trafen uns in der schönsten Bucht Mooreas und redeten bei einem kühlen Hinano über das Leben. Gerade Birgit konnte da viel erzählen, hat sie doch gerade 70jährig alleine in einem 6m Boot den Atlantik und Pazifik überquert. Eine Lehrstunde in Sachen Erlebnis, Adventure. Lebensgestaltung, Schwerpunkte, pp. Bei einem Psychiater hätten die Erzählungen Birgits tausende Euro gekostet.😂
Tahiti - Der schwere Abschied

Der Abschied aus Tahiti fiel mir unendlich schwer. Ich habe 2 1/2 Monate einen Teil der Erde bereit, der mir unerreibar erschien. Tahiti erschien zu weit entfernt, um dort gezielt aus Europa anzureisen, geschweige denn einen Aufenthalt dort finanzieren zu können. Am Ende war mein Aufenthalt dort nicht teurer als in Neuseeland. Die Zeltvariante ist voll aufgegangen. Oft waren die Zeltplätze an den schönsten Stellen der jeweiligen Inseln gelegen. Zudem haben mich die Einheimischen für diese Art des Reisens geschätzt und mich nicht in die Schublade eines reichen Europäers gesteckt. 
Am Ende bleibt eine durchweg positive Bilanz. Ich habe einen ganz besonderen Teil auf unserer Erde kennen gelernt und wede versuchen wieder hierher zu kommen. Dafür hat Franz. Polynesien viel zu viel zu bieten. Das herausragendste dieses Aufenthalts war jedoch zweifellos der Kontakt mit den Menschen. Eine unglaubliche Gastfreundschaft ist mir entgegen gebracht worden. Daher mein Dank an alle Polynesier, die meinen Blog verfolgen. Eine Homage in Fotos. 
....et je promets d'améliorer mes compétences en français😄.....

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Kommentare: 3
  • #1

    Tammo Habelt (Samstag, 16 Juli 2016 23:27)

    Sehr shön, ich hoffe wir treffen uns auf Moorea.

  • #2

    Hubert (Freitag, 22 Juli 2016 22:44)

    Dünnschiss ist am besten

    das befreit

    Mag Dich:-)

  • #3

    Kurt Schwindling (Dienstag, 02 August 2016 23:02)

    Hi Christof ! Ist die Mütze für mich ? Weiterhin gute Reise.... Kurt