JAPAN

"Wo ich immer schon mal hin wollte" 



Meine Anreise erfolgte über Neuseeland/Auckland, wo ich einen Tag zur Entspannung zur Verfügung hatte. Weit gefehlt. Dank Claire und Lisa verpasste ich um ein Haar meinen Flug nach Tokio. Ich saß amNachmittag im Hafen von Auckland und genoss bei einemGlasneuseeländischen Sauvignon Blanc die winterlichen Sonnenstrahlen als mein Nachbartisch in Form der beiden liebenswerten Kiwis auf michaufmerksam wurde.  Mit dem Unterschied, dass ichalseuropäisches Weichei mit Winterjacke und die beiden mit leichten Pullovern bekleidet waren. Und dann zeigten mir die beiden mal was ein echter Kiwi so verträgt. Wir leerten einige Gläser Wein,begleitet von Austern unterschiedlicher neuseeländischer Herkunft. Danach ging es am Abend in ihr Stadtviertel am Mount Eden, wo ich die Stammkneipe und den netten Ehemann von Claire kennen lernte.Und weiter gings. Ich wechselte auf Rotwein. Zwischendurch gab es frittierte Manjokfritten mit Majo. Ich war am Ende so hinüber, dass ich an der falschen Bushaltestelle zum Airport wartete.Wenigstens merkte ich es irgendwann. Die Begegnung mit den beiden hat meine Vorfreude auf meinen zweiten Neuseland Besuch erheblich gesteigert. Die Kiwis haben einfach Klasse. Ohne Etikette. Superlocker. Ehrensache, dass sie alles bezahlen wollten. Nur mit Mühe konnte ich sie davon abhalten. 

TOKYO

Von Tahiti nach Tokyo. Krasser geht es kaum. Der erste Eindruck von Japan ist überwältigend. Tokio ist die erwartete Mega Stadt. Hier ist gegenüber Europa einfach alles anders. Auch die Menschen. Siesind zurückhaltender, gar scheuer als wir oder die Kiwis es sind. Zugegeben nicht so scheu wie auf dem Foto. Das Abenteuer Japan kann beginnen. 
Japan präsentiert sich gerade in Tokyo so, wie ich es von Erzählungen oder Berichten vermutet habe. Es geht geordnet, ja geradezu fast unheimlich diszipliniert zu. Ich bin in einer der größten Städte der Welt und habe in der Realität das Gefühl maximal in einem Saarbrücker Stadtviertel unterwegs zu sein. Keine Hektik, kein Hupen, keine Polizeisirenen, kein lautes Gerede, kein Abgasgeruch, kein kein kein.....
Dafür hat es hier Menschen, die offensichtlich strengen Regeln folgen und aufgrund ihrer Erziehung ein anders Lebensverständnis haben, als wir das kennen. Dabei wirkt manches befremdlich, andere Dinge wiederum begeistern mich und wünsche ich mir für mein Leben auch. 
Klar präsentiert sich Tokyo auch als Weltmetropole. Das zeigt sich schon darin, dass ein Flughafen nicht ausreicht. Tokyo hat gleich zwei davon. Und was für welche. Ich bin in Narita gelandet. Dieser Airport befindet sich an der Stadtgrenze und das sind dann doch schon 76 km bis zu meinem Hotel. Dorthin zu kommen gestaltete sich als äußerst einfach. Tokyo ist auf Besucher aus aller Welt eingestellt, schließlich finden 2020 hier die Paralympics statt. Mit Jetlag die verschiedenen Optionen der Transportmittel zu verstehen, gestaltete sich dann schwieriger als gedacht. Es wird zwar teilweise englisch gesprochen, doch mit einem Akzent, dass selbst ein neuseeländischer Farmer erblassen würde. Irgendwann hatte ich dann zwischen all den Wolkenkratzern mein Kapselhotel gefunden. Mittlerweile liebe ich diese Hotels. In Tokyo ein Muss, da diese Stadt aktuell als die teuerste in der Welt gehandelt wird. 
Auf mein Tokyoter Kapselhotel möchte ich näher eingehen, da sich an dieser Unterkunft schon das andere Rollenverständnis gut erläutern lässt. Zunächst das Wichtigste. Die Schuhe. Hinter einer bestimmten Grenze müssen diese ausgezogen werden. Und nicht nur das. Sie müssen weggesperrt werden. So lange, bis man das Hotel verlässt. Strassenschmutz in das Haus, die Wohnung zu bringen, akzeptiert kein Japaner. Also genau mein Ding. Danach erhält man sein Kleidung. Blaue Unterhose mit blauem Kimono, ein Handtuch, einen Rasierer und eine Einmalzahnbürste. Meine Reklamation, dass die Zahnpasta fehlen würde, versteht die Rezeptionistin nicht. Übrigens die einzigste Frau in dem Hotel. Hier sind nur Männer erlaubt. Sie gibt mir zu verstehen, dass die Zahnpasta in die Borsten integriert ist. Ich verstehe schnell. Japan.
Dann geht es zu den Spinden. Alleine auf meiner Etage befinden sich 251 Kapseln, dementsprechend viele Spinde. Und dann heißt es umziehen. Ich werde explizit angehalten, im Haus nur diese Kleidung zu tragen. Ich ersten Moment fühle ich mich als Todeskandidat, dem die letzten Stunden bevor stehen. Die Kleidung ist schnell gewechselt. Da alle so rumlaufen, fällt es mir nicht schwer diese Kleidung zu akzeptieren. 
Danach geht es auch schon in die Waschabteilung. Schließlich geht dem Japaner Reinlichkeit über alles. Ich habe das Gefühl, dass er sich die Epidermis runter schrubbt. Meine Beobachtungen sprechen Bände. Es gibt feste Waschrituale, die von allen in gleicher Reihenfolge, morgens und abends, vollzogen werden. 
Nach Betreten der Waschanstalt gehts zuerst mal in 40 Grad heißes Wasser, um den Körper aufzuwärmen und geschmeidig zu machen. Danach in die Sauna. Unterbrochen von kalten Bädern. Klingt wie zuhause, mit dem Unterschied, dass der Japaner das zweimal am Tag macht. Dann geht's weiter. Man nimmt auf einer der Sitzgelegenheiten Platz. Sogar mit Aussparung für bestimmte Körperteile. Nicht allzu groß, für Japaner nicht notwendig.😂
Dann wird eine Schüssel mit heißem Wasser gefüllt und die Füße geschrubbt. Anschließend wird der Körper unzählige Male eingeseift. Jedesmal heißt es dann mit einem rauchen Art Handtuch die Oberhaut entfernen. Manche waschen sich bis der Arzt kommt. So kommt es mir jedenfalls vor.  Am ersten Tag verhalte ich mich noch wie ein Europäer. Stehe vor dem Spiegel und dusche mich. Am zweiten Tag gehen mir die Blicke der Japaner auf den Keks. Ich setze mich. Um nicht allzu sehr Außenseiter zu sein, seife ich mich bis zur Unkenntlichkeit ein. Leichtes Schwindelgefühl macht sich breit. Schließlich sind es geschätzte 40 Grad in der Reinigungsanstalt. 
Und wie immer im Leben. Man gewöhnt sich sehr schnell an neue Situationen und Gebräuche. Mittlerweile sitze auch ich auf dem "Stuhl". Natürlich auf dem mit der größten Aussparung😂. Ich schrubbe schon fast wie ein Japaner. Gerade vor dem schlafen gehen, tut so ein heißes Bad ausgesprochen gut und lässt mich gut schlafen. Nach einem Japan Besuch bleibt die Frage, ob ein Badezimmer eine Badewanne haben sollte, nicht offen. 
Dann heißt es zu Bett gehen. Nicht in irgendein Bett. Meine Kapsel öffnet sich. Manchmal mit dem Gefühl, dass es so sein muss, wenn man irgendwann mal in die Kiste für ewig gehen muss. Allerdings hat man in dieser Kiste nicht wie hier, eine sehr funktionelle Kapsel mit allem was man so braucht. Fernseher, Anschlüsse für alle elektronischen Geräte, Wecker usw. Ein multifunktionales Tool. Zudem sind die Kapseln geräuschisoliert. Verwendet man zudem Ohrenstöpsel ist man dem Jenseits schon ganz nah.
Zum Abschluss noch ein Wort zu dem Sexualverständnis der Japaner. Schließlich bin ich in einem Männer Kapsel Hotel. Wie selbstverständlich liegen im Aufenthaltsraum Sexmagazine herum. Auch an der Rezeption lassen sich solche Hefte kaufen oder mieten, schon ein etwas irritierendes Bild wenn man beim Check Inn gleich damit konfrontiert wird. 
Und dann das erste kulinarische Erlebnis. Ich hatte mich so sehr auf das japanische Essen gefreut. Und jetzt war ich hier. Sozusagen auf dem Olymp des Essens. Zugegeben, ich habe es am ersten Tag gleich übertrieben. Beim Schlendern durch die Altstadtgassen habe ich 17 verschiedene Kleinigkeiten probiert. Es sah alles zu verlockend aus. Die Vielfalt der Speisen ist enorm. Abends fand ich dann noch ein uriges Lokal, das für die Ausgefallenheit seiner Speisen bekannt ist. Hier hab ich mir dann zum Abschluss des Tages die Kugel gegeben. 
Auch hier habe ich dann nochmal 4 verschiedene Gerichte probiert. Eines besser als das andere. Neben Avocado Thunfischsalat in einer leichten Wasabi Sauce gab es mein bislang absolutes Highlight. Geräucherter Aal der in eine Soja Wasabi Sauce getunkt wird und anschließend mit einem Stück Rettich zu Munde geführt wird. Mir läuft gerade nochmals das Wasser im Mund zusammen. Begleitet wird die Komposition mit indem guten Schluck Sake. Japanischer Reiswein mit ca. 15 in 20 % Alkohol. Alleine schon die Anrichtung des Weines war Weltklasse. Alle Freunde dürfen sich schon freuen. Nächstes Jahr gibt's japanische Gerichte.
Hinzu kam dass ich zwei Mädels kennen lernte, die unmittelbar auf den Hockern neben mir saßen. Und zu meiner Verwunderung gar nicht scheu waren. Beide leben und arbeiten in Tokyo. Nach kurzer Zeit bestellten Sie weitere 4 Gerichte, die wir auf dem Tresen platzierten. Jeder probierte von allem, auch die Getränke wurden durchgereicht. Macht man so. Wenigstens haben sie es mir so erklärt. Wenn ich recht überlege war es der Tag in meinem Leben, wo ich bislang am meisten gegessen und vor allem so unterschiedliches gegessen habe. Wenn das so weiter geht, muss ich auf meinem Flug nach Australien Übergepäck buchen. Aber japanisches Essen geht ja angeblich nicht auf die Hüfte.
Mitunter habe ich mich in Tokyo am meisten auf den größten Fischmarkt der Welt gefreut. Ich wollte unbedingt die morgendliche Thunfisch Auktion sehen. Da hier nur 120 Touristen zugelassen sind, musste ich schon am Vorabend anreisen, um mir einen Platz zu sichern. Hierzu mein Tagebuch Auszug: ....Gegen 00:00 Uhr vor Ort und zu meiner Überraschung schon 4 Personen anwesend. Ein italienisches Pärchen, 1 Inderin und ein Japaner aus dem Südwesten des Landes. 
Im Eingangsbereich befindet sich das Office der Werkssicherheit die blaue Uniformen, Mütze und die Aufschrift Taskforce trägt. Die Tür ist geschlossen. Hinter der Scheibe ist ein grimmig dreinschauender Kerl zu erkennen, der auf dem Stuhl sitzt und blöd drein schaut. 
Auf einem Schild steht, dass die Registrierung um 02.15 Uhr beginnt und um 3 Uhr beendet ist. Gut, das ich so früh dran war. 2 Slots zur Besichtigung sind frei gegeben. 05:25 Uhr und 05:50 Uhr. Ich bin im ersten Slot. 60 Personen jeweils. Irgendwie gerät die Thunfischauktion durch das Verhalten der Werkssicherheit fast zur Nebensache. Man hat eine Schlange zu bilden, 2 Personen haben nebeneinander zu stehen. Sitzen auf dem Boden ist verboten. Keine Überdachung. Gut dass ich auf heute verschoben habe. Ein Tag zuvor bei dem Unwetter wäre unmöglich gewesen. Pünktlich 02:15 Uhr sperrt einer einen Art Wartesaal auf. In diesen werden die 120 Personen reingelassen. Die im ersten Slot bekommen eine gelbe Weste, die anderen eine blaue Weste übergezogen. Man hat sich auf den Boden zu setzen. Ich lege mich flach. Die Beine angezogen, der Rucksack als Kopfstütze. Viele quatschen trotz später Stunde unentwegt. Irgendwann schlafe ich eine wenig ein. Ich werde durch einen Angestellten geweckt, der in schlechtem Englisch etwas zu Thunfischen erzählt. Zum Beispiel, mit was diese gefangen werden, mit Squid und dass Squid keine Thunfische mag und Thunfische keine Japaner. Alles lacht. Mich nervt der Typ. Selbstdarsteller. Pünktlich 05:25 Uhr ist Abmarsch zur Auktionshalle. Kurzer Fußweg und ich bin drin, im größten Fischmarkt der Welt, der irgendwie sogar nicht ein solches Gefühl vermittelt. Er ist wie Japan, ruhig, geordnet, gelassen, jeder weiß was und wann er es zu tun hat. Die Menschen die hier arbeiten schauen ernst, keiner lacht. Ich habe das Gefühl dass Touris nur ungern gesehen sind. 
Und dann liegen sie vor mir. Vielleicht hundert Thunfische. Alle dampfen vom Eis bzw. Stickstoff. Knüppelhart gefroren. Manche Exemplare sind über 200 kg schwer und bringen über 100.000 Euro bei der Auktion. Ich mache ungefähr 50 Händler aus. Manche tragen an ihrer Mütze eine Nummer, damit sie als Händler erkennbar sind, es geht ausgesprochen ruhig zu. Alle sind mit einem Art Pickel, einer Taschenlampe und einem Notizblock ausgestattet. Mit dem Pickel werden Geschmacksproben herausgebrochen. Aber auch mit der Hand wird über ein am Schwanzende herausgeschnittenes Stück gestreift und der Geschmack und die Farbe getestet. Erkennbar, dass alles um den Thunfisch Spezialistentum erfordert. Manche Händler arbeiten hier seit 59 Jahren! Erfahrung geht über alles. Thunfisch ist hier Passion."

Tokio hat natürlich alles, was eine Weltstadt ausmacht. Das Stadtgebiet hat ein gewaltiges urbanes Zentrum. Aktuell gilt Tokio als größte Stadt der Welt mit ungefähr 35 Mio. Einwohnern. Eine Stadt in Fotos.
FUJI

Mittlerweile bin ich am Mount Fuji angekommen, dem Symbol und Sinnbild Japans. Ich habe mir vorgenommen den Berg zu besteigen. Wenngleich dies mehrere tausend Menschen in jedem Jahr tun, ist der Bergnicht zu unterschätzen. Schließlich ist er höher als die Zugspitze. Manche werden Höhenkrank, andere wiederum verunglücken. Mein Ausgangspunkt ist Kuchigawa-ko in der vier Seen Gegend. Ein herrlicherOrt um zu entspannen und sich auf den Aufstieg vorzubereiten.
Allerdings dauert mein Aufenthalt hier länger als erwartet. Nach einer anfänglichen Schönwetterphase regnet es nun schon seit 2 Tagen unentwegt. Viel zu gefährlich aufzusteigen. Täglich checken alle Wanderer die unterschiedlichsten Wetterkarten und Vorhersagen. Es deutet sich ein kurzer Slot an, den es zu nutzen gilt. Allerdings kann ich nicht, wie geplant, in der Dunkelheit aufsteigen, da die Steine rutschig sind und auch das Geröll zu lose ist. Daumen drücken. Wie schön der Fuji sein kann, habe ich schon mal von einem Aussichtspunkt erleben dürfen. Beeindruckend und unvergesslich.
Nach zwei Tagen des Wartens war es dann soweit. Das Abenteuer Monut Fuji konnte beginnen. Es waren zwar mittlerweile 3 Zyklone, die sich über Japan tummelten und niemand konnte so recht ihren weiteren Verlauf bestimmen. 
Aber dieser eine Morgen versprach vom Wetter her gut zu werden. Es konnte in aller Früh losgehen. Was ich mir denken konnte und dann auch tatsächlich zutreffend sah, war die Tatsache, dass hunderte andere Wanderer genau so dachten. Und so herrschte an diesem Tag reger Betrieb am und auf dem Fuji, was das Erlebnis jedoch nicht minderte. Leider war an einen Aufstieg vom Fuße es Bergs aus nicht machbar. 12 Stunden hätte ich dafür benötigt. Viel zu lange, denn die Wetterprognose zeigte bestenfalls bis zum Nachmittag gutes Wetter. Danach war Regen mit Starkwind gemeldet. Also ließ ich mich bis zur 5. Station fahren, die auf ungefähr 2.300m liegt. Hier starten die meisten Wanderer. Hier lassen sich die Vorräte noch einmal auffüllen. Es gibt vom Regenschirm bis zum Überlebenskit alles zu kaufen. 
Zu meiner Verwunderung kamen mir doch viele Hiker vom Berg entgegen. Einige wagemutige hatten den Vorhersagen getrotzt und den Aufstieg in der Dunkelheit gewagt. Wagemutig, denn es gibt etliche Steilpassagen über rutschige Steine. 
Die Wetterpropheten sollten zunächst recht behalten. Es war windstill und der Himmel blau. 4-5 Stunden Aufstieg zum Gipfel hatte ich veranschlagt, einige Fotostopps inbegriffen.
Um es vorweg zu nehmen. Es sollte ein wunderbarer TG werden. Sowohl vom Erlebnis her als ich vom Wetter. Denn es hielt den ganzen Tag über. Gut, dass sich nicht nur in Deutschland die Meteorologen irren. 
Der Weg auf den Gipfel empfand ich als anstrengend. Es hat gerade zur Mitte der Strecke viele größere Steine, die es zu übersteigen bzw. zu passieren gilt. Alles ist gut beschildert, ein Verlaufen eigentlich unmöglich. Zudem hat es eine Bergwacht und einige Hütten, die warme Mahlzeiten, Getränke und Souvenirs anbieten. Für 2 Euro darf man auch deren Toilette benutzen. Schon in der ersten Aufstiegsphase hat man einen tollen Ausblick auf die japanischen Alpen bis zum Meer. 
Unterwegs traf ich auf Simon, einen gesprächigen Australier aus Melbourne, dessen Partner schlapp gemacht hatte. Er schloss sich mir für eine Weile an und erzählte viel über Australien. Gerade passend, da ich von Japan nach Australien reisen werde. Klar empfahl er mir die Ocean Road im Süden, aber auch die Westküste sei für ihn eine der schönsten Abschnitte Australiens.
Nach 4:30 Std. hatte ich den Gipfel des Fuji erreicht. Ich war und dem Dach Japans. Glücklich und kaputt zu gleich. Im Hinterkopf schon der Abstieg, der für mich oft anstrengender als der Aufstieg ist. Kurz nachdem man das sogenannte Himmelstor durchschritten hat, gelangt man zu der Station, wo sich alle Wanderer ausruhen, Kraft tanken, essen und was trinken. Das ist jedoch noch nicht der Gipfel. Für die meisten Wanderer aber der Endpunkt ihres Aufstiegs. Gut so, denn so herrschte auf dem nochmal 30 Minuten Aufstieg kein Gedränge. Und auch die Umrundung des Kraterrandes vollziehen nur wenige. Ein schöner Rundweg, der immer wieder einen Blick in den Kraterschlund zulässt.
Für den Abstieg benötigte ich nur noch 2:15 Std. Ich ließ es einfach laufen. Wer selbst gerne wandert weiß, was nach dem wandern kommt. Die Portion am Abend war extra groß. Hatte ich mir ja auch verdient. Beim Abendessen traf dann die Vorhersage der Wettermenschen zu. Es goss aus Kübeln. Meine Gedanken waren sofort bei denen, die jetzt noch im Berg waren, schließlich zählt man pro Saison, die von Juni bis August geht, mehrere hundert Unfälle. 
Ich nutzte den folgenden Regentag als Reisetag, um in die japanischen Alpen, nach Takayama, zu gelangen. Takayama ist die mitunter bekannteste Stadt in den Alpen. Eine ausgesprochen angenehme Stadt mit unzähligen Sehenswürdigkeiten. Ich wohnte in Takayama in einem buddhistischen Tempel mit angeschlossener Jugendherberge. Der Tempel befindet sich am Waldrand  inmitten einer ganzen Ansammlung von Tempeln. Lediglich der sich dahinter befindliche Friedhof vergegenwärtigte mal wieder die Endlichkeit unseres Lebens.
JAPANISCHE ALPEN

Immer noch ausgehungert von der Fuji Tour begann ich Takayama zunächst mal kulinarisch zu erkunden. Einige gute Gelegenheit anhand meines Tagesablaufes in diesem Ort meine Essorgien zu beschreiben.
Los gings am Morgen bei Don, einem Café mit unendlich viel Flair. Don, der Patron, brüht jeden Morgen, und das immerhin seit 1952, frischen Café auf, der zu den besten Filterkaffees zählt, die ich jemals getrunken habe. Und ich trinke gerne guten Kaffee.

Daneben bietet Don noch kleine Schweinerein an, z.B. frischen Schokoladenkuchen mit Minze und eine Soße, dass einem die Ohren wegfliegen. Zugegeben, nicht gerade ein Gesundheitsfrühstück. Essen in Sachen Gesundheit gab es später.
Zunächst ging es jedoch ungesund weiter. Jetzt kam noch Alkohol ins Spiel. Bei dem anschließenden Bummel durch die Altstadtgassen Takayamas fiel mir eine Sakebrauerei ins Auge. Japanischer Reiswein, den musste ich einfach probieren, auch wenn es erst 11 Uhr am Morgen war, sozusagen als zweites Frühstück. 
Sake ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt unzählige Brauereien und diverse Geschmacksrichtungen. Vergleichbar mit dem Prozedere bei Wein, Bier oder Whiskey. Ich entschied mich für einen vor Ort gebrauchten naturtrüben Sake. Da ich keine Ahnung von Sake habe und trotz Beratung die Entscheidung schwer fiel, entschied ich mich für die Flasche, die optisch den besten Eindruck machte. Die Geschmacksbeschreibung fällt mir leicht. Flüssiger cremiger Joghurt mit Alkohol versetzt. Cheers!

Nach Alkoholgenuss bekomme ich immer Hunger. Keine Ahnung warum, aber mir knurrte der Magen. Also auf in ein kleines Rstaurant, das sich auf Hida Gerichte spezialisiert hat. Hida ist ähnlich wie Waygu. Das Fleisch ist von Fett durchzogen, das beim Braten in das Fleisch eindringt und so ein wunderbares Geschmackserlebnis offenbart. Ich entschied mich an diesem Tag für hausgemachte, handgezogene Nudeln mit Bambus, einem Ei und einer geheimnisvollen Soße, deren Rezept ich nicht erfahren konnte. Mahlzeit!
An der Stelle noch ein Hinweis zu den japanischen Gebräuchen bzgl. einer Bestellung. Nicht selten kommt es vor, so auch in diesem Fall, dass man sich beim Betreten des Lokals anhand einer Karte für eine oder mehrere Speisen entscheidet und dann den fälligen Preis in einen Automaten einzahlt, der dann einen Bestellzettel ausdruckt. Man zahlt also nicht selten, oder sogar meistens, vorher. Trinkgeld kennt man in Japan nicht.
Jetzt hieß es Beine vertreten. Meinen Bummel über den örtlichen Markt konnte ich jedoch nicht vollenden,ohne eine der leckeren Süßigkeiten zu probieren. Und es gibt hunderte davon. Am verlockendsten erschien mir eine Eierspeise, die nur in Takayama angeboten wird. Also rein und probieren.
Irgendwie hat mich der Typ hinter der Theke angesprochen. Er war cool drauf, erklärte alles und war auch für allen Scheiss zu haben. Den Namen des Süßspeise habe ich vergessen, nicht deren Geschmack. Ich würde es beschreiben mit Mohrenkopf oder Dickmanns. Süß, klebrig und auf der Zunge leicht vergänglich. Meine Vermieterin klärt mich gerade auf. Der Name der Speise ist: "Owara tamaten". Sie meint auch, dass mich der Typ falsch informiert hat. Diese Speise komme aus einer ganz anderen Gegend. OK, ich bin Tourist und mir kann man ja alles erzählen. Immerhin hat es geschmeckt. Eiweiß wird mit Zucker und Agar Agar geschlagen, mit Eigelb übergossen und auf einer Platte erwärmt. Guten Appetit!
Fast hätte ich es vergessen. Da war ja noch Takayama als Ort . Zugegeben, fast Nebensache. Bei dem Essen keine Verwunderung. Dennoch ein netter Ort, der mir auch als Standort dient, um Ausflüge in die Umgebung zu machen.
Und diese Ausflüge sollten es in sich haben. Takayama liegt am Rande der japanischen Alpen. Mehrere Dreitausender umrahmen eines der schönsten Wander- und Skigebiete Japans. Die ersten beiden Tage nahm ich mir, um die Berge um den wohl bekanntesten aller Wanderorte zu erkunden. Die Rede ist von Kamikochi.
Kamikochi ist ein Traum für alle Japaner. Jeder will hier einmal hin. Dies ist aber nur in einem begrenzten Zeitraum möglich. Der Ort ist nämlich nur von April bis Anfang November geöffnet. Danach versinkt der Ort in einen Winterschlaf. Die Zugangstore werden geschlossen. Keine Chance hineinzukommen. Es liegt dann hoher Schnee und die Temperaturen sinken weit unter Null. Selbst zur Saison sind keine Fahrzeuge in Kamikochi zugelassen. Auf einem Parkplatz weit vor dem Ort hat man sein Fahrzeug zu parken und in einen Zubringerbus umzusteigen. Klasse. Hat den Vorteil, dass man keine stinkenden Abgase und Fahrzeuglärm im Ort hat. Wie ich finde ein Musterbeispiel.


Ich hatte mich gegen eine Übernachtung in Kamikochi entschieden, weil mich das finanziell ruiniert hätte und ich nach meinem Japan Aufenthalt hätte nach Hause fahren können. Alles was in Japan bekannt und beliebt ist, ist nochmal um einiges teurer wie es ohnehin schon ist. Heißt, dass Übernachtungen in Kmikochi bei 300 Euro losgehen und bei 792 Euro die Nacht enden. Immerhin ist das Frühstück dabei inbegriffen.😳
Ich hatte also die Wahl wischen einer Übernachtung auf einer Parkbank nahe dem Tourismus Office,, die mir ein begeisterter spanischer Wanderer ans Herz gelegt hatte oder meinem Tempel in Takayama. Obwohl die Bank gemütlich aussah, entschied ich mich für meinen Tempel und wählte einen 4tägigen Buspass, der mich alle Busse in dieser Region nutzen ließ. Ich wollte ausgeruht auf meine Wanderungen gehen, was mir auf der Bank wohl nicht geglückt wäre. Letztendlich war ich sehr froh die Tempelunterkunft gewählt zu haben. Die Wanderungen waren anstrengend und ermüdend. Die Parkbank hätte bestimmt nicht zur notwendigen Regeneration beigetragen.
Ich möchte von meiner spektakulärsten Wanderung berichten, den Aufstieg auf den aktiven Vulkan Yakedake. Dieser war 1995 das letzte mal aktiv. Keine Gefahr also. Diese ging eher von den hier frei lebenden Bären aus. Als die Parkrangerin mich einwies, dachte ich zuerst an einen Scherz. In der Tat leben hier in freier Natur Bären. Begegnung nicht ausgeschlossen. Im Falle einer Begegnung habe ich auf keinen Fall wegzulaufen, ich solle stehen bleiben, mich klein machen und langsam rückwärts zurückziehen. 
Das Foto zuvor zeigt mein Tagesziel auf knapp 2.500 Meter. Beim Mount Yakedake geht es nicht unbedingt um die Höhe, in erster Linie geht man den Trail wegen der genialen Aussicht auf die umliegenden Berge und dem Erlebnis Vulkan. Es riecht nach Schwefel und an vielen Stellen dampft es gewaltig aus dem Boden.
Am Fuße des Berges traf ich auf zwei Taiwanesen, die auf Kurzurlaub in Japan waren. 4 Tage für die Region waren nicht viel. Typisch aber für das Reiseverhalten der Asiaten. Alle haben sie wenig Urlaub und nutzen die günstigen Flüge nach Japan. Schließlich sind es nur 4 1/2 Stunden Flugzeit.
Beide hatten offensichtlich keinen Plan was man hier unternehmen konnte und auch ihre Ausrüstung war eher bescheiden. Wir entschlossen uns zu dritt den Aufstieg zu bewältigen. Im Nachhinein eine gute Entscheidung. 2 neue Facebook Freunde, 2 Einladungen nach Taiwan und viele Fotos. 
Die Wegstrecke hatte es gerade wegen des wechselnden Wetters in sich. Von warm bis kalt, von Windstill bis Starkwind und vor allem die steilen Kletterpassagen, teils über wagemutige Leitern, hatten es in sich,
Die letze Stunde vor erreichen des Gipfels würde es dann richtig hart. Es zog komplett zu. Dichter Nebel kam auf und die Wegmarkierungen waren kaum noch zu erkennen. Zudem schloss sich langsam unser Zeitfenster für den Gipfel. Ich verweilte zu oft um alles fotografisch dar zu halten und meine beiden Taiwanesen machten nach starkem Auftakt langsam schlapp. Dennoch schafften wir alle zusammen den Gipfel und machten dort noch eine nette Begegnung mit einer älteren Japanerin, die überglücklich war, es geschafft zu haben.
Zu der älteren Japanerin gibt es noch eine Story, die wie ich finde, die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Japaner unterstreicht. Sie hatte sich 3 Stücke Kuchen als Belohnung für den Gipfel eingepackt. Und wer bekam diese. Die Gäste aus Taiwan und Deutschland. Unfassbar. 

Kamikochi hat aber auch für Tageswanderungen im flacheren Gelände viel zu bieten. Es gibt Nature Trails mit Erklärungen zu Flora und Fauna. Ehrlich gesagt, so schön hätte ich mir diese Region nicht vorgestellt. Wie muss es hier erst im Herbst zur Zeit der Laubfärbung aussehen.
Nach der körperlichen Anstrengung hatte ich mir einen Nachmittag im Onsen gegönnt. Und auch hier die übliche Prozedur. Waschen und Schruppen bis der Arzt kommt, dann in die verschiedenen heißen Becken, unterbrochen von Saunagängen und  Thermalbäder. Nur diesmal mit dem Unterschied, dass mein Ring mit der Tahiti Perle anfing sich zu färben. Ein ganz besonders Wasser also. Am Ende hatte ich alle Bäder mehrmals durch und war schwindelig beim Verlassen der Wasch- und Badeanstalt. Eigentlich ist es streng verboten innerhalb des Onsen zu fotografieren. Da Männer und Frauen getrennt sind, findet sich jedoch immer mal wieder ein Artgenosse, der mich fotografiert. Es gibt auch gemischte Onsen, ich bevorzuge jedoch die Gschlechtertrennung. Da weiß man wenigstens was man hat.😂
Japan hat soviel zu bieten, ich könnte stundenlang berichten. Ich habe mich aufgrund des tollen Essens entschlossen, in meinen Japan Blog das Kapitel Japanische Küche aufzunehmen. Es gibt so viele lokale Spezialitäten, dass ich ständig am ausprobieren bin. 
Nach dem Onsenbesuch ging es nur eine Etage höher, denn in Japan sind gewöhnlich die Restaurants in die Onsen integriert. Diesmal gab es die bekannte Ramen, japanische Nudeln. Diese werden in den unterschiedlichsten Arten angeboten. Mal kalt, mal arm, mal solo, mal in einer  Suppe. Dazu Tempura, eine Zubereitungsvariante frittierter Speisen. Mit einem Teigmantel aus Mehl, Ei und Eiswasser versehen werden diverse Fisch-, Pilz- und Gemüsesorten sowie Sprösslinge und junge Blätter in heißem Öl schnell ausgebacken. Dazu gibt es oft Saures. Alle Gemüsesorten werden hier, ähnlich wie bei uns das Sauerkraut, so lange eingelegt, bis es gärt und säuerlich schmeckt. Hört sich grässlich an, schmeckt aber durchaus lecker.

Der im Hintergrund zu sehende Massagestuhl wirkt im Restaurant zwar irritierend, ist jedoch der besonderen Lokalität im Onsen geschuldet. Alles ist auf Entspannung ausgerichtet. Selbst nach dem Essen.

4 Wochen bin ich jetzt im Land und bin immer wieder überrascht, teils verwundert, wie anders Japan doch gegenüber dem Westen ist. Kein Tag vergeht, ohne dass ich einen Eintrag in mein Tagebuch unter die Rubrik "Typisch Japan" hinzufüge. Über das Essen habe ich mittlerweile eine extra Rubrik eröffnet. Die Thaiküche und die vietnamesische Küche sind ja schon Weltklasse, aber was die Japaner alles auf den Tisch zaubern, ist schon ganz großes Kino. 
Um Japan besser zu verstehen bzw. sich als Westler ein Bild zu verschaffen hier ein Auszug aus meinem Tagebuch. Wie immer unsortiert und so eingefügt wie gerade gesehen oder erlebt.

...."wenig Autos, riecht nicht nach Abgasen, keine Hektik, fast still, keine Polizeisirenen, alles geordnet, schauen ernst, lachen wenig, viele gehen tagsüber mit Sonnenschirm, Abstellstationen für Fahrräder, kostenpflichtig, alles fährt auf der Schiene, unendliches Warenangebot, viele sehr hellhäutig, Geschäftsmann mit blauer Hose und weißem Hemd, keine Krawatten, dafür auffallend schöne Schuhe, alle rasiert, außer ich und andere Ausländer, fürs Shopping werden Reisekoffer hinterher gezogen, vieles sehr hochpreisig, keine Sonderangebote, wenn überhaupt dann kurz vor Geschäftsschluss, niemals zur Haupt Shoppingzeit, das Meiste muss vorreserviert werden, unangemeldetes Erscheinen ist nicht bekannt, wenige behinderte Menschen zu sehen, Frauen haben die Zehennägel in verschiedenen Farben lackiert, beim ersten kennen lernen wird zuerst nach Alter und Beruf gefragt ( so selbst erlebt ), zudem wird der Statuts mitgeteilt, Single pp., Mode ist in Japan ein großes Thema, viele unterschiedliche Stile, auffallend viele Frauen tragen Schuhe mit hohen Absätzen bzw. Plateau, auf die Fahrbahn aufgeklebte Hinweistafeln erlauben oder verbieten das Rauchen auf offener Straße, ausgewiesene Raucherplätze im Freien, Metro fährt in der Regel bis 24 Uhr, dann wieder ab 4 Uhr, 2020 sind die Paralympics in Tokyo, Städter beachten kaum Touristen, viele Expats hier, für Essen wird einiges an Geld ausgegeben, es wird größer Wert auf gute Qualität und Frische gelegt, Essen ist Ritual und kann mit Freunden Stunden dauern, jeder probiert bei dem anderen, auch Getränke, strenge Benimmregeln, der Japaner verlässt den Fahrstuhl lieber als Letzter, das gebietet der Anstand, Ausländer haben immer Vortritt, in der Metro starrt jeder auf sein Handy, Japaner mögen keine Chinesen, überall Videoüberwachung, Lautsprecherdurchsagen in Straßenzügen, generell spätes Einchecken, ab 15 Uhr, Invasion von Spaniern, halb Japan ist untertunnelt, zum Teil große Platznot, zwischendurch immer mal wieder Grünflächen, die zum Reisanbau genutzt werden, keine Verkehrsunfälle, keine Staus, Fahrradfahrer,  ob mit Kind als Sozius oder ohne, alle ohne Helm, peinlich für einen Japaner wenn er etwas verneinen muss, in Städten chaotisch verlegte Stromleitungen, bei Rotschaltung der Fußgängerampel bleibt jeder stehen, auch wenn beidseitig auf 10 km kein Autofahrer zu sehen ist, unzählige UNESCO Weltkulturerbe Stätten, die entsprechend vermarktet werden, Japaner sind sehr geschäftstüchtig, Verkäufer in Geschäften sind ständig was am rufen, entweder Begrüßung, Verabschiedung eines jeden Kunden oder Hinweise auf Angebote, wenige Leute trinken Süssgetränke, viele trinken grünen Tee, dementsprechend auch unzählige Sorten im Angebot, Land ist übersät mit kleinen Supermärkten wie 7 Eleven' Family Mart und Lawson, alles wird verpackt, meist in Klarsichtfolie, zu jedem Essen oder Essenskauf gibt es Hygienetücher, die meisten Attraktionen/Sehenswürdigkeiten kosten Eintritt, nur ganz wenige sind ohne Gebühren, Japan ist für Rollstuhlfahrer hervorragend geeignet, selbst jede entlegenste Toilette hat einen ensprechenden Zugang, sehr große regionale Unterschiede, wie bei uns, Beispiel Hamburg Bayern....."

Nach meinen Klettertouren blieb ich noch eine Weile in den japanischen Alpen und besuchte dort Orte wie Shirakawago und Gokayama die aufgrund ihrer strohgedeckten Häuser viele Touristen anziehen. Die Orte und Landschaft haben mich doch sehr an meine Wanderungen in der Schweiz erinnert. Schöne Berglandschaften, hohe Gipfel, strohgedeckte Häuser und regionale Küche. 
Womit wir mal wieder beim Essen wären. Da Tofu eine absolute Spezialität ist und gerade der aus Gokayama habe ich die Gelegenheit genutzt die Mutter meiner Vermieterin bei der Tofuproduktion über die Schulter zu schauen.
Vom Tofu aus unseren Bioläden hatte ich bislang immer ein wenig Magenkrummeln bekommen, dieser hier ist aber beschwerdefrei zu genießen und ein idealer Eiweisslieferant. Um 3 Uhr morgens steht die alte Dame auf und das mit 75 Lenzen und produziert frischen Gokayama Tofu, der anschließend an Restaurants, Supermärkte oder Privatpersonen verkauft wird. Tofu wird gerade morgens oder an heißen Tagen gegessen. Mit Misopaste oder Soyasauce, dazu geriebenen Trockenfisch und Frühlingszwiebeln und Ginger. Mittlerweile mein morgendliches  Lieblingsgericht. 
Bevor ich in Kyoto, der Stadt aller Städte in Japan eintraf, legte ich einen kurzen Zwischenstopp in Kanazawa ein, das seit Eröffnung des neues Bahnhofs für den Hochgeschwindigkeitszug Shinkasen Auftrieb erhalten hat. 
In Kanazawa befindet sich neben dem sehenswerten Schloss der Kenroku-en Garten, einer der schönsten japanischen Gärten. Japanische Gärten strahlen etwas besonderes aus. Vieles liegt hier im Detail verborgen. Aber auch hier, klare Linien, geordnetes Anreihen. Und vor allem Klarheit und Schlichtheit. Zudem sind diese Gärten ein Ort der Ruhe. Der besonderen Ruhe versteht sich, derweil es für mich gegenüber dem sonstigen Asien hier abartig ruhig ist.
Kanazawa wäre nicht Kanazawa, hätte nicht dieser Ort auch eine Speziälität. Und hier ist sie. Das japanische Curry. Es gibt eine große Currykette, aber auch viele kleine Anbieter. Beim ersten Genuß fällt auf, dass die japanischen Currys lange nicht so scharf als die Indischen oder Thaicurrys sind. Sie sind schmackhaft, haben mir persönlich aber nicht genug pepp. Dazu wird meist eine Misosuppe gereicht und eine leichte süße, fruchtige Nachspeise. Positiv empfand ich, dass man sich neben dem Reis alles in den Teller ordern kann, was man möchte. So gab es bei mir links vom Reis Huhn und rechts davon Beef. 
Kanazawa liegt unweit dem Meer, folglich hat der Ort auch andere Essensgenüsse zu bieten. So verspeisen die Menschen hier alles was sich im Meer so tummelt. U.a. auch Aal. Zugegeben, Aal stand bis zu meinem Eintreffen in Japan nicht gerade auf meinem Speiseplan. Mittlerweile ist er aber zum Main Favorite mutiert. Er ist zwar teuer, die Japaner lieben ihn aber auch. Er schmeckt wie er aussieht. Fettig, aber keineswegs fade. Als ausgesprochen schmackhaft erwies sich die Variante mit süßlicher Sojasoße und leicht geräuchert. Dabei zergeht einem das Tierchen auf der Zunge. Göttlich!

Als Vertreter der exotischen Fische fiel mir der Skorpionfisch auf. Klar musste ich ihn probieren, von Tauchgängen wusste ich ja um seine Gefährlichkeit. Hier war er schön gebraten und aufgesteckt, um sozusagen als Snack vertilgt zu werden. Das Fleisch ist recht fest, wenig Fasern, aber geschmacksneutral. Ich habe beschlossen ihn weiterhin lieber unter Wasser zu bewundern, als ihn zu verspeisen.😁
Kanazawa hat mir deshalb so gut gefallen, da hier eine Art Lokalspirit zu verspüren war. Alte Gassen mit Geishaviertel, direkt am Flusslauf gelegen. Häuser mit viel Holz, nicht einsehbare Innenhöfe und mit Lattenrosten verkleidete Türen und Fenster. Daneben die üblichen Verdächtigen wie Gärten, Tempel und Shrine. Japan wie man sich das Land als Westler vorstellt. 
Kanazawa verfügt über etliche kleine Bierbrauereien. Eine gute Gelegenheit um anstatt über Essen auch mal über die flüssigen Dinge zu sprechen. Japaner trinken unglaublich gerne Bier. Hunderte Biersorten gibt es. Nicht alle nach dem Reinheitsgebot gebraut, doch allesamt sehr schmackhaft. Nachfolgendes Foto zeigt meine bevorzugten Sorten.
Yebisu ist mein absoluter Favorit. Leider das auch mit am teuerste Bier. Würzig mit viel Stammwürze lässt es sich gerade an warmen Sommerabenden, wie sie zur Zeit vorherrschen, trinken. Eine der größten Brauerein ist die Asahi Brauerei, die über 50 Sorten produziert. Zu meiner Verwunderung auch unter Lizenz das Löwenbräu, das gleich wie bei uns schmeckt, aber billiger ist. Witzig die japanische Aufschrift. Eine Besonderheit. Es werden Cans mit 50ml produziert. Das reicht meist gerade mal um die Schleimhaut zu befeuchten. Ist aber eher gedacht, um kostengünstig mal eine Sorte probieren zu können. Zweifellos aber unnötig, passt aber in das Buisenessgebahren der Japaner. 
Und dann ist da noch das Alltagsgetränk der Japaner, grüner Tee. Auch hier, es gibt hundert Sorten. Mittlerweile gibt es kein Tag mehr, wo ich nicht mindestens einen halben Liter trinke. Gehört zu Japan einfach dazu und mittlerweile schmeckt er mir richtig gut.

KYOTO
Und dann kam sie, die Stadt aller Städte in Japan, Kyoto. Liebling aller Touristen, aber auch der Einheimischen. Und in der Tat, Kyoto ist eine wahrlich sehenswerte Stadt, gespickt mit großartigen Sehenswürdigkeiten, Kyoto ist die einstige Hauptstadt Japans und der ehemalige Wohnsitz des Kaisers von Japan, der heute in Tokyo lebt.
Im Vorfeld hörte ich von vielen  Travellern, dass diese hier fast ihren gesamten Urlaub verbrachten und immer noch nicht alle Highlights gesehen hatten. Nun, ich blieb 5 Tage und in diesen blieb genug Zeit um die sogenannten absoluten Highlights mir anzusehen. 

Über zwei meiner Favoriten möchte ich an dieser Stelle intensiver berichten, da sie einmalig sind und mein Japanbild wesentlich prägten.
Zum einen der Bambuswald von Arashiyama. Dort gibt es, neben einem schönen Fluss mit historischer Brücke auch einen Bambuswald, der in dieser Art einzigartig  ist. Man fühlt sich hier zeitweise in einer anderen Welt, vorausgesetzt, man kommt zur richtigen Zeit. Der Bambuswald ist ein beliebtes Reiseziel und täglich kommen tausende Besucher hierher. 
Es ist zwar nur ein Bambuswald, aber der Ort hat was. Gerade wenn früh morgens das Licht durch die langen, sich in alle Richtungen spreizenden Bambusrohre einfällt, spürt man die Magie des Ortes. Spätestens ab 11 Uhr kann man den Ort jedoch in die Tonne klopfen. Wenn die ausgesprochen laut redenden Chinesen einfallen, ist es mit der besonderen Stimmung vorbei. Dazu kommen dann noch unzählige Hochzeitspaare, die sich diese Location ausgesucht haben, um auf Rikschas ihre Fotos zu schießen. Hier hat sich mal wieder gezeigt, in Japan musst du die Attraktionen früh morgens oder am späten Nachmittag besuchen, um etwas Athmosphäre zu haben. Es besuchen unheimlich viele Chinesen, Koreaner und Taiwanesen Japan. In diesem Ausmaß hätte ich mir das vorher nicht ausgemalt. 
Kyoto hat hunderte Tempel und Schreine, ja vielleicht tausende, aber ein Schrein hat es in die Liste der magischsten Orte meiner Reise ganz nach oben geschafft, der Fushimi Inari-Taisha Schrein. Dieser Schrein mit seinen schier endlosen zinnoberroten Schreintoren, Torii genannt, ist ebenfalls eine Welt für sich und einmalig in Japan. 
Der Ort ist unvergesslich und prägt sich jedem Besucher nachhaltig ein. Der Schrein besteht aus 5 Komplexen, die sich aneinandergereiht an einem bewaldeten Hügel befinden. Ein 4 km langer Pfad führt durch die nicht enden wollenden Tore. 
Der Schrein wurde im 8 Jahrhundert zu Ehren der Reis und Sakegötter errichtet. Neben den Schreintoren sind unzählige Steinfüchse zu erkennen. Das Tier gilt als Bote von Inari dem Gott der Reisernte. Der Schlüssel den die Füchse in ihrem Mund tragen, öffnet das Tor zur Reiskammer. Seit jeher betrachten die Japaner den Fuchs als heiliges, aber auch mysteriöses Tier, das die Fähigkeit besitzt in Menschen hinein zu schlüpfen und sie zu beherrschen. 
Kyoto eignet sich zweifellos um seine Japan Reise zu beginnen, denn hier kann man das Land mit all seinen Facetten besonders gut kennen lernen. Kyoto ist kulturell einer der reichsten Städte der Welt und besitzt 17 UNESCO Weltkulturerbestätten. Kyoto verfügt aber auch über moderne Architektur wie beispielhaft der Bahnhof, der vom Stararchitekten entworfen wurde. Klar tummeln sich unzählige Besucher in den Geschäften und Restaurants. Wer länger bleibt entdeckt aber auch viele schöne, romantische Viertel, wo es sich abends am Flussufer ein Bier trinken oder einen Geishatanz besuchen lässt.
Von den 1600 Tempeln Kyotos hatte ich mich u.a. für den Kinkaku-jii entschieden, zu verlockend sahen die Aufnahmen der goldenen Pagode aus, die auf dem kleinen See zu schweben scheint. Und sie ist schön, zweifellos, wären da nicht mehrere tausend Besucher pro Stunde, welche die Stimmung völlig zerstören. Schade, denn die Pagode, die einst der Ruhesitz eines Shoguns war, ist mit Blattgold überzogen und spiegelt sich wunderschön im Wasser. Sie ist Kyotos "Goldener Pavillion" und zählt zu den 3 beliebtesten Fotomotiven Japans. 
Nara
Nur eine 40-minütige Zugfahrt trennt Kyoto von Nara, auch einstige Hauptstadt Japans. Und hier steht die Nummer 2 der beliebtesten Fotomotive Japans, der Todai-jii, in dem sich der große Buddha befindet. An der Stelle sei erwähnt, dass sie Nummer 3 der Fujisan ist. Der große Buddha steht mal so ganz nebenbei erwähnt im größten Holzgebäude der Welt. Die 746 gegossene Bronzefigur aus der Edo Zeit ist 15 m hoch und besteht aus 437 Tonnen Bronze und  130 kg Gold. 

Hier gelang es mir die Athmosphäre und Magie des Ortes intensiv aufzunehmen, vielleicht mit ein Grund, warum es mir hier so gut gefallen hat. Ich habe unweit des Tempels gewohnt und konnte so früh morgens, bevor die Besucherscharen kamen, den Mönchen beim Gebet zusehen und vor allem zuhören.
Nara ist aber auch dafür bekannt, dass hier über 1000 Rehe frei leben und sich diese die Stadt mit den Touris sozusagen teilen. Die meisten von ihnen sind überhaupt nicht scheu. Im Gegenteil, da wird bei Ankunft jedes Gepäckstück sofort nach Futter untersucht. Mein Rucksack jedenfalls hielt der Geschmacksprobe stand. In präbbuddhistischen Zeiten galten Rehe als Götterboten. Seit jeher leben diese in und um Nara.
Osaka
In Osaka angekommen, und mein bis zu diesem Zeitpunkt so einhelliges Japanbild war dahin. Eine Großstadt wie man sie aus Asien kennt und was für eine. Plötzlich waren all die Dinge zu sehen, zu  hören und vor allem zu riechen, wie ich sie aus Bangkok oder ähnlichen Städten kenne. Fahrzeuge, Lärm, Hektik, Menschenmassen, Hilfsbedürftige, Kranke, Abgase, Uringeruch, Abfälle und Schmutz. Schlagworte die auf Osaka zutreffen.
Und dazu dieser unersättliche Konsumwahn. Für mich die Konsumstadt schlechthin. Osaka übertrifft in vielem so manch andere Großstadt. Gegenüber Osaka kommt mich Singapur, Hongkong oder Bangkok wie eine Seitenstraße vor. Die Stadt hat zwar nur knapp 3 Mio. Einwohner, diese aber geballt auf enger Fläche. Ich habe noch nie so viele Geschäfte, Restaurants, Spielhallen etc. auf so engem Raum gesehen und erlebt. Eine dieser Shoppingarkaden ist 3km! lang mit einer Durchlassbreite von 5 Metern. Schnecken kommen da schneller durch als die vielen Kunden.
Auf der anderen Seite steht Osaka aber auch für das Schlemmerparadies Japans. Hier wurden die Rollbänder mit den laufenden Sushi erfunden. Ich sehe sie immer noch vor mir laufen. Unzählige Sorten mit Frischestem aus dem Meer. Sushi kennt jeder, ist aber für Japanreisende nach einer Weile vielleicht langweilig. Dafür gibt es zu viele regionale Spezialitäten, wie zum Beispiel den japanischen Pfannkuchen.
Als Saarländer erinnert man sich sofort an Schales, auch für nicht Saarländer bekannt unter Dibbelabbes, der sich in Japan Okonomiyaki nennt. Er besteht aus Mehl, Eier, Wasser, Backpulver, Weißkohl, Frühlingszwiebeln, Ingwer und Zutaten nach eigener Wahl wie Beef oder Meeresfrüchte. Die Masse brät man sich selber auf dem Teppan, einer heißen Platte, die in den Tisch eingelassen ist. Macht rießen Spaß und schmeckt auch noch. Je nach Wunsch kann man sich am Ende dann noch Majo oder eine Art Worcesterssauce draufklatschen.
Mein zweiter lokaler Favorit entdeckte ich erst auf den zweiten Blick. Soba, eine Nudelsuppe, diesmal vom Strassenstand. Frisch zubereitet, klar, und auch hier kann man sich nach Belieben Zutaten wie frischer Knoblauch oder sauer eingelegtes Gemüse drüber streuen. Mittlerweile liebe ich diese Kombination mit dem Sauren. Als besondere Zutat gab es an diesem Stand geräuchertes Schweinefleisch dazu. 
Und dann war da noch Horai 551, ein Klassiker in Osaka. Ein Restaurant, das sich auf gefüllte Teigbällchen und Süsskartoffeln spezialisiert hat. Die Teigmasse ist mit Schweinefleisch gefüllt und wird sichtbar hinter der Theke frisch bereitet. Es stehen natürlich auch Füllungen mit Shrimps oder Bohnenmus zur Verfügung. 
Nach dem ganzen Essensgenüssen Osakas hilft dann nur noch eins, die Kugel geben.😂
Shinkansen 
Auf ihn hatte ich mich besonders gefreut. Im wohl aufregendsten Zug der Welt zu sitzen, war ein lang ersehnter Wunsch. Für die meisten Japan Reisenden ist er Gewohnheit, da seine Benutzung im Japan Rail Pass eingeschlossen ist. Da ich diesen nicht besitze, konnte ich es mir leisten den "Bullet Shinkansen Nozomi Superexpress" zu benutzen, der die Spitze der japanischen Ingenieurskunst verkörpert. Dieser hält auf einer Strecke von 550 km nur 4 Mal. Ein echter Superzug. Alleine sein Aussehen imponiert und wenn er fast lautlos in den Bahnhof einläuft, kann man schon ein wenig Gänsehaut bekommen.
Auszug Tagebuch:
"Die Geschwindigkeit mit der der Nozomi Nr. 4 den Bahnhof verlässt, erinnert mich an unseren ICE wenn er mit seiner Durchschnittsgchwindigkeit fährt. Unglaublich schnell startet der aus dem Bahnhof in Osaka. Schon nach einigen Kilometern wird es außen dunkel. Wir durchfahren eine Tunnel. Was ich Zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist die Tatsache, dass die halbe Strecke nach Tokyo durch Tunnel oder unterirdisch verläuft. Man hat beim Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke darauf geachtet, dass die Strecke möglichst geradeaus verläuft. So erklärt sich dann auch, dass auf dem Display recht schnell 430 km/h zu sehen ist. Dabei ist das Innengeräuch nicht lauter als in meiner Schlafkapsel letzte Nacht. Lediglich die Ohren gehen mir hin und wieder zu, gerade wenn es mal wieder in einen Tunnel geht. 
Draußen sehe ich erstmals in meinem Leben fliegende Häuser. Alles zieht so schnell an mir vorüber, dass an fotografieren nicht zu denken ist. Es sei denn ab einer Belichtung von 1/1000 oder mehr.
Ich sitze imWagen Nr. 1 für nicht reservierte Sitze. Ist 10 Euro günstiger. Der Nozomi hat 16 Wagen, wovon 1-3 für nicht reservierte Plätze sind. Den richtigen Wagen am Bahnsteig zu finden ist leicht, die Wagenstandsanzeiger sind am Boden angebracht. Zudem gibt die Infotafel am Bahnsteig ständig neue Infos auch in Englisch. 
Am Bahnsteig ist zu vernehmen, dass man sich dafür entschuldige, dass der Nozomi heute 15 Sekunden später einläuft. Japan halt. Pünktlichkeit geht hier über alles. Zudem ist der Shinkansen ein Prestigeobjekt. 
In meinem Wagen geht es erschreckend leise zu. Kein Mensch redet was und wenn ganz leise. Auch Gepäckstücke werden ganz sanft abgelegt. Mir fällt an der Stelle gerade der Vergleich zum indischen Expresszug von Kalkutta nach Bombay ein. Zwei Welten treffen aufeinander.

Meine Nachbarin schläft, wie die Nachbarin der Nachbarin, eine gute Gelegenheit um beide zu fotografieren. Wenn sie nicht schläft, spielt sie auf ihrem IPhone Pokémon, super beliebt in Japan. Sie erzählt mir, das Sie in Osaka in einem Hotel arbeitet. Das sind von ihrem Wohnort über 200 km Distanz. In Japan kein Problem. Sie hat ein Jahresticket, das die Benutzung aller Shinkansen erlaubt und so brauch sie für die Strecke unwesentlich länger als ich zu meinem Arbeitsplatz."
Hiroshima
Schon in Takayama wurde ich von einem japanischen Theaterprofessor darauf hingewiesen, dass ein Japanbesuch nur dann vollständig ist, wenn man Horoshima besucht hat. Er sei dort geboren und rate mir ein paar Tage dort einzuplanen. 
Mein Besuch fiel genau auf den Tag als Nordkorea, das nur einen Steinwurf von Japan entfernt liegt, mal wieder eine Atomrakete getestet hat. Spätestens nach einem Horoshima Besuch weiß man, was die Explosion einer Atombombe für Spuren hinterlässt.
Der Atombombendom mitten in der Stadt veranschaulicht auf eindringliche Weise welche Schäden am 6. August 1945 entstanden, als nur wenige hundert Meter über dem Dom die erste auf die Menschheit gezündete Atombombe explodierte.
Als UNESCO Weltkulturerbestätte wird der Dom der Menschheit auch erhalten bleiben. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Friedensmuseum mit zum Teil erschreckenden, abstoßenden Bildern. Krieg ist immer furchtbar. Gott sei Dank gibt es Fotografen, die auch schlimme Situationen einfangen, auch wenn viele sich fragen, wie man so etwas nur fotografieren kann. Ich bewundere solche Fotografen, die unter Einsatz ihres Lebens, anderen die Schrecken des Krieges vor Augen führen.
Hiroshima ist keineswegs eine tote, langweilige oder gar unattraktive Stadt. Mir gefiel sie ausgesprochen gut. Grüne Boulevards, Flüsse mit Leinpfaden, Bars und Restaurants am Wasser sowie coole, stylische Shops. Dazu eine Straßenbahn mit altertümlichen Wagen.
Dennoch dreht sich natürlich alles um die Atombombe. Ich bin zugegebener Maßen kein Museumsgänger, aber der Besuch da Friedensmuseums in Hiroshima ist ein Muss. Beeindruckt haben mich die Fotos vom Tag des Abwurfes, Aufnahmen vom diesjährigen Besuch des amerikanischen Präsidenten sowie die die den nachfolgenden großen Fotos zu sehende Stelle, mit dem geschwungenen Betonelement, das die Namen aller bekannten Atombombenopfer enthält. Dazu in einem Teich die Flamme des Friedens.
Ganz nebenbei habe ich mir dann in Hiroshima noch einen neuen Wagen zugelegt. Schließlich hat mein Polo schon fast 300.000 km und geht auf sein 15. Lebensjahr zu. Da kam die Besichtigung der Mazda Autofabrik gerade richtig.
Leider gab es den Wagen nicht zu einem Spottpreis. Doch es gab, und das war das erste Mal in Japan, was für sonst. Nicht ganz, aber immerhin ein Zuschuss von 100 Yen, wenn man sich im örtlichen Café etwas kauft. Wow!?
In der 1stündigen Führung bekommt man auch für kurze Zeit das 7km! lange Fließband zu sehen. Am meisten beeindruckt haben mich die vielen Roboter, die sozusagen Hand in Hand mit den Arbeitern fungieren. Auffallend war, dass die Arbeiter nicht nur ein einem Modell arbeiten. Auf dem Band reihten sich die unterschiedlichsten Modelle aneinander. Die Arbeiter müssen hier echt ganz schön was drauf haben.
Miyajima
Der Großraum Hiroshima hat aber noch etwas ganz besonderes zu bieten. Auf der kleinen vorgelagerten Insel Miyajima, nur eine halbe Zugstunde vom Center Hiroshima entfernt, befindet sich eine weitere Weltkulturerbestätte. Sie zählt ebenfalls zu den meist besuchten Sehenswürdigkeiten Japans und ist zudem äußerst fotogen.
Die Rede ist von einem Schreintor, das bei Flut auf dem Wasser zu schweben scheint. Hört sich banal an, ist aber ein lohnenswertes Ziel. 

Ich hatte bei meiner Ankunft früh morgens etwas Pech mit dem Wetter, die Wolken lichteten sich erst gegen Mittag. Dennoch leuchtete das zinnoberrote Schreintor unwirklich im Meer. Die zum Schreintor gehörende buddhistische Anlage befindet sich unmittelbar am Ufer. Auch diese ist mit ihren Rottönen eine schöne Abwechslung zu den übrigen Schreine des Landes. Die Örtlichkeit ist gerade bei Hochzeitspaaren sehr beliebt. Aber auch eine kostspielige Angelegenheit, wie alles in Japan. Mehrere Luxushotels auf der Insel bieten einen Komplettservice, Fotograf eingeschlossen. Auch ich interessierte mich für ein solches Hochzeitspaar, schließlich hatte ich noch nie gesehen, wie eine eine Braut bzw. Bräutigam in Japan so aussieht. 
Nun, dieses besteht wie bei uns aus der Braut und dem Bräutigam.😂 Eine Freundin bezeichnete beim Anblick des Fotos den männlichen Part als Schlafanzugträger. In der Tat könnte man den Kimono so sehen. Er hat jedoch eine lange Tradition in Japan und ohne ihn geht nichts. Er wird in unterschiedlichen Ausführungen zu allen möglichen Anlässen getragen. Dazu die japanischen Flip Flops aus Holz. Diese sehen unbequem aus, lassen sich jedoch überraschend gut und bequem tragen.
Die Braut hat es da schon etwas schwieriger. Sie hat eigentlich immer eine Hostess zu Seite, die ihre Hochzeitsuniform ständig erneuert bzw. korrigiert. Was nicht zu erkennen ist, sie trägt mehrere Kleiderschichten und eine unique Kopfbedeckung.
Obwohl da paar mich nach einer Weile in seine Mitte gelassen hatte, wirkten beide zuvor doch sehr angespannt. Erst nach ein paar Späßen gelang es mir das beide wenigstens mal einen auf "hang loose" machten. Aber auch dabei wirkte der Bräutigam etwas steif. Man beachte seine Handhaltung. Die Braut war diesbezüglich westlich lockerer. Vielleicht lag es daran, dass in Japan in der Regel der Ehemann oder dessen Eltern die Hochzeit zahlt.
Neben dem Schreintor hat mir die Wanderung auf den heiligen Berg Misen mit seinen unzähligen buddhistischen Tempeln gut gefallen. Der Weg ist gut ausgeschildert und führt parallel zur Ropeway entlangeines Bachlaufes. Irritierend waren lediglich die vielen Hinweisschilder auf eine mögliche Begegnung mit der japanischen Mushi😳. Ihr korrekter Name ist Mamushi und sie ist tödlich giftig. Da ich auf meinen saarländischen Laufstrecken schon mehr Schlangen als im Ausland gesehen habe, machte ich mir um Mushi wenig Gedanken. Die Wanderung war zwar schweißtreibend, doch oben angelangt, reichte der Blick bis nach Hiroshima Stadt.
Exkurs Essen
Über die japanischen Pfannkuchen habe ich ja schon berichtet. Ihr Ursprung geht aber auf Hiroshima zurück und hier sollen sie nach Auskunft der Einheimischen am besten schmecken. Und in der Tat, Geschmack und vor allem Zutaten und Zubereitung unterschieden sich deutlich von denen in Osaka. 
In Hiroshima wird der Pfannkuchen vor den Augen des Kunden zubereitet, nachdem man sich für eine der unzähligen Varianten entschieden hat. Ich wählte den Pfannkuchen mit frischen Austern, eine Spezialität der Gegend um Hiroshima. Der größte Unterschied besteht bei den Zutaten. Hier werden mehr Sprossen und Weißkohl verwandt. Zudem gibt es andere Gewürze, die nicht zu erfahren waren. Geheimsache.
Koyasan
Nie im Leben hätte ich geglaubt, dass es mir einmal auf einem Friedhof ganz besonders gut gefallen sollte. So gut, dass ich mich dort von früh morgens bis in die Dunkelheit hinein aufhielt. Bis zu meinem Japan Besuch dachte ich, dass sich auf dem Friedhof lediglich die Toten wohl fühlen. In Japan gibt es aber einen Friedhof, der Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Um dorthin zu gelangen, steht eine umständliche Anreise an. Ich fuhr zunächst mit dem Zug von Osaka 2 Stunden zu einem Umsteigebahnhof, wo es in einen kleinen Bummelzug ging. Danach stand eine 10-minütige Fahrt mit der Seilbahn an, um zu der heiligen buddhistischen Anlage von Koyasan zu gelangen.
Die spirituelle Klosteranlage liegt auf einem Berg inmitten unberührter Natur und ist der Hauptsitz einer buddhistischen Sekte. Der Ort hat etwas Erhabenes. Am Ende des Besuches spricht fast jeder nur über den magischen Friedhof Oku-no-in. Der Ort eignet sich prima um etwas über den Buddhismus zu erfahren oder gar zu lernen. Neben dem Friedhof mit seinen moosbewachsenen Stupas unter hohen Zedernbäumen verfügt die Anlage über wirklich imposante Tempelanlagen, in denen man gewöhnlich übernachtet. Nicht billig, aber ein einmaliges Erlebnis morgens mit Gebeten geweckt zu werden. Der Ort hat es übrigens in meine persönliche Liste der 10 magischsten Orte geschafft!
Exkurs Essen
Zurück in Osaka entschied ich mich an einem Regentag für den Besuch im Instant Ramen Museum. Ein lebendiges und echt witziges Museum. Japan ist bekannt für seine Nudelgerichte. 1958 begann der Siegeszug der Fertignudeln zu einem Weltgeschäft.
Sogar für die japanische Airline wurden Produkte entwickelt. Das Museum zeigt den Weg des Produktes und am Ende kann man sich seine eigene Instant Nudeln zusammen stellen. Zu Hause oder im Hotel braucht man dann einfach nur heißes Wasser aufschütten und schon entwickelt sich ein, wie ich finde, überraschend guter Geschmack. Nichts für jeden Tag, aber wenns mal schnell gehen muss auf jeden Fall einem Lyonerweck vorzuziehen.
Dann wäre da noch meine neue Lieblingsnachspeise, süßer Tofu. Die Japaner machen mit Tofu einfach alles. Sauer, süß, naturbelassen, als Vorspeise oder als Hauptgericht. Mittlerweile schmecken mir die kleinen Tofukuchen am besten. Geschmacklich fast nicht von unseren europäischen Teigkuchen zu unterscheiden. Einfach lecker. Und etwas Gesundes lässt sich der Nachspeise aus Tofu auch noch etwas abgewinnen.
Exkurs Sumo
Ohne meine Tokyoter Freundin Hikari hätte ich niemals die Chance gehabt, einen Sumo Kampf live zu erleben. Als Sekretärin an der Theaterhochschule hatte sie über ihren Professor die richtigen Beziehungen und konnte eine Karte für uns besorgen. Und nicht irgendeine Karte, sie ergatterte eine in der A Kategorie für läppische 90 Euro. 
In dieser Kategorie sitzt man ungefähr 50 m vom Geschehen entfernt. Weiter vorne gibt es auf Jahre keine Karte. Es gibt im Jahr nur 3 Tournaments in Tokyo, jeweils 14 Tage. Die besten Plätze sind gerade für Touristen nicht käuflich und kosten zudem all abendlich mal so um die 2500 Euro. Richtig gelesen. Kein Schreibfehler. Da ich mich auf dem Weg in den Norden Japans befand, passte unser Treffen in Tokyo geradezu perfekt. Einem spannenden Sumoabend stand also nicht mehr im Wege. 

Und damit fängt meine Unkenntnis über Sumo schon an. Das Stadion öffnet nämlich schon morgens um 8 Uhr. Und das obwohl die Hauptkämpfe spätnachmittags zwischen 17 und 18 Uhr statt finden. Zuvor gibt es Kämpfe der unteren Klassen, später der sogenannten Mittelklasse. Dazwischen immer wieder Rahmenprogramm. 
Das Sumostadion liegt an einer sozusagen eigenen Metrostation. Die gesamte Station zeigt Exponate über Sumo. Die Wände sind voller Fotos und Zeichnungen berühmter Sumokämpfer. Schon vor Beginn der Veranstaltung hat mir die Handgrösse eines Sumokämpfers imponiert. War das wirklich die Hand eines Menschen?
Sumo ist die Nationalsportart in Japan. Die Athleten sind Stars. Viele werden verehrt. Sie führen zum Teil ein asketisches Leben. Einige sind aber auch Millionäre. Sumo ist zweifellos auch ein riesiges Buiseness. Im Gegensatz zu europäischen Veranstaltungen ist in Japan beim Sumo oder auch Kabuki, japanisches Theater, essen und trinken am Sitzplatz erlaubt, ja sogar erwünscht. Und so haben wir uns es erst mal gemütlich gemacht und mehrere Portionen Sushi und andere kleine Schweinerein verdrückt, begleitet von einem lokalen Asahi Bier.
Während wir uns warm gegessen haben, haben parallel dazu die ersten Superstars das Gelände über einen festgelegten Weg betreten. Man möchte den Stars nahe sein und so warten tausende auf die vorbeidefilierenden Sumostars. Ich hatte Glück, denn als ich vor die Halle ging, marschierte gerade der noch ungeschlagene Maigashira Endo vorbei. Ein Kämpfer aus den mittleren Rängen, der nach diesem Turnier wohl in höhere Ränge aufsteigen wird. Ich nehme es vorweg. Nicht ganz nach oben in den Rang eines Yokozuno (Großmeister), denn er verlor seinen Tageskampf.
Der Besuch beim Sumo gehörte sicher zu einem vielen Highlights meines Japan Aufenthaltes. Es ist nicht nur ein Kampf bei dem der eine den anderen aus dem Ring drängen oder als erster mit der Hand oder Körper zu Fall bringen will. Es ist das lange Taxieren davor, das Ritual des Salzwerfens im Ring als Reinigungsritual und vor allem die eindringlichen Rufe, ja fast Schreie des Schiedsrichters. Diese Sportart ist mit nichts zu vergleichen. Sie ist einmalig. Sie ist Japan.
Hokkaido/Sapporo
Ich hatte die Wahl in den Tiefen Süden Japans zu reisen oder in den entlegenen Norden. Ich entschied mich letztendlich für den Norden Japans. Der Süden wartet mit vielen Inseln, Sonne, Strand und Meer auf. Durch meinen langen Südseeaufenthalt übten diese Umstände keinen Reiz auf mich aus. Die nördliche Provinz Hokkaido dagegen schien all das zu bieten, was ich mir momentan wünschte. Landschaft, Natur, Seen, Berge, Wanderwege und vor allem das tolle Klima zu Beginn der Herbstsaison. Und so flog ich von Tokyo nach Sapporo, bekannt vor allem durch die olympischen Winterspiele 1972. 

In Sapporo zählt es zum Pflichtprogramm die ortsansässige Sapporo Bierbrauerei zu besichtigen. Am Wochenende ist die Führung kostenlos und, was für japanische Verhältnisse einem Erdbeben gleichkommt, zwei kostenlose Gläser gezapftes Bier sind eingeschlossen. Na dann, Proat.
Schon kurz nach der Landung in Sapporo war mir klar, dass ich mich richtig entschieden hatte. Eine angenehme Stadt mit vielen Attraktionen und einem wunderschönen Stadtpark in welchem gerade das Herbstfest gefeiert wurde. Integriert war das Oktoberfest mit original bayrischem Essen. Die Bedienung waren zwar keine waschechte 120 kg Bayerin, doch die japanischen Mädels geben sich mit ihren durchschnittlichen 50 kg alle Mühe so ähnlich auszusehen.
Daisetsuzan National Park
Von Sapporo ging es mit dem Bus in den größten japanischen Nationalpark Daisetsuzan, der sich in der Inselmitte von Hakkaido befindet. Es ist eine besonders rauhe, wilde, teils unberührte Region mit hohen Bergen, aktiven Vulkanen, abgelegenen Onsen, klaren Seen und dichten Wäldern. Gerade richtig um nach den Stadtaufenthalten eine Wanderwoche einzulegen, die mich letztendlich mehr fordern sollte, als ich anfangs dachte.
Einige Einheimische beneideten mich zur Herbstzeit in dem Park zu wandern. Zu dieser Zeit sei die Herbstfärbung so schön, dass es einem den Atem raube. In der Tat, die Erzählungen entsprachen den Tatsachen. Eine unglaublich vielfältige Farbenpracht schlug mir sozusagen entgegen. Zweifellos die beste Zeit, um in dem Park unterwegs zu sein. Unterschätzt habe ich die Temperaturen. Die Region ist für Wettersprünge berüchtigt. Spezielle in diesem Jahr. Mittlerweile tobt der 19. Taifun in diesem Jahr über Japan. Das Wetter spielt verrückt. Und so musste ich meinen ursprünglichen Plan canceln. Ich hatte vor zu zelten und mehrtägige, unabhängige Wanderungen durch zu führen. Nachttemperaturen von 5 Grad mit strengem Wind brachten mich von meinem Plan ab. Ich hatte nur einen dünnen Schlafsack dabei. Bei meinem momentanen Körpergewicht wäre ich über Nacht in einen Eisblock verwandelt worden.
Das Personal in den Visitor Centers ist unglaublich nett und versorgt Wanderer mit allem was diese an Infos benötigen. Es findet sich auch hier immer eine Person die englisch spricht. Dazu gibt es kostenlose Wanderkarten und Routenvorschläge. 
Zudem traf ich bei einigen Wegstrecken auf Ranger, die patrouillieren und auch für Rettungseinsätze gewappnet sind. Lediglich die Befestigungsstelle für Ihre Autorisierung ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Und dann war da noch diese wundervolle und eindrückliche Begegnung mit Hidaki. Wie so oft im Leben begegnet man sich ein zweites Mal. So auch in diesem Fall. Hidaki war im Youth Hostel in Sounkyo-Onsen mein Bettnachbar. Unauffällig, nett und sehr zurückhaltend. Wir redeten nur kurz, aber höflich. 
Einen Tag später dann die zweite Begegnung im Berg. Diesmal schon vertrauter. Wir waren uns sympathisch und augenscheinlich auf der gleichen Wellenlänge. Und so beschlossen wir, die Besteigung des Kurodake und dem folgenden Rundweg gemeinsam zurück zu legen.
Was dann folgte, berührt mich noch immer. Wir erlebten zusammen einen ganz besonderen Tag, über den ich berichten möchte. Unseren ersten Zwischenstopp legten wir am Gipfel des Kurodake ein. Wir aßen zusammen Tofuplätzchen, die ich als Wegzehrung eingesteckt hatte. Wir genossen die wärmenden Sonnenstrahlen, wenngleich uns ein kalter Wind ins Gesicht blies.
Was dann folgte, war der erste Akt von Herzlichkeit und Freundschaft, was man vielleicht nur beim Reisen erlebt. Hidaki schenkte für für die Einladung auf eine kleine Zwischenmahlzeit seinen Talismann, ein fliegendes Eichhörnchen, die in dieser Region des öfteren zu sehen sind. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht um die besondere Bedeutung dieses Geschenkes. Sich dazu später.
Kurz bevor wir zu unserem Rundweg aufbrechen wollten, gesellte sich ein sozusagen bunter Vogel zu uns. Rae arbeitet als Hotelangestellte in Sounkyo-Onsen und nutzte ihren freien Tag um eine Wanderung zu unternehmen. Wie sich das für eine unerfahrene Teenagerin gehört hatte sie alles dabei, was man nicht für eine Wanderung brauch. Geschweige denn ihre Ausrüstung. Fehlanzeige. Eher aus väterlicher Fürsorge entschieden wir uns diesen bunten Vogel mit zu nehmen, bevor Suchtrupps sich auf den Weg machten. Um es vorweg zu nehmen. Sie passte super in unsere Runde. Sie war total gut drauf, hatte nur Scheiss im Kopf und brachte Pepp in unsere Wanderung.
Unser "Wandertag" war auch landschaftlich der Klopper. Vielleicht Neuseeland kann da mithalten. Unterschiedliche Vegetation, einsame Mondlandschaft bis hin zu üppigen Blumenwiesen, zusammenfließende Flüsse, rauchende Vulkane, Schwefelgeruch, Wasserfälle und gefrorene Eisflächen. Nur einige Atrribute, die unsere Hikingtour beschreiben. Am besten sind immer noch Fotos. Diese sind selbstsprechend. 

Am Abend gab es dann die Belohnung. Rae führte uns zum besten Ramenrestaurant Japans. Und das meine ich im Ernst. Ich dachte die Bedienung bringt einen Putzeimer. In Wirklichkeit war es die Suppenschüssel mit den heißen Nudeln und diversen Zutaten. Und das beste war, es schmeckte auch noch super lecker. 
Dann folgte der emotionalste Teil unseres Tages. Ich sprach davon, dass ich das Geschenk von Hidaki zunächst nicht einordnen konnte. Beim Abendessen unterhält man sich gewöhnlich über das Privatleben. Nachdem meines abgehakt war, erklärte mir Hitaki in verständlichem Englisch dass er zwar studiert, momentan aber kein Einkommen habe und daher obdachlos sei. Er habe all sein Erspartes zusammen genommen, um sich die Übernachtung im Youth Hostel leisten zu können. Es sei schon immer sei Traum gewesen mal einen Tag im Daisetsuzan National Park zu wandern. Vom restlichen Geld habe er sich als Erinnerung das Stofftier gekauft. Und mit zum Essen sei er nur gekommen, weil ich angedeutet hätte, ihn und Rae einzuladen, 
Wie ich mich in dem Moment gefühlt habe, kann ich nur schwerlich beschreiben. Ich spüre immer noch eine Ergriffenheit und auch jetzt noch, beim Schreiben dieser Zeilen, sammelt sich Tränenflüssigkeit. 
Kurz nach dem Essen gab Hidaki zu verstehen, dass er so langsam in sein Heimatort fahren müsse. Schließlich sei er mit dem Fahrrad und dem kompletten Hausstand angereist. 1 Stunde benötige  er mit dem Rad. Dann müsse er noch am Dorfrand sein Zelt aufschlagen. Ich begleitete ihn nach draußen. Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen. Ich stand mit Hidaki unter einer Strassenleuchte und schon wieder wurde es emotional. Er habe kein Telefon. Folglich auch kein Internet oder gar einen Facebook Account. Er gab mir zu verstehen, dass er jetzt fahren müsse und ich solle ihn in guter Erinnerung behalten. Ich sitze momentan im Zug und mein Nachbar schaut ständig zu mir rüber, da ich mir ständig die Augen trocken reiben muss. Hidaki erlaubte mir wenigstens zur Erinnerung ein Foto zu schiessen. Es hat keine gute Qualität, aber es zeigt wirklich nachhaltig die Sitution. Und dann verschwand er. Leise, wie sich das für einen Japaner gehört. Ich schaute ihm noch lange nach. Er drehte sich nicht mehr um. Rae war mittlerweile dazugekommen. Wir heulten zusammen, denn auch sie war von der Situation ergriffen. Danke Hidaki für diese Lehrstunde in Sachen Menschlichkeit und vor allem Selbstlosigkeit.  

Am nächsten Tag hatte ich noch den Vormittag zur Verfügung bevor ich mich auf den Weg in einen anderen Teil des Parkes aufmachte. Ich unternahm mit Rae noch eine kleine Tour. Sie war gewachsen und entpuppte sich als Kämpferin. Vielleicht an der Stelle noch die Weitergabe einer Info. Es hat sich mehrfach bewährt, die örtlichen Visitor Center aufzusuchen. Die dortigen Mitarbeiter sind unendlich nett, geben alle notwendigen Infos über die geplante Route und vor allem erteilen diese eine kleine Lehrstunde in Sachen Bärenkunde. Im speziellen, wie man sich zu verhalten hat, wenn ein Braunbär aufkreuzt. Diese sind im Park heimisch und jedes Jahr kommt es zu tödlichen Zwischenfällen. Die nachfolgenden Aufnahmen verdeutlichen warum man sich auf einen Fight nicht einlassen sollte. No Chance!
Asahidake-Onsen
Mein nächstes Ziel war Asahidake-Onsen im  Daisetsuzan National Park. Wieder erlebte ich großartige Wandertage mit der Besteigung des Vulkans Asahidake und der Erkundung der Wege rund um den Vulkan. Leider war auch hier an Zelten nicht zu denken, zumal es an meinem Anreisetag in Stömen regnete. Doch das Regenradar meldete für die beiden nächsten Tage keine Aktivitäten. Die Sonne strahlte bei 14 Grad. Auf dem Asahidake gab es in der Nacht zuvor den ersten Schnee. Mein Maskottchen, das ich seitdem immer bei mir trage, zeigte leichten Schüttelfrost. Auch ich hatte mir ein dickes Fell zugelegt und im Zwiebelprinzip so ziemlich alles an, was ich auf meiner langen Reise dabei habe. Gut, dass auf meiner Wanderung immer mal wieder natürliche Hot Springs, japanisch Onsen, ihre Aufwartung machten. "Hokkaido, more then black and white".

Otaru
Über diesen Ort möchte ich nicht viel berichten. Eine Enttäuschung. Der Ort hat einen schönen Kanal. Das war es auch schon. Der Ort ist voller japanischer, chinesischer und koreanischer Touristen. Alles ist auf Kommerz ausgerichtet. 
Shikotsu-Lake
Dieser See und seine Umgebung hielt alles was ich zuvor darüber gelesen hatte. Lediglich das Wetter spielt nicht so ganz mit. Ich hatte zwar blauen Himmel, dafür aber sehr starken Wind mit Spitzen von 65 km/h. Das führte zu hohen Wellen und mein Vorhaben im tiefsten See Japans zu tauchen war dahin. Ich entschied mich für eine Wanderung auf einen aktiven Vulkan. Mal wieder. Am Ende meiner Reise bekomme ich wohl das Verdienstkreuz für den Deutschen mit den meist bestiegenen Vulkanen dieser Erde. 
Die Tour hatte es in sich. Da kein Bus in die Nähe des Vulkanes Tarumae-zan (1041m) fährt, musste ich mir ein Mountainbike mieten und 13 km bergan radeln. Und das bei einem Gegenwind, der mir die Haare ganz schön zerzaust hätte.😂
Danach dann der Aufstieg mit nicht gerade taufrischen Beinen. Spätestens hier blies der Wind dann richtig, meistens ging ich in Schieflage. Wäre es nach der Rangerin gegangen, hätte ich die Tour an dem Tag abblasen müssen. Japaner sind übervorsichtig. Doch die Dame hatte Recht. Es war schön grenzwertig. Dafür wurde ich von einem aktiven Vulkan mit grandioser Rundumsicht empfangen. 
Die Landschaft nahe dem Dom des Vulkans gleicht verbrannter Erde. Hinzu der penetrante Schwefelgeruch. So muss es auf dem Mond aussehen dachte ich zeitweise. Nach dem Abstieg wieder die 13 km zurück.Wenigstens konnte ich zurück das Rad rollen lassen. Der Tagesanstrengung angepasst viel abends die Essensportion aus. 
Ich bin mittlerweile auf dem Weg zurück nach Tokyo, wo meine Japan Reise begann. Als Reisemittel habe ich mich für den "Hokkaido Shinkansen Superexpress Hayabusa" entschieden, der die Imsel Hokkaidodurch das Meer verlässt. Wie beim Eurotunnel fährt er unter dem Wasser hindurch. Erst in diesem Jahr wurde die Strecke fertig gestellt. Ja, und dann lief er ein. Und er sah live noch futuristischer aus als auf Fotos. Großes Kino.
Wenn es ein Land auf der Welt gibt, in das ich alleine wegen dem Essen bereisen würde, dann ist dies definitiv Japan. Und so kam es wie es kommen musste. Ich musste mir zum Abschluss noch einmal bei einem ausgiebigen Sushi Abend die Kugel geben. Hikari hat 9, ich habe 10 Teller geschafft. Eine Sushi Komposition leckerer als die andere. 
Japan wird mir garantiert immer in Erinnerung bleiben. Und wie so oft vor allem die fast abartig netten Einheimischen. Japan ist nach außen dem Westen ähnlich, im Inneren jedoch völlig anders. Ich würde es als eine geheime Welt mit uralten Ritualen und Gebräuchen bezeichnen. Man braucht sehr lange, um Japan zu verstehen. Auch meine 8 Wochen haben dafür nicht ausgereicht. Vielleicht bin ich in einigen Bereichen etwas tiefer eingetaucht, andere widerrum bleiben Ausländern wohl lange verborgen. Auf Wiedersehen Japan!
Fast alles hat bei meinem Japan Aufenthalt gepasst. Lediglich das mit der Frisur habe ich nicht ganz hinbekommen. Ich bin der Sache, wie ich finde, aber schon ganz schön nahe gekommen!

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Kommentare: 4
  • #1

    Arrate Iraolagoitia (Dienstag, 23 August 2016)

    Hola Christof

    ¡Fascinantes fotos de Japón! Me has contagiado las ganas de viajar a ese país :-)

    Me gusta realmente tu imaginación y tu mirada fotográfica!

    Por favor, sigue sacando fotos y compartiéndolas con nosotros.

    ¡Sigue disfrutando de la aventura del viaje!

    Arrate Iraolagoitia

  • #2

    Hallinger (Donnerstag, 25 August 2016 07:29)

    in Japan wird es ganz deutlich, es ist eine kulinarische Weltreise auf der du dich befindest, Natur - ok, Menschen - ja toll, Essen und Trinken darum geht es :-).

    weiterhin

    Bon appétit ! und viele gute Erfahrungen

  • #3

    Laure & Thomas (Mittwoch, 31 August 2016 13:18)

    Amazing pictures! Can't wait to go to Kamaguchi. Thanks for your advice :-)

  • #4

    hikari (Dienstag, 20 September 2016 17:21)

    クリス、こんにちは。
    あなたが撮る写真はどれも素晴らしいね!
    日本にはまだまだたくさん魅力的な場所があるということを、あなたに教えてもらっているみたいです。
    更新を楽しみにしています!