NEUSEELAND 2

"Die Südinsel"


Als der Flieger von China Airlines auf neuseeländischem Boden aufsetze, fehlte diesmal das "Welcome Home", dass jeder neuseeländische Pilot seinen Gästen offeriert. Dennoch war es für mich ein kleines nach Hause kommen, dafür sind meine Erinnerungen an meinen ersten Neuseeland Aufenthalt im vergangenen Jahr zu gut. Doch meine Freude wieder in Neuseeland zu sein, wurde recht schnell getrübt. Weniger vom Wetter, das unerklärlicher Weise um Wochen sozusagen hinten dran ist, eher über das schlimme Ausmaß des erneuten Erdbebens Ende vergangenen Jahres. Schon weit vor Kaikoura, den Ort, an dem ich meinen ersten Aufenthalt beendete, wurde mir klar, welches Ausmaß das Erdbeben hatte. Risse im Bodenbelag der Straße, Leitplanken abgerutscht, Erhebungen mitten auf der Straße, die wie kleine Ameisenhaufen aussahen, die Eisenbahnlinie gesperrt und ganze Hänge abgerutscht, unzählige Hubschrauber im Einsatz die Geröll weg transportieren, um nur einiges zu nennen. In Kaikoura selbst dann ein ähnliches Bild. Das schöne Gebäude des Kinos wegen Einsturzgefahr gesperrt, einige Hotels nicht mehr betretbar, überall Risse an den Häusern. Zudem wirkte der Ort wie ausgestorben. Zudem das schlechte Wetter, es regnete heftig, das die Stadt wie eine Geisterstadt wirken ließ. Nie im Leben hätte ich mit solchen Schäden gerechnet. Der Schock saß schon tief. Ich habe daher keine Fotos gemacht, sonders Verweise auf meine Fotos vom ersten Aufenthalt.


Ich ließ mich natürlich nicht entmutigen, dafür verspricht die Südinsel zu viele Highlights. Eines davon liegt nur unweit Kaikouras, im Norden der Südinsel, der Abel Tasman National Park. Unweit insofern man denn auch die Küstenstraße hoch fahren kann. Diese ist aber auf unabsehbare Zeit wegen Erdbebenschäden gesperrt, sodass ich 11 Stunden über die sogenannte Inlandroute brauchte. Was für ein Umweg. Doch es blieb mir keine andere Wahl.

Der Abel Tasman National Park gehört zu den grossen Highlights einer Neuseelandreise. Und er wird diesem Ruf auch aus meiner Sicht gerecht. Ich hatte echtes Glück mit dem Wetter. Strahlender Sonnenschein bei 21 Grad ohne Wind und hohe Wellen ließen meine Kombitour aus Hiken und Kayaking zu einem echten Erlebnis werden. 

Die Wandertour durch die üppige Natur mit sanften Hügeln und goldfarbenen Sandbuchten zählt zu den insgesamt 9 Great Walks, die Neuseeland zu bieten hat. Er ist auch bei den Einheimischen so beliebt, dass die Zeltplätze auf dem Weg auf 1 Jahr ausgebucht sind. Mit ein paar Tricks oder vielmehr Improvisation kann man jedoch die gesamte Strecke erkunden. So ließ ich mich mit einem Shuttleboot zu einer im Park gelegenen Bucht bringen und wanderte von dort 3 Stunden in die nächste Bucht, wo mich das Shuttle wieder abholte und in einen weiteren Teilabschnitt brachte. Dort bestieg ich dann ein Kajak und ruderte mit einem holländischen Touristen 3 Stunden zurück zum Ausgangspunkt. Um es vorweg zu nehmen, die Deutsch-Holländische Kombination hielt und keiner wollte den anderen am Ende ins Wasser befördern. 


Auf der Wanderroute entlang der Küste geht man durch eine Art tropisch vegetative Zone mit unzähligen Farnarten und immer wieder erhascht man einen schönen Blick auf die Buchten mit ihren goldfarbenen Stränden. Der Weg ist einfach zu gehen. Turnschuhe reichen völlig aus. Zudem ist der Weg so gut markiert, dass man blind sein muss, um nicht den Weg zu finden. Es sind momentan viele Wanderer unterwegs, die Kiwis haben noch Sommerferien und lieben diesen Park. Mit etwas Glück bekam ich noch am Ausgangspunkt meiner Tour, Marahau, einen Zeltplatz. Kein Wunder bei einer Zeltlänge von 2x1,50 Meter. Nebenbei bemerkt schlafe ich nun schon seit über 350 Tagen auf dem Zeltboden, mal besser, mal schlechter. Was ein richtiges heimisches Bett ist, kann ich mir nur so vage vorstellen, auch wenn ich hin und wieder in Backpacker Liegen geschlafen habe. Wahrscheinlich bekomme ich heftige Kreuzschmerzen nach der ersten Nacht in meinem Dirminger Bettchen. 


Im Park ist alles gut durchorganisiert. Man hat lange Erfahrung mit Touristen. Die Bootshuttles sind zuverlässig und bringen einen an jeden Punkt im Park. Am Ende war es ein großartiger Tag und unser neuseeländischer Kajak Guide meinte, wir seien echte Glückskinder. Tage wie diesen gebe es im Park nur an einer Handvoll Tage im Jahr. Meistens stürme es mit hohen Wellen und stetiger Sonnenschein sei so selten wie ein Kiwi in freier Natur zu sehen. Wenn es überhaupt etwas negatives an diesem Parkbesuch gab, dann waren es die unendlich lästigen Sandfliegen. So lästig, dass ich mir die australischen Mücken zurück wünsche. Diese waren zwar größer, stachen aber nicht und hinterließen vor allem nicht so lästige Narben. Und wehe man kratzt an diesen Einstichstellen. Dann werden daraus Beulen so groß wie die Dinger von Dickmanns. Parkeindrücke.


Nur unweit des Abel Tasman hat Neuseeland eine Ecke zu bieten, die mich aufgrund ihrer Natürlichkeit und Unberührtheit verblüfft hat. Farewell Spit heißt die nordwestlichste Ecke der Südinsel. Sie ist ein Traum. Und auch hier hatte ich einen Tag erwischt, den nur wenige Touristen hier erleben dürfen, einen Sonnentag. Die Ecke hier ist so rau, dass zu einem stetigen Wind, ständig fette, dicke Wolken vom Meer herauf ziehen. Doch wenn Engel reisen.😂

Ich bin fast im Café Spit hängen geblieben, so schön war die Aussicht auf das Kap. Dazu einen Milchkaffee, der die Note 1 verdient. Dazu gab es einen hausgemachten Muffin, der auch nicht von schlechten Eltern war. Ein guter Start in den Tag. Dass ich so lange im Café gesessen bin, habe ich dann später noch bereut. Die einsetzende Flut versperrte mir den Rückweg und ich musste ganz schön kraxeln, um wieder zurück zu kommen. 

Hier oben im Nordwesten ist Neuseeland wie man es sich in Europa vorstellt. Dünn besiedelt, viele Schafe, landwirtschaftliche Betriebe und ein durchwachsenes Klima mit viel unberührter Natur und herzlichen Menschen. Sozusagen Neuseeland vom Feinsten. 

Am meisten angetan war ich vom Wharariki Beach. Ein Strand so gar nicht für Sonnenanbeter, sondern für Liebhaber einer rauen Küste mit magischen Felsen und Meeresbewohner. Für Insider zählt er zu den Top Stränden Neuseelands. Hin und wieder gelangt der Strand allerdings zu weniger guten Nachrichten, denn von Zeit zu Zeit stranden hier unzählige Wale. 1997 über 300 Stück. Viele fanden an diesem Strand ihren Tod. Mich hat dieser Abschnitt völlig weggehauen. Ich bin den ganzen Morgen hier spaziert, lies mir den Wind um die Ohren blasen und meine Gedanken schweifen. Als Höhepunkt sozusagen entstieg eine Meeresbewohnerin dem Meer und machte mir ihre Aufwartung. Unvergesslich.

Zum Schluss noch was typisch neuseeländisches. Gerade auf dem Land gibt es unzählige Pubs, wo der Kiwi seinen Feierabend oder am Wochenende einen Abend mit Freunden genießt. Ein solches ist das Mussel Inn, 20 km vom Farewell Spit entfernt. Es zählt zu den beliebtesten Pubs des Landes. Da musste ich einfach hin. Und gerade nach dem Wandertag hat es sich besonders gelohnt. Das erste Bier, ein Captain Hook, ging gleich bis in die kleine Zehe. Da half auch die Muschelsuppe nicht, um wieder klar zu werden. Also ein zweites Bier, ein Lager, hinterher. Dazu fettige Nachos mit viel Käse und saurer Sahne. Köstlich. Was für ein Tag!

Gletscherregion

Die Westküste Neuseelands kann so hart und unberechenbar sein. In der Kombination mit tiefen Temperaturen hat sie mich dazu veranlasst, mir eine weitere Thermojacke zuzulegen. Spätestens als das Thermometer in der Gletscherregion nachts in meinem Zelt auf 2 Grad fiel, stand diese Entscheidung fest. Zum Glück sind es Temperaturen, die selbst die lästigen Sandfliegen erstarren lassen. Alles hat wie immer ein für und wieder. 

Ich bin mittlerweile in Queenstown, im Süden der Südinsel,  angekommen. Und schon nach wenigen Stunden stand fest, dass es diese Stadt in meiner Hitliste unter die Top 3 geschafft hat, die da wären: Auckland, Wellington und das besagte Queenstown. Die letzten Tage waren so aufregend und erlebnisreich, dass mir der heutige Regentag gerade recht kommt, um mein Tagebuch fortzuführen und einen neuen Blogeintrag zu schreiben, Ich fuhr in einem Rutsch sozusagen in die Mitte der Westküste, wo die südlichen Alpen fast bis ans Meer reichen und großartige Gletscher hinterlassen haben. Mein persönlicher Favorit ist der Franz Josef Gletscher, obwohl man ihm lange nicht so nahe kommt, als dem benachbarten Fox Gletscher. Mit Ausnahme man nimmt 350 Euro in die Hand und lässt sich auf dem Gletscher mit einem Heli absetzen, um dort 2-3 Stunden zu wandern. Da meine Reiskasse aber schon mehr als leer ist, gab es für mich nur die Option so dicht wie möglich heran zu wandern.

Das Wetterfenster zeigte 6 Stunden Sonne, also ging ich schon um 7 Uhr los, und das sollte sich später als die Entscheidung schlechthin herausstellen. Schon der zuvor zu sehende Spiegelsee am Fuße des Gletschers, versprach schon ein ganz besonderes Erlebnis. Und das war es auch, denn der Roberts Point Trek ist mit 1200 Höhenmetern und 6 Stunden Wanderzeit über Stock und Stein zweifellos der anspruchsvollste Weg, dem Gletscher ganz nahe zu kommen. Die Steine waren sehr rutschig, da es am Vortag erheblich geregnet hatte. Zudem waren die zu durchquerenden Abläufe der Wasserfälle noch recht hoch, wodurch ich mehrmals mehr als nass wurde. Auch bin ich zweimal gestürzt, jeweils auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg. Hat sich wenigstens ausgeglichen. Hauptsache die Kamera hat nichts abbekommen. Bis auf zwei Schürfungen am Bein habe ich es dann letztendlich auch überlebt. Als besonderes Highlight überquerst du auch mehrere frei schwingende Brücken. Darunter eine, die zu den längsten der Welt zählt. In der Mitte angekommen, schwingt das Ding so stark, dass es an einen Besuch im Holiday Park erinnert. Adrenalin pur.


Nach 3 Stunden war ich oben. Und dann stand ich vor Franz Josef. Und er zeigte sich in seiner ganzen Pracht. Ein echt schöner Anblick. Die Anstrengung hatte sich wirklich gelohnt. Das einzig störende waren eigentlich nur die vielen Helikopter, die aus allen Richtungen Touristen ankarren. 3 befinden sich irgendwie immer über einem und das Rotorengeräusch passt sogar nicht in die atemberaubende Landschaft. 


Aber auch der ganz normale Zugangsweg zum Gletscher ist lobenswert, wenngleich man ihn mit Hunderten Touristen aus allen Ländern teilen muss. Entsprechend ist natürlich auch die Geräuschkulisse. Zudem ist der Gletscher nur von weitem zu sehen. Für den Weg spricht aber die 1 stündige Wanderung durch ein tiefes Tal mit dem Ablauf des Gletschers und unzähligen Wasserfällen mit entsprechender Kulisse. Sehr eindrücklich. 

Der nur 20 km entfernte Fox Gletscher ist sozusagen der kleine Bruder. Man kommt der Stelle, wo der Gletscher kalbt, deutlich näher als beim Franz Josef, dafür liegt ein Großteil des Eises unter grauem Stein und Geröll. Erschreckend sind die Schautafeln an beiden Gletschers, die den starken Rückgang der letzen 6 Jahre zeigen. Wenn es die nächsten Jahre so weitergeht, so die Prognose, sind beide Gletscher nur noch aus der Luft wahr zu nehmen. Global warming. 

Wer am Fox ist, der muss auch unbedingt zum Lake Matheson, der nur 5km entfernt liegt. Es ist der Spiegelsee schlechthin. An windarmen Tagen und vorausgesetzt, dass nicht eine Ente die arschglatte Oberfläche des Sees zerstört, spiegelt sich sich Neuseelands höchster Berg, Mount Cook, 3724m, und der Mount Tasman, unfassbar schön. Neuseeland aus dem Bilderbuch. 

Fjordland

Von Neuseelands Gipfeln zum Milford Sound im Fjordland sind es Luftlinie weniger als 100 km, wären da nicht die Berge. Mit dem Fahrzeug bedeutet das knapp 600 km Anreise. Ein Riesenschwenk um die Berge ist unausweichlich. Und das dauerte dann fast einen Tag um in einer der regenreichsten Gebiete der Welt anzukommen. Bei uns wird der Niederschlag in Millimeter ausgedrückt. Nicht so am Milford Sound. Hier rechnet man wie im Amazonas Gebiet in Meter. Der Amazonas hat 5 m Niederschlag im Jahr. Der Milford Sound gar 7 m! Schon das Hinweisschild unweit des Fjordes lag in einem Gemisch aus tiefen Wolken und Nieselregen. Wenigstens machte mir ein KEA seine Aufwartung, sozusagen als Trostpflaster.

Doch ich bin nicht ohne Grund und recht zügig in den Milford gekommen, denn alle meine Wetterapps sagten eines voraus, Sonnenschein für einen Tag. Und den wollte ich unbedingt erhaschen. Und ich bekam ihn. An einem der für mich weltweit schönsten Plätzen! Also das ganze nochmal zurück, die Milford Anreise an einem Sonnentag. Völlig andere Eindrücke.

Im Fjordland und gerade am Fjordland dreht sich alles ums Wasser. Aus diesem Regen hohe, steile Gipfel, von denen der Mitre Peak mit 1700m am eindrücklichsten aussieht. Es herrscht Regenwaldklima und die Sandfliegen sind hier noch aggressiver als sonstwo. Sie fressen einen fast förmlich. Da gilt es das richtige Anti Mücken Mittel heraus zu finden. An der Stelle auch die Erklärung warum ich so verstocken bin. Es stechen nur die Weibchen!😂

Es gibt einige Möglichkeiten den Milford zu erkunden. Da wäre die ganz normale Bootstour, die ca. 2 Stunden dauert, den Überflug in 15 Minuten oder aber den Milford komplett mit dem Kayak durchqueren. Klar für was ich mich entschieden habe. 

Morgens 5:30 Uhr war Treffpunkt. Einkleiden, Einweisung und Rettungsübungen standen auf dem Programm. Nach 1 Stunde gings dann auf den 18 km langen Kurs. Das Wassertaxi sollte uns zurück bringen. Um es vorweg  zu nehmen, es war ein so besonderes Erlebnis, das ich es zu den ganz großen Highlights einer Neuseeland Reise zähle. 


Morgens 5:30 Uhr war Treffpunkt. Einkleiden, Einweisung und Rettungsübungen standen auf dem Programm. Nach 1 Stunde gings dann auf den 18 km langen Kurs. Das Wassertaxi sollte uns zurück bringen. Um es vorweg  zu nehmen, es war ein so besonderes Erlebnis, das ich es zu den ganz großen Highlights einer Neuseeland Reise zähle. 


Nicht nur dass wir sportlich 5 Stunden paddelten. Da waren noch Seebären, springende Delfine und Pinguine. Zudem war Courtney, eine junge Canadiens, eine engagierter und lustiger Guide, die uns sogar durch den 50 Meter hohen Stirling Wasserfall fahren lies.  Ist mir als Copilot in ihrem Boot konnte da ja nichts schief gehen. Die beiden anderen Kayaks bestanden aus Team Kalifornien und Team Sydney. 3 unterschiedliche Akzente in Englisch auf engem Raum. Lehrstunde in Sachen Englisch. 

Am Ende der Tour war ich vollkommen begeistert und zufrieden, zumal sich der Fjord in einem unfassbaren Licht zeigte. Courtney arbeitet seit 4 Jahren im Fjord und sie gab an, dass es solche Tage wie dieser etwa 5 mal im Jahr gibt. Eindrücke aus dem Milford Sound.

n knapp 2 Wochen werde ich Neuseeland verlassen und mir blutet jetzt schon das Herz. Was für ein schönes Land! Eigentlich ist es eine Frechheit wie manche Menschen in Sachen Lebensqualität übervorteilt sind. Es gibt schon jetzt oft Momente die in mir das Erlebte immer wieder wach rufen und unter diesem Gesichtspunkt sind auch die beiden folgenden Aufnahmen entstanden. 

Ich sitze im C1, meinem Lieblingscafé in Christchurch. Fast alle Tische sind besetzt. Heute ist Feiertag, Waitangi Day,. Es ist der Tag am dem der Vertrag zwischen den Ureinwohner, den Maori und den weissen Eroberer geschlossen wurde. Mein 4wöchiger Aufenthalt ist wie im Fluge vergangen. Mein Mückenschutzmittel habe ich bereits entsorgt, das werde ich in den letzten Wochen in Ägypten nicht mehr benötigen. Manchmal entstehen Aufnahmen, über die man später bei der Auswertung einfach nur schmunzeln kann. So fotografierte ich diesen für Sommermonate unerlässliche Gebrauchsgegenstand. Just in diesem Moment nahm ohne jegliche Hektik eine Fliege auf der Flasche Platz. Eigentlich müsste diese die Flasche aus 100km Entfernung riechen und jeglichen Kontakt meiden. Nicht so hier. Die Situation brachte mich natürlich zum Nachdenken über die Geeignetheit des Produktes.


Die letzten 14 Tage waren sehr abwechslungsreich. Da die Südinsel überwiegend mit Natur glänzt, versuchte ich so oft es ging Pepp in meinen Aufenthlt zu bringen, indem ich den Aufenthalt in Städten einbaute, so sie es denn gab. 

Einer dieser Orte war Queenstown, eine Stadt, die es in meine Top 3 der schönsten neuseeländischen Städte geschafft hat. Um es noch mal in Erinnerung zu rufen. Die beiden anderen sind Auckland und Wellington. Queenstown ist Neuseelands Abenteuer Spielplatz. Langeweile kann hier niemals aufkommen. Es sei denn einem ist das Geld ausgegangen, aber selbst dann kann man immer noch in den Remarkables, einer beeindruckenden Bergkette, die die Stadt umgibt, wandern. Sollte die Reisekasse aber noch nicht leer sein, kann man Investitionen für alle Arten von Abenteuersportarten investieren, u.a. auch für Bungee Jumping. Die Stadt gilt sozusagen als Geburtsort dieser Fun Sportart. Beliebtester Sprungsort ist die Karawau Brücke, wo sich am Tag mehr als 500 Menschen in die Tiefe stürzen. Vornehmlich sind es Asiaten die hier den Kick suchen.


Das Springen in die Tiefe war nicht unbedingt mein Ding. Was auf jeden Fall aber mein Interesse fand, waren die benachbarten Weingüter. Fast alle bieten Besichtigungen mit anschließender Weinprobe an. Klingt alles wie immer bei Weinproben, wären da nicht die völlig anders gelegen Weinberge. Diese befinden sich hier in Schluchten und felsigen Hängen, deren Spitzen teilweise noch mit Schnee bedeckt sind. Einige hundert Meter tiefer rauscht der mächtige und imposante Karawau River durch. Eine irgendwie surreale Szenerie. 

So eine Weinprobe kann manchmal ganz schön hart sein. Gerade wenn man alleine unterwegs ist und die in Neuseeland herrschende 0,5 Promille Grenze zu beachten hat. Einzigste Lösung war es, jeden zweiten Schluck auszuspucken, was ganz schön schwer fiel. Die Weine dieser Gegend sind nicht weltberühmt, dennoch werden hervorragende Riesling und Pinot Noir produziert. 

Um uns herum sehen sie den Grund, was Neuseeland am Leben erhält". Das waren die Worte einer geschätzten Mitsiebzigerin, die mich auf dem Hausberg Queenstowns ansprach. Die Dame meinte damit die vielen um uns herumstehenden Asiaten. Sie hatte sich zu mir gesetzt und typisch für Neuseeländer, nach wenigen Minuten in ein Gespräch verwickelt. Erst vor wenigen Wochen habe sie ihr Haus in Auckland für das 3-fache des Wertes an einen Chinesen verkauft. Diese würden zu Zeit kräftig in Neuseeland investieren. Mit dem Erlös könne sie nun bis an ihr Lebensende gut leben. In der Tat, gerade die Südinsel haben die Asiaten sozusagen für sich entdeckt, wenngleich die größte Anzahl Touristen für gesamt Neuseeland aus Deutschland kommt. Zweifellos lieben die Deutschen Neuseeland und Australien. Hier will irgendwie jeder mal gewesen sein. Zudem ist es irgendwie immer noch was ganz besonderes in Ozeanien unterwegs gewesen zu sein. Schließlich liegt es am anderen Ende der Welt und weiter weg geht's ja kaum noch. 


Um auf die Unterhaltung mit der älteren Dame zurückzukommen, hätte auch ich mir gerne in Queenstown Grundbesitz zugelegt, auch wenn es nur einige wenige Quadratmeter gewesen wären. Die Rede ist von meinem Campground an der nördlichen Seeseite von Queenstowns See, Wakatipu, der zweitgrösste der Südinsel und gleichzeitig der zweitklarste See der Welt. Die Reinheit ist größer als unser Mineralwasser. Es gibt Orte, da fühlt man sich angekommen zu sein, zu bleiben und einfach nur genießen zu wollen. Das war so ein Ort. Mein Foto ist selbsterklärend. 

Die Otago Halbinsel in Höhe der Stadt Dunedin stand ebenfalls auf meiner Agenda. Ein Gebiet wo es Pinguine, Delfine, Robben, Seelöwen, diverse Vogelarten und vor allem Königsalbatrosse in natürlicher Umgebung zu sehen gibt. Und das alles eingepackt in eine rauhe Küstenszenerie mit dem endlosen Horizont des Südpazifik.

Die unweit entfernte Stadt Dunedin ist die 7grösste Stadt Neuseelands und auf den ersten Blick denkt man sofort an das Vereinigte Königreich. 1848 gingen als erste Siedler Schotten an Land und brachten ihre Kultur hierher. Demzufolge gibt es urige Pubs, viktorianische Basaltgebäude und Dudelsack. Das Bahnhofsgebäude zählt zu den meist fotografierten Motiven Neuseelands.

Dunedin hat aber noch zwei ausgefallene Attraktionen. Zum einen die steilste befahrbare Straße der Welt. Die durchschnittliche Steigung der Baldwin Street beträgt 34 Prozent, an wenigen Stellen sogar etwas mehr. Bescheinigt wird dies sogar durch eine Urkunde.

Dunedin hat aber noch zwei ausgefallene Attraktionen. Zum einen die steilste befahrbare Straße der Welt. Die durchschnittliche Steigung der Baldwin Street beträgt 34 Prozent, an wenigen Stellen sogar etwas mehr. Bescheinigt wird dies sogar durch eine Urkunde.

Meine beiden letzten Stationen befanden sich an der Ostküste, die etwas wetterbeständiger als die Westküste ist. Nur 75 km östlich von Christchurch befindet sich einer der beliebtesten Ferienregionen Neuseelands, der Ort Akaroa, auf der Banks Peninsula. Mir war von vorne herein klar, dass dies ein durch und durch touristischer Ort ist, aber ich wollte ein vollständigeres Bild von Neuseeland bekommen, wozu auch manchmal der Besuch solcher Orte zählt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass der Ort Flair hat, trotz vor Anker liegender Kreuzfahrtschiffe. Schließlich zählt der Hafen von Akaroa zu einem der schönsten Naturhäfen Neuseelands. Schon die Anreise nach Akaroa hatte es in sich. Nur 1  Autostunde von Christchurch ändert sich die Landschaft dramatisch. Es wird hügelig. Überbleibsel ehemaliger Vulkane betten den Ort wunderschön ein. Es bietet sich ein Landschaftspanorama das einen daran denken lässt, einfach nur den Ausblick zu genießen, ein Buch zu lesen oder über das Leben nachzudenken. 

Der Ort selbst ist klein und überschaubar. Er hat natürlich alles was ein Tourist so erwartet. Das besondere hier ist das französische Flair. Wenngleich ich davon nicht allzu viel verspürte, waren es Franzosen, die hier als erste Siedler an Land gingen und mit der Besiedlung begannen. Immerhin sind überall die französischen Farben erkennbar und auch in den Ladentheken gibt es Quiche Lorraine und Crêpes. Ausnahmsweise störten mich auch die vielen Touristen nicht. Wahrscheinlich weil die Gäste des riesigen Kreuzfahrtschiffes diesmal nicht aus Asien, sondern aus den USA kamen. Am Ufer sprach mich eine ältere Dame aus Chicago an. Ob ich die beiden Kormorane in den Pinienbäumen gesehen hätte. Hatte ich, sie waren bereits in meiner Kamera. Leider nicht im Tierarchiv, für diese Orga hätte ich keine Muse, was ich später beim Sichten und Sortieren der Fotos mit Sicherheit bereuen werde. 

Für die Einheimischen ist definitiv Sommer. Sie tummeln sich am und im Wasser. Viele um die hier lebenden Hector Delfine zu bestaunen. Eine sehr seltene Delfinart, die nur hier vorkommt.  An der Stelle der Hinweis von Einheimischen, dass durch die globale Erwärmung der wahre Sommer auf der Südinsel erst Mitte bis Ende Februar beginnt und nicht wie "früher" Anfang Januar. Dies-bezüglich müssten auch so manche Reiseführer überarbeitet werden. 

Ich habe mir die Frage gestellt, wo ich meinen Neuseeland Aufenthalt beenden soll. Es musste ein Ort sein, der mir besonders gut gefällt. Schließlich will man mit den besten Eindrücken ein Land verlassen. Die Wahl fiel mir leicht. Sie fiel auf Kaikoura. Auch wenn, wie zu Beginn meiner Reise über die Südinsel beschrieben, der Ort vergangenes Jahr von einem heftigen Erdbeben heimgesucht wurde. Kaikoura ist mein Lieblingsort in Neuseeland. Hier habe ich mich super wohl gefühlt. Der Ort bzw. die Gegend hat einfach alles was man sich wünscht. Berge, Meer, rauhe Natur, Tierreichtum in Form einer Robben- und Albatrosskolonie und nicht zuletzt einer Schule von Delfinen, die täglich ufernah vorbeiziehen. Das Wasser ist mit 14 Grad zwar knackig kalt, mit zwei Neoprenanzügen habe aber auch ich mich als bekennendes Weichei ins Wasser getraut. Das Erlebnis dafür war gigantisch. Geschätzte 200 - 300 Delfine tummeln sich auf engem Raum im Wasser und schwimmen um einen herum. Besonders neugierig wurden diese, als ich nur wenige Meter abtauchte. Sofort kamen mehrere und kreisten um mich herum. So nah, dass es ein Auge in Auge Kontakt gab. Anfassen ist verboten, mache kamen jedoch so dicht, dass eine Berührung unausweichlich blieb. Ganze 45 Minuten gestattete uns die Bootscrew mit den Delfinen zu schwimmen. Bei dem für neuseeländische Verhältnisse obligatorischen Erlebnispreis von 175 Dollar eine üppige Ausbeute. Nach der Zeit hat es mich fast automatisch aus dem Wasser gezogen, da ich Anfangszeichen eines Eisblocks aussendete. 14 Grad sind echt heftig. Die gleiche Tour wird auch mit Seals angeboten. Ist man zur richtigen Zeit in Kaikoura sieht man auch Humpackwale und Spermwales vorbeiziehen. 


Für mich hat Kaikoura einen der schönsten Aussichtspunkte Neuseelands, gerade wenn man hier zum Frühstück oder zum Abendessen erschient. Meine Wahl fiel auf den Abend. Auch wenn ich an diesem Tag dem Namen des Ortes, der soviel wie "Langusten essen" heißt, nicht gerecht wurde, fand ich ich ein geeignetes Abendmahl. 


Zum Abschluss meines Aufenthaltes hatte ich noch einen Fototermin mit Peter, dem Schafscherer Kaikouras. Sein Rekord für ein Schaf liegt bei 23 Sekunden, viel zu schnell für gescheite Aufnahmen. Also gab es die Langzeitedition in 4-5 Minuten. Ich hatte den Eindruck, dass es dem Schaf gerade gelegen kam, den Pelz zu verlieren. Seelenruhig ließ es sich die Wolle abnehmen, ohne Widerrede. Danach durfte ich sofort an die Haut fassen, um die ölige Fettschicht zu spüren. Nach der ganzen Aktion hatte ich noch einen Freund gewonnen. Peters Hund war einfach zum knuddeln. Nicht nur dass er aufs Wort gehorchte, er gab sofort alle Fünf. Den musste man einfach lieb haben.


An meinem letzten Tag musste dann doch noch ein Crayfish dran glauben. Sozusagen unbeabsichtigt. Ich ging am Meer spazieren und wurde auf eine neuseeländische Familie aufmerksam, die ihr Motorboot an Land brachte. Meine Annahme, dass diese vom Fischfang kamen bestätigte sich, als ich im Boot mehrere Hummer entdeckte. Typisch neuseeländisch sprach mit sofort das Familienoberhaupt an. Sie hätten so viele gefangen, dass ich einen kaufen könnte. Gesagt, getan. Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir noch überhaupt keine Gedanken, wie ich diesen in den Kochtopf bekam. Klar musste auch noch ein Foto von der Fangausbeute her. Da die Hummer bis zum Kochtopf lebendig bleiben, ist es ratsam, diese richtig anzufassen, sonst gibt's eventuell einen kürzeren Finger. Am Abend war dann auch die Lösung gefunden. Die Asiaten auf meinem Campingplatz veranstalteten jeden Abend eine Hummerorgie, obwohl diese hier überhaupt nicht billig sind. Egal, beim Essen wird nicht gespart. Also einfach in den chinesischen Kochtopf und Bon Appetit.


Wenn wir gerade beim Essen sind, ein paar Beispiele was die Neuseeländer so essen. Am Morgen gibt es oftmals nur einen starken Kaffee mit einem süßen oder deftigen Teilchen. Wenn es was größeres sein soll, werden Eiergerichte in unterschiedlichster Form bevorzugt. Eine der wenigen Kombinationen die auch mir geschmeckt hat, waren Eier Benedikt mit Spinat und Lachs. Köstlich. Einen Kuchen habe ich landesweit überall im Angebot gefunden, Karottenkuchen, gleichzeitig einer meiner Lieblingskuchen. Und in Kaikoura schmeckte er mir am besten. Das lag wohl daran, dass er hausgemacht war und äußerst raffiniert zubereitet wurde. Es gab ihn hier mit Kürbiskernen, Mandel- und süßen Aprikosenstückchen, my Favorit!


Zum Anschluss noch zu der Frage wie denn eigentlich ein Kiwi aussieht. Bekanntlich bezeichnen sich die Neuseeländer als Kiwi. Daneben gibt es aber auch noch die Kiwi als Frucht oder als nachtaktiven, flugunfähigen Vogel. Diesem in der Natur zu begegnen, gleicht einem Sechster im Lotto, oder man geht in die im ganzen Land verteilten Kiwicenter und sieht ihn in Gefangenschaft. Hört sich negativ an, ist aber nur bedingt so gemeint. Die Art ist vom aussterben bedroht, ihr kontrollierter Schutz und Aufzucht ist sinnvoll. Nicht aber die stellenweise vorhandene Abzocke diesen für 50 Dollar sehen zu dürfen.

Meine Antwort war den Kiwi als Souvenir zu erstehen. Dieses Exemplar kommt dem Original sehr nah. Jedenfalls stimmt bis auf die Schnabel- und Fussfarbe alles, nur dass er in Natur nicht unbedingt nach Geldscheinen sucht. Es ist durchaus interessant sich mal die Geldscheine der Kiwis anzusehen. Neben vorkommender Tierarten sind natürlich die Queen als Staatsoberhaupt und der Nationalheld Edmund Hillary, der Erstbesteiger des Mount Everest, abgebildet. 


Ich verlasse Neuseeland mit einzigartigen Erlebnissen und großartigen Landschaftseindrücken. Ich war jahrelang einer Neuseelandreise abgeneigt, da mich die Fotos zu sehr an europäische Landschaften erinnerte. Es war mir schlichtweg nicht ausgefallen genug. Dies stimmt auch zum Teil, allerdings in der Kombination mit der reichen Tierwelt, Freizeitmöglichkeiten und allen sonstigen Annehmlichkeiten ist Neuseeland definitiv ein Traumziel. Wenn es überhaupt einen Negativpunkt gibt, dann sind es die immens hohen Reisekosten. Aber man weiß ja schon vorher auf man sich bei einer Neuseeland Reise einlässt.

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Kommentare: 3
  • #1

    Werner Dörrenbächer (Sonntag, 29 Januar 2017 06:45)

    Unfassbar geile Fotos und spannende Schilderungen, Christof.....komm gesund wieder!!!

  • #2

    Hallinger (Sonntag, 05 Februar 2017 14:14)

    . . . die richtige Lekture an einem grauen, kalten und verregneten Sonntag in good old Germany

    Viele Grüße

    Michael

  • #3

    weißt schon (Dienstag, 07 Februar 2017 02:46)

    Christof, wäre schön, Dich wieder in echt zu sehn.
    Möchte Dich am Flughafen empfangen, abholen und mit dir nach Hause fahren,

    im März